Trainer-Duell Arsenal gegen Dortmund Klopp-Jünger von der Insel

Beim Champions-League-Spiel zwischen Arsenal und Dortmund dreht sich alles um die Trainer: Arsène Wenger hat mit Kritik zu kämpfen, Jürgen Klopp bietet sich der Premier League an - dabei ist England ohnehin schon besessen vom BVB-Coach.

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Jürgen Klopp wird an diesem Mittwoch um kurz vor 19.45 Uhr Londoner Zeit aus dem Tunnel treten, der im Stadion des FC Arsenal den Kabinentrakt mit dem Spielfeld verbindet, wird rechts abbiegen und auf der Trainerbank Platz nehmen, die für die Gastmannschaft reserviert ist.

Nichts Besonderes, dennoch werden die englischen Medienvertreter vermutlich jeden Schritt genau beobachten, den Dortmunds Trainer beim Champions-League-Spiel gegen Arsenal (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) geht. Viele Fans des Teams aus Nordlondon werden sich wünschen, dass Klopp bald regelmäßig in ihr Stadion einläuft. Dann aber als Heim-Trainer.

Die Stimmung vor dem Spiel zwischen Arsenal und dem BVB, in dem es für die Gastgeber noch um den Einzug ins Achtelfinale geht und für die Gäste darum, Ablenkung von der Krise in der Liga zu finden, lässt sich am besten über die Trainer beschreiben. Über Arsène Wenger, der gerade den schlechtesten Saisonstart in seiner über 18 Jahre dauernden Amtszeit bei Arsenal erlebt. Nach dem jüngsten 1:2 gegen Manchester United ist das Team Tabellen-Achter.

Und eben über Klopp, der von Fans und Medien in England verehrt wird, weil sie grundsätzlich vieles verehren, was die Bundesliga von der Premier League unterscheidet: erschwingliche Kartenpreise, Stehplätze, die Abwesenheit arabischer Ölscheichs an der Vereinsspitze. Und weil Klopp den BVB zu einem der aufregendsten Fußballklubs Europas gemacht hat. Über den aktuellen Tiefflug in der Liga sehen die Klopp-Jünger von der Insel großzügig hinweg.

Klopp bringt sich in Stellung

Der BVB-Trainer hat selbst dazu beigetragen, dass die Sehnsucht der Engländer nach ihm in diesen Tagen besonders groß ist. In einem Interview mit dem TV-Sender BT Sport sagte er erstaunlich offen, dass ihn ein Job in der Premier League reizen würde. England sei neben Deutschland das einzige Land, in dem er arbeiten könnte, sagte Klopp, denn neben Deutsch spreche er nur Englisch. Seine Kinder würden einem Umzug ins Ausland nicht im Weg stehen, sie kämen auch alleine klar.

Zwar hat Klopp auch gesagt, dass er im Moment nicht über einen Wechsel nachdenke. Die Krise lässt ihn seine Arbeit beim BVB nicht grundsätzlich in Frage stellen. Im Gegenteil: Sie treibt ihn an. Doch man darf davon ausgehen, dass Klopp sich der Wirkung seiner Sätze bewusst war, dass er seine Worte strategisch gewählt hat. Es kann nicht schaden, das Interesse an der eigenen Person hochzuhalten und Bereitschaft zu signalisieren. Man kann ja nie wissen, ob es in Dortmund so weitergeht wie in den vergangenen Jahren, in denen der Verein zweimal Meister und einmal Pokalsieger wurde und im Finale der Champions League stand.

Seit Klopps Interview brummt in England der Spekulations- und Gerüchtemarkt. Der FC Liverpool taucht in einigen Medien als möglicher neuer Arbeitgeber für den Dortmunder Trainer auf, auch Manchester United und eben Arsenal. Auf der äußert heiteren Pressekonferenz vor der Partie in der Champions League am Abend wurde Klopp auf seine Aussagen angesprochen. Der Dortmunder Trainer schien das Interesse zu genießen, verzichtete aber darauf, seiner Bewerbung Nachdruck zu verleihen: "Ich habe nicht gesagt, dass ich hier kommenden Montag anfange."

So schnell dürfte der Posten bei Arsenal auch nicht frei werden. Doch Tatsache ist, dass Klopps Trainer-Kollege Wenger die Aura des Unantastbaren verloren hat. Immer wieder geriet er in den vergangenen Jahren in die Kritik, weil er Top-Spieler wie Cesc Fábregas, Samir Nasri oder Robin van Persie abgab, ohne gleichwertigen Ersatz zu beschaffen.

Wenger-Kritik vom zweitgrößten Anteilseigner

Erst nach langem Zögern war er bereit, hohe Summen in Transfers zu investieren. Mesut Özil wechselte in der vergangenen Saison für 50 Millionen Euro nach London, in diesem Sommer kam Alexis Sánchez für 44 Millionen Euro. Dafür konnte Wenger die Innenverteidigung nach dem Wechsel von Thomas Vermaelen zum FC Barcelona nur notdürftig flicken. Eine Weiterentwicklung des Teams ist für viele Fans nicht zu erkennen. Die Forderungen nach Wengers Abschied werden lauter. Der Trainer selbst will die Debatte nicht an sich heranlassen: "Ich glaube an meine Arbeit, ich glaube an meine Spieler", sagt er.

In der Vergangenheit musste sich Wenger den Vorwurf gefallen lassen, sein Team spiele schön und gewinne nichts, und immer wenn dieser Vorwurf unerträglich zu werden drohte, gewann Arsenal doch etwas: In der vergangenen Saison holten die Londoner den FA-Cup. Kritik ist nicht neu für Wenger. Doch im Moment ist sie laut wie selten angesichts von nur vier Siegen in zwölf Partien in der Premier League.

Alisher Usmanov, usbekischer Oligarch und zweitgrößter Anteilseigner bei Arsenal, hat Wenger kürzlich schwere Vorwürfe gemacht. Der Trainer würde nicht aus seinen Fehlern lernen und halte stur an seinen Prinzipien fest. Um auf einer Höhe mit Mannschaften wie Chelsea, Manchester City, Real Madrid oder dem FC Bayern zu spielen, sagte Usmanov, "müssen wir uns auf allen Positionen verstärken". Nach 18 Jahren Wenger wünschen sich einige Fans auch eine Veränderung auf der Trainer-Position.

insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
beckenbebauer 26.11.2014
1. DIE Chance
für Alex Schur!
nummer50 26.11.2014
2. Stellung
Klopp bringt sich schon mal in Stellung, sein geiles Dortmunder Projekt neigt sich ja langsam dem Ende entgegen!
Boesor 26.11.2014
3.
Ich bin ein wenig enttäuscht...nur zwei Kommentare, obwohl es um den BVB und Klopp geht...
ichsagemal 26.11.2014
4.
... beide Trainer sind im jeweiligen Verein verbrannt. Sie glimmen nue so vor sich hin und scheuen scheinbar einen Wechsel > der täte aber beiden und allen gut. Auf geht's.
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