Bayers 2:4-Niederlage bei ManUnited Eine Nummer zu klein

Champions League, Manchester United, Old Trafford: Die Spieler von Bayer Leverkusen durften zum Auftakt in der Königsklasse auf die ganz große Fußball-Bühne - und wirkten gehemmt. Gegen den englischen Meister agierten sie unglücklich, Sportchef Rudi Völler war aber über etwas anderes erzürnt.

Aus Manchester berichtet


Es brodelte mal wieder in Rudi Völler nach dem wenig überzeugenden 2:4 (0:1) seines Clubs bei Manchester United. Und vielleicht war der Sportdirektor von Bayer Leverkusen insgeheim sogar froh darüber, dass er die Schuld für den missratenen Abend nicht allein bei seinen Spielern suchen musste. "Ich habe mich gerade ein bisschen entladen", verriet Völler nach einem Besuch in der Schiedsrichterkabine, wo er eine kleine Wutrede über die Umstände des Treffers zum 1:0 für die Engländer gehalten hat.

Antonio Valencia hatte vor diesem Treffer Bayer-Torhüter Bernd Leno im Fünfmeterraum weggeblockt, außerdem stand er klar im Abseits, und der Torrichter, der zur Ausstattung von Europapokalspielen gehört, stand direkt daneben. Gesehen hat er den Verstoß aber ebenso wenig wie der Assistent an der Außenlinie und der Hauptschiedsrichter. "Die waren sicher noch damit beschäftigt, Fotos in soziale Netzwerke zu stellen", sagte Simon Rolfes, der beobachtet hatte, dass das Gespann sich "vor dem Spiel gegenseitig auf dem Rasen fotografiert" hatte: "Da darf man auch mal fragen, ob das die Professionalität der Schiedsrichter ist."

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Champions League: Rooneys Show, Bayers Pleite
Doch nicht nur die touristisch interessierten Herren aus Slowenien ließen es an diesem Abend an Champions-League-Niveau mangeln, auch die Mannschaft von Bayer Leverkusen zeigte wenig. Zwar war Völler nach seiner emotionalen Entladung milde gestimmt: "Es war wichtig zu sehen, dass das kein Klassenunterschied war, dass wir mithalten können", sagte er. Aber die Analysen der Spieler klangen erheblich kritischer.

Je namhafter der Gegner, desto kleiner die Werkself

"Wir haben wirklich viele Fehler gemacht", räumte etwa Stefan Kießling ein: "Wir haben uns einfach zu wenig zugetraut." Ein altes Grundmotiv der jüngeren Geschichte dieses Clubs kam wieder zum Vorschein: Je prunkvoller die Bühne, je namhafter der Gegner, desto kleiner wird die Werkself. Der weitsichtige Sami Hyypiä hatte es schon vorher geahnt, aber auch er war machtlos. "Wir haben vor dem Spiel viel über mentale Sachen gesprochen, das ist im Fußball ein ganz wichtiger Aspekt, und daran hat es heute aber bei uns ein bisschen gefehlt", sagte der Trainer.

Denn es waren gleich vier, fünf Leverkusener, die ziemlich verirrt wirkten an diesem ehrwürdigen Ort. Heung Min Son agierte hektisch wie ein aufgeregter Junge, der zum ersten Mal bei den Großen mitmachen darf, die Viererkette erlaubte sich zahlreiche individuelle Fehler, und im Mittelfeld fehlte die Ruhe. "Es waren viele Situationen dabei, wo wir nicht so unter Druck waren, wo die Räume da waren", sagte Stefan Kießling, aber eine sauber herausgespielte Torchance brachte Bayer nicht zustande. Und dennoch gab es den Moment, in dem die Partie sich hätte zugunsten der Leverkusener wenden können.

Nach 54. Minuten traf Simon Rolfes mit einem wunderbaren Fernschuss zum zwischenzeitlichen 1:1. Da taumelte der englische Meister für einige Momente. Doch die Leverkusener Abwehr erlaubte sich einfach zu viele Fehler, um Profit aus dem glücklichen Ausgleich zu schlagen. So hatte Sebastian Boenisch enorme Probleme mit der Ballverarbeitung, außerdem versäumte er es, vor Robin van Persies (wohl haltbarem) 2:1 Valencias Flanke zu verhindern, und vor dem 4:1 wählte er den falschen Laufweg.

