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AS Monaco: Kurswechsel des französischen Vizemeisters

Foto: PHILIPPE MERLE/ AFP

Leverkusens Champions-League-Gegner Monaco Der Frust des Oligarchen

Bayer Leverkusen trifft in der Champions League auf einen angeschlagenen Gegner: Dem AS Monaco fehlen die Superstars, und der Klubbesitzer, ein russischer Oligarch, muss hohe Strafen fürchten.

Hamburg - Der Höhenflug des AS Monaco wurde jäh gestoppt. Nach einer starken Saison, die der Aufsteiger als Zweiter hinter Paris St. Germain (PSG) abschloss, kam der Ausverkauf: Der kolumbianische WM-Held James Rodríguez wechselte für 80 Millionen Euro zu Real Madrid, seinen Landsmann Falcao verliehen die Franzosen an Manchester United.

Das Team hat diese Verluste bisher nicht verkraften können: Nach fünf Spieltagen steht Monaco mit nur vier Punkten auf dem vorletzten Tabellenplatz. Bayer Leverkusen trifft am Abend in der Champions League (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf eine angeschlagene Mannschaft, die mit dem Herausforderer von Meister Paris der vergangenen Spielzeit nichts mehr zu tun hat.

Was ist passiert? Warum ändert der Klubbesitzer, der milliardenschwere russische Oligarch Dmitrij Rybolowlew, plötzlich seine Strategie? Nach Investitionen von rund 250 Millionen Euro bis zum vergangenen Jahr erwirtschaftete er in dieser Saison einen Transferüberschuss von knapp 90 Millionen Euro. Der Großteil des Geldes kam durch den Rodríguez-Verkauf rein, anders als erwartet investierte Rybolowlew das Geld nicht wieder in neue Spieler.

Französische Zeitungen spekulieren, der Mäzen habe den AS Monaco bereits aufgegeben und mache nur noch die wertvollsten Spieler des Klubs zu Geld. Monacos Vizepräsident Wadim Wasilijew wies das in der englischen Zeitung "Guardian"  zurück. Rybolowlew stehe zum AS Monaco, es seien vor allem zwei Dinge, die ihn zum Strategiewechsel veranlasst hätten:

  • Erstes Problem für Monaco sind die Regeln des Financial Fairplay: Zwar musste der Klub bislang noch keine Strafe zahlen, aber die Uefa soll klargemacht haben, dass das Geschäftsmodell des Klubs gegen die neuen Finanzregeln verstößt. So erzielt Monaco nur geringe Einnahmen aus Ticketverkäufen, Merchandising und TV-Erlösen, für die jährlichen Verluste in zweistelliger Millionenhöhe gibt es keine überzeugende Erklärung. Die Uefa will den Einfluss reicher Mäzene wie Rybolowlew mithilfe des Financial Fairplay begrenzen. PSG wurde bereits zu einer Strafe von 60 Millionen Euro verurteilt, laut Monacos Vizepräsident Wasilijew ist Rybolowlew nicht bereit, ähnlich hohe Strafen zu zahlen - zusätzlich zu seinen bisherigen Investitionen.

  • Zweitens gibt es Ärger mit dem französischen Ligaverband. Der AS Monaco profitiert vom Sitz im monegassischen Steuerparadies: Ausländische Spieler müssen keine Steuern zahlen, während die Profis bei der Ligakonkurrenz ab Gehältern von einer Million Euro 75 Prozent Reichensteuer zahlen müssen. Die Liga drohte dem AS Monaco mit Ausschluss, sollte der Verein seinen Geschäftssitz nicht auf französisches Gebiet verlegen. Man einigte sich schließlich darauf, dass Monaco einmalig 50 Millionen Euro zahlt und dafür im Steuerparadies bleiben darf. Aber Wasilijew sagte dem "Guardian", dass Rybolowlew den Klub wohl nicht gekauft hätte, wenn er gewusst hätte, dass er ihm so viel Ärger einbringt.

Die französische Sporttageszeitung "L'Équipe" berichtet zudem, der Oligarch Rybolowlew ärgere sich darüber, dass Monaco ihm bis heute die Staatsbürgerschaft verweigert. Auch die Scheidung von seiner Frau Elena, die ihn die Hälfte seines auf sieben Milliarden Euro geschätzten Vermögens kostete, dürfte eine Rolle bei der neuen Sparpolitik gespielt haben.

Wasilijew bemüht sich indes, die neue Strategie als Rückkehr zum alten Erfolgsrezept zu verkaufen, nämlich junge, unerfahrene Spieler zu holen und auszubilden. Früher galt der Klub, der sieben Meisterschaften gewann (die letzte im Jahr 2000) als größte Talentschmiede Frankreichs. Aus der Fußballschule des AS Monaco kamen Thierry Henry, Emmanuel Petit, David Trezeguet und Lilian Thuram.

Daran will Monaco anknüpfen. Im Kader stehen acht Spieler aus der eigenen Jugend. Dazu kommen die 20-jährigen Bernardo Silva (kam von Benfica Lissabon) und Tiémoué Bakayoko (Stade Rennes). Doch es ist offensichtlich: Monacos Plan wurde aus der Not geboren.

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