Analyse der Barça-Abwehr Piqué plus x

Gerard Piqué gehört zu den langsamsten Abwehrspielern der Champions League - gesetzt ist der Spanier beim FC Barcelona im Halbfinale gegen die Bayern dennoch. Gesucht wird noch sein Nebenmann. Der zuletzt überragende Eric Abidal hat schlechte Karten.

AP

Am Abend in der Münchner Arena wird höchstwahrscheinlich ein Mann auf der Ersatzbank sitzen, dem vor kurzem wohl die wenigsten noch ein Comeback im Profi-Fußball zugetraut hätte. Von einem Champions-League-Halbfinale gegen Bayern München ganz zu schweigen (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Eric Abidal ist von seiner Veranlagung einer der besten Innenverteidiger der Welt. Nach überstandender Krebserkrankung ist der 33-Jährige zurück im Barça-Kader. Fünfmal wurde er operiert, seit einem Jahr hat der Franzose auf sein Comeback hingearbeitet. Am vergangenen Samstag gegen Levante spielte Abidal direkt so beeindruckend, dass man bei Barcelona vielleicht doch darüber nachdenken sollte, Abidal von der Bank in die Startelf zu befördern.

Gegen Levante verkörperte Abidal exakt jene Eigenschaften, die den derzeit verletzten Barça-Innenverteidigern Carles Puyol und Javier Mascherano und auch Gerard Piqué in dieser Saison fehlen: Abidal ist extrem schnell, kopfballstark und verfügt über eine enorme Spielintelligenz. So antizipiert er Spielsituationen weit im Voraus und gewinnt Zweikämpfe scheinbar mühelos und ohne Fouls. In der Partie gegen Levante fanden zudem 76 seiner 78 Pässe den Mitspieler - ein überragender Wert.

Opta
Und doch ist es wahrscheinlicher, dass Trainer Tito Vilanova gegen die Bayern den 22-jährigen Marc Bartra mit gerade mal vier Einsätzen und einer Champions-League-Erfahrung von 196 Minuten neben dem in dieser Spielzeit sehr unbeständigen, aber dennoch gesetzten Gerard Piqué verteidigen lässt.

Doch nicht nur die Innenverteidigung, sondern die gesamte Abwehr des FC Barcelona - Torhüter Victor Valdes eingeschlossen - ist in dieser Saison die große Schwachstelle der Spanier. Zwar ist Außenverteidiger Dani Alves offensiv noch immer sehr stark und der Spieler, der Messi mit den meisten Zuspielen von der Seite versorgt. In der Defensive hat Alves allerdings taktische Defizite. Er verliert im Strafraum häufig den Überblick und - damit verbunden - den Gegenspieler aus den Augen, so geschehen beim zweiten Gegentreffer im Spiel beim AC Mailand.

Das direkte Duell von Alves gegen Franck Ribéry wird heute entscheidenden Einfluss haben. Und das gilt ebenso für die Auseinandersetzung auf der anderen Spielfeldseite. Auf links trifft Arjen Robben auf Jordi Alba. Zwar ist Alba etwas defensiver als Alves, aber immer noch sehr offensiv. Robben muss es also schaffen, ihn sowohl offensiv zu binden als auch defensiv eine Menge Arbeit zu verrichten.

Sollte es den Bayern gelingen, den Ball bereits im Mittelfeld zu gewinnen und schnell nach vorne zu spielen, wird es zu Überzahlsituationen kommen. Gerard Piqué ist in der offensiven Spielphase immer noch sehr stark, gehört aber zu den langsamsten Innenverteidigern der Champions League. Er wird gegen die schnellen Bayern-Spieler mit seinem unerfahrenen Mitspieler Bartra Probleme bekommen.

Ein weiteres, fast schon chronisches Problem sind die defensiven Standardsituationen bei Barcelona. Außer mit Piqué, Bartra und Sergio Busquets ist Barças Verteidigung den Bayern mit Daniel van Buyten, Thomas Müller, Bastian Schweinsteiger und Javi Martínez bei Freistößen und Eckbällen körperlich deutlich unterlegen. Torhüter Valdes bleibt meistens auf der Linie und verlässt sich auf seine guten Reflexe.

