Neuer Trikotsponsor von Carl Zeiss Jena Thüringer Metal

Der Fußball-Viertligist FC Carl Zeiss Jena hat einen neuen Trikotsponsor: die Metal-Band Heaven Shall Burn. Die Nachricht hat sogar in Südamerika und Asien einen Trikotkaufrausch ausgelöst.
Neuer Trikotsponsor: "Ein wärmendes Glücksgefühl"

Neuer Trikotsponsor: "Ein wärmendes Glücksgefühl"

Foto: Heaven Shall Burn

Gerade mal Viertel nach eins ist es, als die Fanshop-Mitarbeiter im Jenaer Stadion die weiße Fahne hissen. Vor ein paar Sekunden ist im Hauptgeschäft unterhalb der Haupttribüne das letzte schwarze Fantrikot verkauft worden, nun gibt auch der mobile Fanshop gegenüber auf: Die Größen L bis XL sind vergriffen. Kurz scheint der 150-Kilo-Koloss zu überlegen, dann steckt er sein Geld wieder ein. Größe S ist definitiv nichts für ihn.

Auch er wird bis Mitte Mai warten müssen, dann kommt die nächste Charge Trikots mit dem Aufdruck "Heaven Shall Burn - support your local team" in die Läden.

Heaven Shall Burn ist eine Metalcore-Band aus dem nahen Saalfeld. Wer sich deren extremen Sound anhört, wird nie mehr den Fehler machen, Bands wie Motörhead oder Metallica als hart zu bezeichnen. Musik von HSB, wie sie von ihren Fans bezeichnet werden, ist nicht massenkompatibel, sollte man meinen. Trotzdem landete ihr letztes Album "Veto" auf Platz zwei der Albumcharts - und ihr Band-Logo auf den Trikots eines Fußball-Viertligisten.

Wenige Minuten vor Anpfiff der Viertliga-Partie gegen den 1. FC Magdeburg donnert das Stück "Atonement" vom "Iconoclast"-Album aus den Stadion-Boxen und über die 5700 Zuschauer hinweg. Kein Gesang, schwere Gitarren, Double-Bass - ein Tempo, das man wenig später auch dem Jenaer Fußballspiel wünscht. Immerhin laufen die Regionalligakicker des FC Carl Zeiss seit diesem Sonntag zu den Klängen ihres neuen Trikotsponsors auf, und die Fans applaudieren begeistert.

"Kämpfen gegen alle Widerstände"

Bislang machte der FCC für einen Solarstrom-Anbieter Werbung. Warum der nun verzichtet, bleibt ebenso im Dunkeln wie die Frage, welchen Betrag Heaven Shall Burn fürs Sponsoring zahlt. Angeblich handelt es sich aber um eine Summe, über die man sich im Verein sehr gefreut hat.

Warum sich die Musiker für die letzten vier Spieltage auf die Brust ihres Lieblingsvereins drucken lassen, erklären sie selbst in einer Stellungnahme: "Wir als Band schreiben in unseren Texten vom Kämpfen gegen alle Widerstände, von Sturheit dem Zeitgeist gegenüber, von Toleranz und dem sich daraus ergebenden Zusammenhalt gegen übermächtige Feinde. ... Diese Haltung gibt uns eine große innere Kraft und ein wärmendes Glücksgefühl. All dies empfinden wir auch als Anhänger unseres Vereins. Egal wie es läuft. An diese Gefühle rühren keine Tabellenstände."

Klingt pathetisch? Mag sein, aber es ist die Sprache der Fußballfans. Und der Sound, den Fußballfans verstehen.

Heaven Shall Burn: Künftig bei Carl Zeiss auf der Brust

Heaven Shall Burn: Künftig bei Carl Zeiss auf der Brust

Foto: imago

Dass HSB zudem ausgemachte Linke sind, die auf ihrer Facebook-Seite zur Blockade von Nazi-Demos auffordern, sich - zumindest teilweise - vegan ernähren und Organisationen wie "Sea Shepherd" unterstützen, mag die Popularität bei einigen jüngeren Zeiss-Fans erklären. Die Ultraszene des Viertligisten ist mehrheitlich linksorientiert.

Manch anderer, der sich das neue Trikot überzieht, sieht allerdings eher so aus, als höre er privat auch mal Phil Collins oder Helene Fischer. Der Verein und die Metal-Band haben deshalb darauf geachtet, dass der neue Schriftzug bei allen Fans Anklang findet und ihn dem traditionellen FC-Carl-Zeiss-Logo nachempfunden.

Der Verein bekommt positive Aufmerksamkeit

Das funktioniert. 1000 Trikots seien in wenigen Stunden verkauft worden, sagt FCC-Pressesprecher Andreas Trautmann. Bestellungen aus Asien und Südamerika seien eingegangen. Dort kennt man HSB zwar schon lange, den Regionalligisten Carl Zeiss Jena allerdings erst, seit der den neuen Sponsor hat.

Der Verein kann sich so nicht nur über mehr Geld in der Vereinskasse freuen. Er bekommt endlich auch mal wieder ein wenig positive Aufmerksamkeit - nachdem er in den vergangenen Monaten nur für die üblichen Schlagzeilen gesorgt hatte: Zerstrittene Funktionäre, eine Mannschaft, die eigentlich aufsteigen sollte, dann aber solche Spiele wie das 0:4 an diesem Sonntag gegen Magdeburg ablieferte.

Auch wenn der Aufstieg mit dem derzeit sechsten Platz und 20 Punkten Rückstand auf die Tabellenspitze nicht mehr drin ist, versprach Trainer Volkan Uluc, seine Mannschaft werde im Saisonendspurt zu Ehren des neuen Sponsors "das Stadion rocken".

Und tatsächlich: Selbst nach der Heimpleite gegen den Tabellenführer applaudieren die Jenaer Spieler ihrer Fankurve - und die klatscht zurück. Auch die Magdeburger Kurve ist bestens gelaunt, die Gästefans können auf die dritte Liga hoffen. Selbst außerhalb des Stadions bleibt vor und nach dem Derby alles friedlich, um kurz nach 18 Uhr verschwinden die letzten Magdeburg-Anhänger nach Hause, die 1200 Polizisten und die Dresdner Reiterstaffel darf Feierabend machen.

Was so ein bisschen Musik doch bewirken kann.

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