Champions-League-Aus Torjäger für Schalke verzweifelt gesucht

Der FC Schalke ist trotz vieler Chancen im Viertelfinale der Champions League am FC Barcelona gescheitert. Allein mit Pech hatte das jedoch nichts zu tun: Dem Bundesligisten fehlt seit langem ein Sturm, der höheren internationalen Ansprüchen genügt.

Es war die 21. Minute: Im Camp Nou hatten sich noch immer nicht alle Zuschauer auf ihren Plätzen eingefunden, da segelte eine Flanke von der rechten Seite in den Strafraum des FC Barcelona. Am langen Pfosten tauchte Schalkes Stürmer Kevin Kuranyi frei vor Barcelonas Keeper Victor Valdes auf, fuhr sein Bein aus - und verfehlte das Tor um wenige Zentimeter.

Etwa 20 Minuten später: Barcelonas Bojan flankte nach einem der wenigen Angriffe der Gastgeber in die Mitte, Marcelo Bordons Rettungsversuch landete erst auf der Latte, dann auf dem Kopf von Mladen Kristajic. Von dort spang der Ball zu Yaya Touré, der ohne Probleme zum 1:0 für Barcelona einschob.

Viel mehr braucht es nicht, um das Viertelfinalrückspiel zwischen dem spanischen Vizemeister und Schalke 04 zusammenzufassen, das nach einer starken ersten Halbzeit von Minute zu Minute auf ein immer miserableres Niveau absank.

0:1 (0:1) verlor Schalke und ist damit nach dem 0:1 im Hinspiel aus dem Viertelfinale der Champions League ausgeschieden. So weit waren die "Königsblauen" in diesem Wettbewerb noch nie gekommen - ein schwacher Trost, denn die beiden Niederlagen gegen den schwer kriselnden Spitzenclub waren vor allem: verdammt unnötig. Dem FC Barcelona hatten, Hin- und Rückspiel zusammengenommen, 180 sehr, sehr durchschnittliche Minuten gereicht, um den letzten deutschen Champions-League-Teilnehmer zu bezwingen. Abgesehen von zwei Toren, die jeweils von der Schalker Defensive tatkräftig mitfabriziert wurden, profitierten die Katalanen in beiden Partien vor allem von Schalker Unzulänglichkeiten in der Offensive.

Im Hinspiel reichten der Elf von Mirko Slomka ganze 16 Torschüsse in der zweiten Halbzeit nicht, um den Ausgleich oder gar die Führung zu erzielen. "Eine schlechte Quote", wie Trainer Mirko Slomka auch kurz vor dem Rückspiel nochmals betonte. Im Camp Nou hatten Kevin Kuranyi, Halil Altintop oder Jermaine Jones dann schon in der ersten Hälfte beste Gelegenheiten, um die Führung gegen einen schwächelnden FC Barcelona zu erzielen. Doch ebenso leicht, wie die Katalanen an diesem Abend in Verlegenheit zu bringen waren, ist es, den Ursprung für das Schalker Ausscheiden zu benennen: Einen tauglichen Sturm für (höhere) internationale Ansprüche sucht man hier vergebens.

Sicher, Kevin Kuranyi arbeitete im Rückspiel so viel in Offensive und Defensive, als wolle er sich sein Ticket für die Europameisterschaft allein an diesem Abend erlaufen. Doch im entscheidenden Moment trifft er eben nicht.

Hatte Schalke in der ersten Hälfte wenigstens noch Chancen, stellte der Bundesligist die Offensivbemühungen in der zweiten Halbzeit fast völlig ein, obwohl man, wie Manager Andreas Müller richtig feststellte, nach dem Rückstand "gar nichts mehr zu verlieren" hatte. Also tat Trainer Slomka, was er tun konnte: Er reagierte auf das ideenlose Spiel seiner Mannschaft und brachte mit Vicente Sanchez für Gerald Asamoah einen Winterzugang. Der Uruguayer bereichert die Schalker Sturmreihe seit drei Monaten zwar hin und wieder mit einem gelungenem Dribbling. Als ausgewiesener Torjäger gilt er aber ebenfalls nicht.

Hilfeschrei nach neuem Personal

Und dann bekam auch noch Sören Larsen eine weitere Bewährungschance. Der Däne hatte sich in der Vergangenheit lautstark über seine Nichtnominierungen beschwert. Den Nachweis, eine echte Alternative für den seit Wochen formschwachen Kevin Kuranyi zu sein, konnte er erneut nicht bringen. Und weil allenfalls mittelmäßige Fußballspiele wie dieses in Barcelona oft nur durch ein einziges Tor entschieden werden, könnte man Slomkas Aussagen vom vergangenen Dienstag durchaus als Hilfeschrei nach neuem Personal interpretieren: "Ich kann nur auf Dinge Einfluss nehmen, auf die ich Zugriff habe, und das ist die Mannschaft", sagte Slomka da.

Allerdings erscheint es fraglich, ob Slomka noch in den Genuss eines neuen Stürmers kommt. Der Trainer steht seit Wochen in der Kritik - obwohl er seine Mannschaft ins Viertelfinale der Königsklasse und in der Bundesliga auf den zweiten Tabellenplatz geführt hat.

"Wir wollen eine Entwicklung in der Mannschaft sehen", sagte Manager Andreas Müller unlängst. Will er die auch in der Offensive sehen, muss er zur neuen Saison in neue Stürmer investieren. Dumm nur: Das ist auch das keine Garantie mehr für Höhenflüge - wie ausgerechnet der FC Barcelona beweist: Die vor der Saison als neues "Traumduo" bezeichneten Nationalspieler Thierry Henry und Samuel Eto'o brachten über die gesamte Spielzeit auch kaum etwas zustande.

FC Barcelona - Schalke 04 1:0 (1:0)
Tor: 1:0 Touré (43.)
FC Barcelona: Victor Valdes - Zambrotta, Puyol, Thuram, Abidal - Xavi, Touré (81. Marquez), Iniesta - Bojan (73. Giovani), Eto'o, Henry
Schalke 04:
Neuer - Rafinha (77. Larsen), Bordon, Krstajic, Westermann - Jones, F. Ernst - Asamoah (69. Sanchez), Kobiashvili (32. Grossmüller)- Halil Altintop, Kuranyi Schiedsrichter: Rosetti (Italien)
Zuschauer: 73.000
Gelbe Karten: Puyol / Rafinha, Westermann

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