Es gibt zwei mögliche Varianten, bei Standardsituation zu verteidigen: Mann gegen Mann oder die Raumdeckung, bei der die Verteidiger ihrem zugeordneten Gegenspieler nicht hinterherlaufen, sondern den Ball aus ihrer jeweiligen Position im Raum abwehren. Für beide Varianten wäre Abidal selbst mit wenig Spielpraxis die bessere Alternative.

Allerdings haben auch die Bayern ein Problem bei defensiv ruhenden Bällen. Trainer Jupp Heynckes könnte deshalb überlegen, den kopfballstarken Jérôme Boateng auf rechts zu bringen, Philipp Lahm auf die linke Seite zu verschieben und David Alaba auf die Bank zu setzen. Dann hätte der FC Bayern einen zusätzlich starken Kopfballspieler auf dem Platz. Und einen erfahrenen Abwehrspieler gegen Lionel Messi.

Christian Brand ist ehemaliger Bundesliga-Profi und trainiert derzeit die U21 des Schweizer Erstligisten FC Luzern. Für SPIEGEL ONLINE analysiert er regelmäßig wichtige Spiele des internationalen Fußballs.

insgesamt 6 Beiträge
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rosarinimara 23.04.2013
1.
Bei dem ganzen Rummel um Hoeness und Götze gerät der Fußball ganz in den Hintergrund :/ Hier noch ne n Fußball talk zu den Halbfinals. https://www.youtube.com/watch?v=nPUoUquqepA&feature=youtube_gdata_player
istabraq 23.04.2013
2.
boateng für alaba? Bitte nicht! Alaba ist doch viel schneller, wendiger und abgeklärter als boateng. Außerdem braucht man gegen barca nicht unbedingt die kopfballstärksten spieler, versuchen sie es doch zu 90% flach...
hanswurster 23.04.2013
3. Abidal
mag die Voraussetzungen eines weltklasse Inneverteidigers besitzen. Allerdings war er dies nie, weil er Linksverteidiger ist. Als solcher hat er in Barcelona und in der Nationalmanschaft gespielt. Und Boateng zu bringen um im Kopfball stärker zu werden, gegen die wohl kopfballschwächste Manschaft der gesamten CL (vor Allem ohne Puyol), die Standardsituation fast ausschließlich kurz und flach ausführt? Und deswegen den viel stärkeren Alaba rausnehmen? Macht überhaupt keinen Sinn, wenn man bedenkt, dass 99,5% der Barca-Angriffe flach stattfinden und Boateng grade gegen diese kleinen, wendigen Spieler Probleme hat. Und wer sollte der erfahrene Gegenspieler von Messi dann sein? Messi ist überall zu finden, nominell aber Mittelstürmer und wird deshalb in letzter Instanz zumeist einen Innenverteidiger gegen sich haben. Wenn er über die Flügel kommt, öfters über links als über rechts, so dass Lahm nach dieser Umstellung wohl der seltenste Gegenspieler Messis wäre, wenn Lahm hier gemeint sein sollte...
labrador2002 23.04.2013
4. Herr Brandt
besitzt keine Kenntniss über die Spielklasse des FC Barcelona. Pique ist einer der besten Verteidiger, die es gibt. Bayern hat keinen solchen Verteidiger in den eigenen Reihen. Zudem wird Barca nicht alles nach vorne werfen. Für Barca ist Bayern nicht das, was es für viele in Deutschland ist. Bayern oder Real oder Man-U. Barca soielt gegen eine Mannschaft, die Offensiv keine Konkurrenz in der Liga bekommt. International sah Bayern, auch diese Spielzeit nicht so souverän aus. Zudem finde ich es stark, dass Bartra spielt. Denn dieser Junge ist clever und smart und passt bestens in das Team. Hoffentlich spielt Tello, statt Villa. Als Barca Fan ist noch zu sagen, dass die CL , nicht das ist was sie für Bayern ist. 3 Siege in kurzer Zeit . Und der Gewinn 2009 war nicht für die Entwicklung ratsam. Denn der Verschleiß war einfach zu hoch. Gerade bei PEP und dem zu alten Mittelfeld zeigte sich das ab. Deshalb sehe ich Bayern in der Gier nach dem Prestigetitel auf Platz 1, doch was die Klasse, das Team und die Leidenschaft angeht ist Barca im Vorteil. Zu den Trainern ist zu sagen, dass Heynckes mehr Erfahrung hat, aber Tito 50% der Erfolge bei Barca. Denn