Champions-League Bayern gab Sieg in der Schlußminute aus der Hand

Bis zur 90. Minute führten die Münchner im Champions-League-Finale gegen Manchester United durch ein Basler-Tor mit 1:0. Dann schlugen die Engländer mit zwei Treffern innerhalb von 120 Sekunden unbarmherzig zurück.


Der Traum vom Europapokal-Triumph platzte für Bayern München innerhalb von nur 120 Sekunden: Bis zur 90. Minute führte der Deutsche Meister durch ein frühes Tor von Mario Basler (6.) 1:0 gegen Manchester United, dann ging es blitzschnell: Erst traf Teddy Sheringham in der Nachspielzeit zum Ausgleich, dann sorgte Ole-Gunnar Solskjaer sogar noch für das 2:1 (0:1), das "ManU" das "historische" Triple bescherte.

Die Bayern verpaßten es vor 90.000 Zuschauern in Barcelona, erstmals nach 23 Jahren wieder den europäischen Fußball-Gipfel zu erklimmen. "ManU" feierte dagegen nach 31 Jahren erstmals wieder den Gewinn der "Königsklasse". Zuletzt war dies den legendären "Busby Babes" 1968 gelungen.

Dabei hatten die Bayern einen Traumstart. In der fünften Minute foulte Verteidiger Ronny Johnson kurz vor der Strafraumgrenze Carsten Jancker. Den fälligen Freistoß schnippelte "Super Mario" über den sich duckenden Markus Babbel an der Mauer vorbei in die "Torwart-Ecke". Der Däne Peter Schmeichel machte in seinem letzten Spiel für die Engländer dabei eine äußerst schlechte Figur im Tor. So auch in der 63. Minute, als ihn erneut Basler fast mit einem Heber aus 50 Metern überraschte. In der 79. Minute traf der eingewechselte Mehmet Scholl zudem nur den Pfosten, ehe Jancker mit einem Fallrückzieher (84.) an der Latte scheiterte.

Manchesters Manager Ferguson hatte vor dem Spiel, das spannend, aber nur in der zweiten Halbzeit phasenweise hochklassig war, mit seiner Aufstellung überrascht. Um die gesperrten zentralen Mittelfeldspieler Roy Keane und Paul Scholes zu ersetzen, brachte er wie erwartet Nicky Butt, zog jedoch auch Superstar David Beckham von rechts außen ab und schickte dorthin Ryan Giggs, sonst links außen unterwegs. Der Plan funktionierte nach anfänglichen Problemen und dem 0:1 gut, Beckham und Giggs waren die auffälligsten Spieler bei "ManU".

Bayern geriet schnell in die Defensive. Vor allem im Mittelfeld, wo Stefan Effenberg und Jens Jeremies im Spiel nach vorne nicht überzeugen konnten, hatte "ManU" ein Übergewicht. Hochkarätige Torchancen für den Double-Gewinner aus England blieben außer einer Möglichkeit durch den Schweden Jesper Blomquist (55.) jedoch Mangelware. Markus Babbel, Thomas Linke und Sammy Kuffour, die besten Bayern, behielten die Übersicht, hatten vor allem die beiden Sturmspitzen Dwight Yorke und Andy Cole gut im Griff. Im Mittelfeld sprang Libero Lothar Matthäus in die Bresche.

Als die Bayern schon wie die sicheren Sieger aussahen, schlugen Sheringham und Solskjaer zu und stürzten den Deutschen Meister in ein Tal der Tränen. Immerhin können die Münchner noch am 12. Juni im Endspiel gegen Werder Bremen in Berlin den DFB-Pokal gewinnen.



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