Champions League Bayern fehlt nur noch ein Punkt

Nach dem 3:0-Sieg bei Spartak Moskau können es die Bayern in der Champions League ruhiger angehen lassen. Zum Einzug ins Viertelfinale benötigen die Münchner nur noch einen Punkt.


3:0 - Bayerns Andersson (l) umarmt den Kollegen Paulo Sergio
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3:0 - Bayerns Andersson (l) umarmt den Kollegen Paulo Sergio

Moskau - Der Bundesliga-Spitzenreiter blieb auch im vierten Zwischenrunden-Spiel ungeschlagen. Vor rund 70.000 enttäuschten Zuschauern, darunter Russlands Präsident Wladimir Putin, sorgte Mehmet Scholl in der 17. Minute für die Pausenführung und in der 75. Minute per Foulelfmeter für die Vorentscheidung. Der eingewechselte Paulo Sergio besiegelte mit dem 3:0 in der 87. Minute alle Zweifel am ersten Sieg einer deutschen Mannschaft beim russischen Serienmeister.

Um den Viertelfinal-Einzug endgültig perfekt zu machen, benötigen die Bayern noch einen Punkt. Arsenal London leistete am Abend gegen Olympique Lyon nicht die erhoffte Schützenhilfe. Der englische Vize- Meister kam nicht über ein 1:1 hinaus, den Ausgleich kassierte der Gastgeber in der 90. Minute.

"Heute haben wir unsere Chancen genutzt und auch ein bisschen Glück gehabt", urteilte Trainer Ottmar Hitzfeld und sprach seinem Torhüter Oliver Kahn ein Extra-Lob aus: "Olli hat sich einige Mal auszeichnen können. Er war der große Rückhalt unserer Mannschaft." Kapitän Stefan Effenberg befand: "Ich denke, dass der Sieg in Ordnung geht - auch in dieser Höhe. Nach dem 1:0 mussten wir einige brenzlige Situationen überstehen. Aber je länger das Spiel ging, umso einfacher wurde es." Scholl beschrieb die Abwehrschlacht mit den Worten: "Das war teilweise wie beim Hallenhandball - alle standen um den eigenen Strafraum herum."

Bayern spielten in kurzen Hosen

Bereits am Morgen zerstreute Schiedsrichter Lopez Nieto nach einer Platzbesichtigung alle Befürchtungen, dass die Partie abgesagt werden könnte. Dank der Rasenheizung und vergleichsweise milder Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt war das Spielfeld im Luschniki-Stadion von der Eisschicht befreit und mangels Rasen für die Fernsehübertragung mit grünen Holzspänchen und roten Linien präpariert worden. Insgesamt präsentierte sich der Platz in einem bespielbaren Zustand, wenngleich er mit zunehmender Spieldauer immer tiefer wurde.

Hitzfelds defensive Marschroute setzten seine ausnahmslos in kurzen Hosen angetretenen Schützlinge sofort um. Die von Behelfs- Libero Patrik Andersson organisierte Deckung formierte sich weit in der eigenen Hälfte, auch die beiden Außen Willy Sagnol und Bixente Lizarazu zogen sich weit zurück. Thorsten Fink konzentrierte sich wie schon im Hinspiel darauf, die Kreise von Jegor Titow einzuschränken. Für das Angriffsspiel der Bayern zeigte sich neben den drei Stürmern nur noch Kapitän Stefan Effenberg zuständig - die kleine Besetzung reichte zum erhofften schnellen Führungstor. Hasan Salihamidzic erkämpfte sich den Ball, der über Giovane Elber bei Scholl landete. Der 30-Jährige ließ Spartak-Keeper Alexander Filimonow aus 14 Metern keine Chance.

Der Treffer wirkte auf die Moskauer allerdings nicht wie ein Schock, sondern eher wie ein Weckruf. Fortan spielten fast nur noch die Russen und setzten den Bundesliga-Spitzenreiter enorm unter Druck. Die Bayern verloren die Bälle zu schnell, kamen kaum noch zu Entlastungsangriffen, hatten aber eine riesengroße Möglichkeit zum 2:0, als Salihamidzic frei vor Filimonow scheiterte. Ansonsten aber stand Kahn im Brennpunkt des Geschehens und zeigte wieder einmal seine Extraklasse. Dank sechs toller Paraden des 31-Jährigen retteten die Münchner das 1:0 in die Pause.

Auch nach dem Seitenwechsel änderte sich am Spielverlauf zunächst nur wenig. Spartak drückte aufs Tempo und ergriff die Initiative, die Bayern reagierten und hatten alle Mühe, sich von der Umklammerung zu befreien. In der 67. Minute war eigentlich der Ausgleich fällig, als der Usbeke Djafar Irismetow nach einem Zauberpass von Titow völlig frei vor Kahn auftauchte, den Ball aber nicht richtig traf.

Dann aber hatten sich die Moskauer offensichtlich ausgetobt und mussten dem extrem hohen Tempo Tribut zollen. In der 71. Minute verhinderte eine falsche Abseitsentscheidung von Nieto das 2:0 durch Elber, vier Minuten später aber zeigte der Schiedsrichter nach einem Foul von Ananko an Salihamidzic folgerichtig auf den Elfmeterpunkt. Scholl drosch das Leder unter die Latte und sorgte mit seinem vierten Treffer in der laufenden Champions League-Runde für die Entscheidung. Der eingewechselte Sergio sorgte per Kopf zum 3:0 für den Endstand und ein persönliches Erfolgserlebnis nach längerer Durststrecke.

Spartak Moskau - FC Bayern München 0:3 (0:1)
0:1 Scholl (17.)
0:2 Scholl (75., Foulelfmeter)
0:3 Sergio (87.)
Moskau: Filimonow - Tchusje, Ananko, Mitrewski, Kalinitschenko - Baranow, Bulatow (79. Besrodny), Titow, Robson - Parfionow, Irismetow (69. Marcao)
München: Kahn - Kuffour, Andersson, Linke - Sagnol, Fink (90. Hargreaves), Effenberg, Lizarazu - Salihamidzic, Elber (81.Sergio), Scholl (81. Jancker)
Schiedsrichter: Antonio Jesus Lopez Nieto (Spanien)
Zuschauer: 70.000



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