in taktischen Verständniss ist dieser Pep deutlich überlegen und fährt die Dominanz deutlich zurück. Ein weitere Vorteil für Bayern ist der Fitnessrückstand der Katalanen. Unteer Roura wurde dieser wichtige Teil drei Monate benachteiligt. Mit Folgen. Zudem ist Messi angeschlagen und wird wohl nicht spielen oder höchstens eine Halbzeit. Meine Tipps sind Hinspiel 3-1 und Rückspiel 4-1. Ein Faktor der imer vergessen wird ist das Stadion wo gespielt wird, Allianz Arena hat keine Stimmung und die wird auch heute felen. Das ist in Frankfurt, Dortmund oder Dresden in Deutschland anders. Im Camp nou kann es zu einem Massaker kommen, immer dann wenn die Fans abgehen. Real 2010, Arsenal 2011 Mailand 2013 waren beste Beweise was dann passiert. Denn Barca ist dann in einem Trancezustand und spielt einen Fußball der auch für diesen Verein ungewöhnlich ist. Und das wird entscheidend sein, denn auch wenn Bayern nicht so stark angesehen wird , wie in Deutschland, polarisiert dieser Verein , wegen der Verpflichtung Peps. Deshalb wird das Rückspiel, das entscheidende sein.
cipo 23.04.2013
5.
Zitat von labrador2002besitzt keine Kenntniss über die Spielklasse des FC Barcelona. Pique ist einer der besten Verteidiger, die es gibt. Bayern hat keinen solchen Verteidiger in den eigenen Reihen. Zudem wird Barca nicht alles nach vorne werfen. Für Barca ist Bayern nicht das, was es für viele in Deutschland ist. Bayern oder Real oder Man-U. Barca soielt gegen eine Mannschaft, die Offensiv keine Konkurrenz in der Liga bekommt. International sah Bayern, auch diese Spielzeit nicht so souverän aus. Zudem finde ich es stark, dass Bartra spielt. Denn dieser Junge ist clever und smart und passt bestens in das Team. Hoffentlich spielt Tello, statt Villa. Als Barca Fan ist noch zu sagen, dass die CL , nicht das ist was sie für Bayern ist. 3 Siege in kurzer Zeit . Und der Gewinn 2009 war nicht für die Entwicklung ratsam. Denn der Verschleiß war einfach zu hoch. Gerade bei PEP und dem zu alten Mittelfeld zeigte sich das ab. Deshalb sehe ich Bayern in der Gier nach dem Prestigetitel auf Platz 1, doch was die Klasse, das Team und die Leidenschaft angeht ist Barca im Vorteil. Zu den Trainern ist zu sagen, dass Heynckes mehr Erfahrung hat, aber Tito 50% der Erfolge bei Barca. Denn in taktischen Verständniss ist dieser Pep deutlich überlegen und fährt die Dominanz deutlich zurück. Ein weitere Vorteil für Bayern ist der Fitnessrückstand der Katalanen. Unteer Roura wurde dieser wichtige Teil drei Monate benachteiligt. Mit Folgen. Zudem ist Messi angeschlagen und wird wohl nicht spielen oder höchstens eine Halbzeit. Meine Tipps sind Hinspiel 3-1 und Rückspiel 4-1. Ein Faktor der imer vergessen wird ist das Stadion wo gespielt wird, Allianz Arena hat keine Stimmung und die wird auch heute felen. Das ist in Frankfurt, Dortmund oder Dresden in Deutschland anders. Im Camp nou kann es zu einem Massaker kommen, immer dann wenn die Fans abgehen. Real 2010, Arsenal 2011 Mailand 2013 waren beste Beweise was dann passiert. Denn Barca ist dann in einem Trancezustand und spielt einen Fußball der auch für diesen Verein ungewöhnlich ist. Und das wird entscheidend sein, denn auch wenn Bayern nicht so stark angesehen wird , wie in Deutschland, polarisiert dieser Verein , wegen der Verpflichtung Peps. Deshalb wird das Rückspiel, das entscheidende sein.
Selbst als Barças-Fan, der jedes Spiel sieht, stimme ich mit der Aussage nicht überein. In den letzten beiden Jahren hat Piqué viel zu oft Bälle leichtfetig vertändelt und elfmeterwürdige Fouls und Handspiele produziert (die zu seinem Glück längst nicht immer geahndet wurden). Er ist definitiv ein Riskofaktor in Barças Verteidigung geworden.
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