Bayern-Sieg gegen ManCity Gewaltschuss mit Happy End

Die Münchner taten sich diesmal schwerer gegen ManCity als in der vergangenen Saison, vor allem, weil sie viele Chancen vergaben. Eigentlich eine gute Nachricht: Spiele des FC Bayern könnten jetzt auch in der Bundesliga richtig spannend werden.

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Aus München berichtet Christoph Leischwitz


Josep Guardiolas Plan war aufgegangen, irgendwie, gerade noch. Wie viel ganz offensichtlich auf dem Spiel gestanden hatte, das war dem Trainer des FC Bayern München fast den ganzen Abend lang anzumerken gewesen, doch in der 90. Minute ganz besonders. Da sprang er dem Siegtorschützen Jérôme Boateng jubelnd gegen die Brust, er packte ihn an beiden Wangen und schüttelte ihn. Seitdem der 43-Jährige in München ist, hat man ihn selten so ausgelassen gesehen.

Am Schluss war es ein Abwehrspieler mit einem Gewaltschuss zum 1:0 (0:0)-Endstand, der im Champions-League-Auftaktspiel gegen Manchester City die Befürchtungen eines Fehlstarts vertrieb - ein unplanbares Happy End. Doch Guardiola fühlte sich mit diesem Tor bestätigt. Denn es hatte ihn zuvor viel taktische Arbeit gekostet, die Bayern zum besseren Team zu machen. Und damit zu einem verdienten Sieger.

Nach einer Viertelstunde hatte Guardiola zum ersten Mal seine mit Kreidestrichen markierte Coaching-Zone verlassen. Es zog ihn nach links, in Richtung seiner Verteidiger. In der 27. Minute ermahnte ihn sogar der vierte Offizielle, weil er auf dem Spielfeld stand. Bei jeder Unterbrechung suchte Guardiola das Gespräch mit den Spielern. Später, als er sich wieder etwas beruhigt hatte, gestattete er einen seltenen und recht ausführlichen Einblick in die taktischen Gedanken, die er während des Spiels gehabt hatte.

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"Die ersten 20 Minuten war Manchester besser als wir", befand er. Dessen Flügelspieler Nasri und Navas hätten zu viel Platz gehabt und sich zur Not auch innen Freiräume gesucht, deshalb habe man das Spiel nicht dominieren können. Ein Beleg dafür ist auch die für Bayern sehr geringe Quote von gerade einmal 55 Prozent Ballbesitz in der ersten Halbzeit. "Wir haben uns am Anfang schwergetan", sagte auch Kapitän Philipp Lahm. "Defensiv hatte der Gegner immer sehr, sehr lange den Ball. Wir mussten im Mittelfeld viel laufen."

Der Bayern-Coach wechselte nach gut 20 Minuten von einer Dreier- auf eine Viererkette, David Alaba durfte dafür offensiver spielen. Dann waren die Räume im Zentrum enger, Bayern kam immer besser ins Spiel. Doch so schnell ändert Bayerns Trainer seine Spielidee normalerweise nicht. Er musste sich diesmal aber mehr auf das Spiel des Gegners einstellen, als ihm lieb war. "Wir haben versucht, Spieler mit wenig Spielpraxis zu integrieren", erklärte Sportdirektor Matthias Sammer nach der Partie. Dass man dies in einem wichtigen Champions-League-Spiel machen muss, spricht für sich. Manchester City hatte versucht, die mangelnde Spielpraxis auszunutzen, indem es versuchte, Missverständnisse im Bayern-Spiel für sich auszunutzen.

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Ein weiterer Grund ist eine Offensive, die sich immer wieder selbst um gute Chancen beraubt. Denn die Bayern hatten eigentlich genug Möglichkeiten für eine frühe Führung. Thomas Müller zum Beispiel ärgerte sich: "Mich ärgert's natürlich ein bisschen, dass ich ohne eigenes Tor nach Hause gehe, trotz Chancen", sagte der 25-Jährige, der die ersten beiden Möglichkeiten zum 1:0 hatte. In der ersten Spielminute will er einen Kontakt mit seinem Gegenspieler, "Herrn Sagna", gespürt haben, sodass er stolpernd den Ball nicht mehr ins leere Tor schieben konnte. In der 19. Minute scheiterte er mit einem Kopfball an Manchesters Torwart Joe Hart.

Müller hatte auch einige Male Pech, und er war damit nicht allein gewesen. Doch aktuell typische Offensivaktionen der Bayern sehen eben auch so aus: Mario Götze luchst einem Gegenspieler den Ball ab, um dann einen Steilpass in die Arme des Torhüters zu spielen. Robert Lewandowski lässt mit einer feinen Finte mehrere Abwehrspieler aussteigen, einer spitzelt ihm aber dann doch den Ball vom Fuß, weil der Pole beim Torschuss zögert.

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Die Bayern werden noch lange brauchen, um ihre Normalform zu erreichen. Denn selbst wenn so wichtige Spieler wie Arjen Robben oder Franck Ribéry einmal dauerhaft zurückkehren, brauchen auch sie Eingewöhnungszeit. Die erste Partie gegen Manchester City wird deshalb beispielhaft sein: Spiele des FC Bayern können auch in der Bundesliga richtiggehend spannend werden - denn die Mannschaft muss sich derzeit wirklich anstrengen, um zu gewinnen.

Bayern München - Manchester City 1:0 (0:0)
1:0 Boateng (90.)
München: Neuer - Benatia (85. Dante), Jerome Boateng, Alaba - Rafinha (84. Pizarro), Lahm, Alonso, Bernat - Thomas Müller (76. Robben), Lewandowski, Götze
Manchester: Hart - Sagna, Kompany, Demichelis, Clichy - Toure, Fernandinho - Navas (88. Kolarov), Silva, Nasri (58. Milner) - Dzeko (74. Agüero)
Schiedsrichter: Alberto Undiano Mallenco
Zuschauer: 68.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Dzeko, Kompany, Clichy, Demichelis



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