BVB-Trainer Doll "Ich bin kein Kumpeltyp"

Thomas Doll ist zurück. Was ihm beim HSV nicht zugetraut worden war, soll er nun mit Borussia Dortmund schaffen: die Vermeidung des Abstiegs. Die Vereinsführung ist begeistert. Trotzdem muss sich der neue BVB-Coach gleich zu Beginn gegen Bedenken zur Wehr setzen.


Dortmund - Nur einen Tag nach dem Rücktritt von Jürgen Röber unterschrieb Doll in Dortmund einen Vertrag bis zum 30. Juni 2008. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zeigte sich zuversichtlich, dass Doll die zuletzt schwache Borussia zu neuem Leben erweckt: "Die Gespräche mit ihm haben uns begeistert, sein Konzept hat uns überzeugt. Er hat uns neue Zuversicht gegeben. Wir sind uns sicher, dass er in unserer Situation genau der richtige Mann ist."

BVB-Coach Doll: "Der Verein musste keine große Überzeugungsarbeit leisten"
DDP

BVB-Coach Doll: "Der Verein musste keine große Überzeugungsarbeit leisten"

Der nach Röber und Bert van Marwijk dritte BVB-Trainer der Saison steht gleich bei seinem Debüt am Samstag im Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) mächtig unter Druck. Nach zuletzt drei Niederlagen ist die Borussia nur noch einen Punkt vom 16. Tabellenplatz entfernt.

Trotz der bedenklichen Ausgangslage ging Doll ohne zu zögern auf das BVB-Angebot ein: "Der Verein musste keine große Überzeugungsarbeit leisten. Für einen jungen Trainer wie mich ist es eine Ehre, von solch einem großen Club kontaktiert zu werden", sagte der 40-Jährige bei seiner Vorstellung, "im Dortmunder Stadion habe ich mein erstes Spiel als Profitrainer erlebt. Jeder Fußball-Fan weiß, was das hier für ein Gänsehaut-Feeling ist."

Nach kurzer Suche der Vereinsführung und der Absage von Felix Magath machte Doll das Rennen. Schließlich ist der ehemalige Nationalspieler ein im Abstiegskampf erprobter Trainer: Mit neuen Ideen und großem Engagement führte er den HSV nach seinem Amtsantritt im Oktober 2004 vom letzten Bundesliga-Rang in die Champions League.

Allerdings scheiterte er in dieser Saison bei dem Versuch, den in Not geratenen HSV wieder auf Kurs zu bringen.

Die Bedenken, dass sein kumpelhafter Führungsstil in Dortmund kein probates Mittel sein könnte, hält Doll für unbegründet: "Jeder, der meine Arbeit gut kennt, weiß, dass ich kein Kumpeltyp bin. Es ist wichtig, dass man zu den Spielern Distanz hat. Ich werde harte Entscheidungen treffen und für mehr Disziplin sorgen."

Eine konsequente Linie tut Not. Die schonungslose Abrechnung Röbers mit seinem Team machte deutlich, dass Doll eine ähnlich schwierige Aufgabe wie zuletzt in Hamburg bevorsteht. "Ich hätte manchen Profi knallhart aus dem Kader streichen sollen", klagte der ehemalige BVB-Trainer in einen Interview der "Ruhr Nachrichten". Er kritisierte vor allem Nationalspieler Christoph Metzelder: "Ich habe ihn anders eingeschätzt. Im Training laufe ich immer vorne weg. Metzelder lässt sich lieber ans Ende zurückfallen."

Nur zwei Jahre nach der Beinahe-Insolvenz kämpft der Club erneut um seine Existenz. Die meisten Verträge mit Leistungsträgern hätten im Abstiegsfall keine Gültigkeit mehr. Zudem drohen Verluste bei den TV-Einnahmen und Sponsoren-Verträgen. Das erschwert die Arbeit bei der Sanierung.

Schwierigkeiten bei der Lizenzvergabe schließt Geschäftsführer Watzke jedoch aus: "Wir sollten im Abstiegsfall keine Probleme haben, die Lizenz für die Zweite Liga zu bekommen. Aber daran verschwenden wir derzeit keinen Gedanken." Das sieht auch der neue Trainer so, der bekräftigte: "Ich hätte es auch mit dem HSV geschafft, die Klasse zu halten."

fpf/dpa

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