Noch katastrophaler war Emir Spahics Aussetzer vor Rooneys 3:1, dabei war der international erfahrene bosnische Nationalspieler eigens verpflichtet worden, um die junge Mannschaft in solchen Partien zu stützen. In den ersten Saisonwochen ist ihm das hervorragend gelungen, an diesem Abend nicht. Und insofern räumte auch Völler ein, dass der Sieg für ManUnited "natürlich verdient" sei. Unklar bleibt aber vorerst, ob Leverkusen wirklich nur einen schlechten Tag erwischt hatte oder ob die Champions League für diese Mannschaft doch eine Nummer zu groß ist. Denn Manchester war verwundbar, doch "die individuellen Fehler haben uns das Genick gebrochen", sagte Kießling.

Auch Stefan Reinartz mochte sich nicht damit begnügen, die Niederlage, die auch zwei, drei Tore höher hätte ausfallen können, mit der Übermacht des Gegners zu erklären. "Weil das hier Old Trafford ist, weil das ein großer Name ist, ist nicht immer alles Weltklasse", sagte der Mittelfeldspieler: "Das ist eine gute Mannschaft, die hat gut gespielt, das hat leider heute gereicht." Denn zu Gast war ein Team, das einfach nicht besonders gut gewesen ist, und das lag gewiss nicht an den Schiedsrichtern.

Manchester United - Bayer Leverkusen 4:2 (1:0)
1:0 Rooney (22.)
1:1 Rolfes (54.)
2:1 van Persie (59.)
3:1 Rooney (70.)
4:1 Valencia (79.)
4:2 Toprak (88.)
Manchester: De Gea - Smalling, Ferdinand, Vidic, Evra - Valencia, Kagawa (71. Young), Carrick, Fellaini (80. Cleverley) - Rooney (84. Hernandez), van Persie
Leverkusen: Leno - Donati, Spahic, Toprak, Boenisch - Can, Reinartz, Rolfes - Sam (78.Kruse), Kießling (78. Derdiyok), Son (64. L. Bender)
Schiedsrichter: Skomina (Slowenien)
Zuschauer: 75.811 (ausverkauft)
Gelbe Karten: van Persie - Son, Reinartz



insgesamt 40 Beiträge
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Seite 1
derlabbecker 18.09.2013
1. fragt man sich schon...
... warum da 5 Herren in Schwarz rumstehen, und die entscheidenden Szenen sieht keiner von denen.
frau_bert 18.09.2013
2. Alles klar...
Habe weder das Spiel gesehen, noch eine Aufzeichnung. Aber als ich gelesen habe das das Schiedsrichtergespann aus Slowenien stammt, war mir alles klar. Vor dem Spiel Fotos für die Oma daheim, wärend des Spiels sich gegenseitig angrinsen und toll finden, das ist wahrlich keine Professionalität. Ich kann die Fifa nur bitten meine Landsleute von solch wichtigen Spielen fern zu halten. Verantwortung wird in diesem Land ganz ganz klein geschrieben, vor allem bei den männlichen Zeitgenossen
jaidru 18.09.2013
3. Völler - schlechter Verlierer
Tja, Rudi, das war wohl nix. Von "mithalten können" habe ich überhaupt nichts gesehen. Bayer hatte noch verdammt großes Glück, dass Rooney und van Persie allerbeste Chance vergaben. Wenn man derartig drückend unterlegen ist und verdient verloren hat, sollte man die Schuld nicht zuerst beim Schiedsrichtergespann suchen.
Reziprozität 18.09.2013
4.
Dieses Spiel bestätigt im Nachhinein den deutschen Bundestrainer Löw, Stefan Kießling nicht mehr für die Nationalmannschaft aufzubieten. Wer nur gegen Freiburg und Gladbach aufspielt, hingegen bei ManU komplett in der Versenkung verschwindet, ist auch als Ergänzungsspieler im DFB-Team vollständig verzichtbar.
Reziprozität 18.09.2013
5.
Zitat von jaidruTja, Rudi, das war wohl nix. Von "mithalten können" habe ich überhaupt nichts gesehen. Bayer hatte noch verdammt großes Glück, dass Rooney und van Persie allerbeste Chance vergaben. Wenn man derartig drückend unterlegen ist und verdient verloren hat, sollte man die Schuld nicht zuerst beim Schiedsrichtergespann suchen.
Ganz genau so ist es!
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