Bayern-Gegner ManCity Verfluchte Champions

Manchester City droht in der Champions League einmal mehr das frühe Aus. Gegen den FC Bayern braucht der englische Meister einen Sieg. Wie das funktionieren soll, weiß keiner.

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Aus Manchester berichtet


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Wer an Manchester denkt, denkt an Regen, an Oasis vielleicht und an Morrissey. Vor allem aber denkt er an Manchester United. Der Klub aus der englischen Arbeiterstadt ist eine Weltmarke, kein anderer Fußballverein hat mehr Anhänger. Hari De Souza, ein redseliger Taxifahrer, versteht das nicht. Er sagt: "Wer mit dem Herz an Manchester hängt, hängt an Manchester City!" Der Klub ist tief in der Arbeiterschaft verwurzelt und gilt als der volksnähere der beiden Manchester-Rivalen. Doch der amtierende englische Meister macht seinen Fans in diesen Tagen Sorgen, De Souza erkennt seinen Klub nicht wieder: "Das ist eigentlich gar nicht mehr unsere Mannschaft."

Auch im Rest Europas wundert man sich über diesen Verein, über seine merkwürdige Profillosigkeit und darüber, dass dem englischen Meister schon wieder das Vorrundenaus in der Champions League droht. Zwei Punkte hat die Truppe von Trainer Manuel Pellegrini in vier Spielen geholt, sie liegt auf dem letzten Tabellenplatz der Gruppe E. Es gibt leichtere Lose als den FC Bayern, AS Rom oder ZSKA Moskau, aber der Beste der Premier League sollte da eigentlich mithalten können. Sollte.

Doch mit Manchester City und dem internationalen Fußball will es seit dem sagenhaften Aufstieg des Klubs vor sechs Jahren nicht klappen, schon vor zwei Jahren schied er nach der Meisterschaft als Gruppenletzter aus, verpasste damit sogar die K.o.-Phase der Europa League. Nur einmal in den jüngsten vier Spielzeiten schaffte es ManCity unter die besten 16, in der vergangenen Saison scheiterte die Mannschaft im Achtelfinale am FC Barcelona.

Niederlage oder Remis könnten das Aus bedeuten

Nun sieht es erneut düster aus. Die Partie gegen Bayern München (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: Sky) wird darüber entscheiden, ob es überhaupt noch eine Chance aufs Weiterkommen gibt. Rom und Moskau haben jeweils vier Punkte. Sollte es in diesem Duell einen Sieger geben und City gegen den FC Bayern nicht gewinnen, hätten Pellegrinis Männer schon vor dem letzten Vorrundenspieltag keine Chance mehr auf das Achtelfinale.

Keiner muss dem Trainer erzählen, dass es ernst ist. Mit hängenden Schultern und hängenden Mundwinkeln sitzt er am Tag vor dem Spiel auf dem Pressepodium. "Niemand ist glücklich und zufrieden, wie es bislang gelaufen ist, weder die Mannschaft noch ich", murrt der Chilene. Doch woran es liegt, kann auch er nicht sagen. "Wenn es wieder nicht reicht, werden wir uns hinterher hinsetzen und darüber sprechen, was mit Europa ist", sagt Pellegrini. Akut bleibt ihm nur der Griff in die alte Trainer-Trickkiste: Die Partie gegen den FC Bayern sei die letzte Chance, es doch noch zu packen, es sei ein neues Spiel, alles wieder offen. Die Ausfälle von Fernandinho, Yaya Touré und David Silva seien zwar schlimm, "doch jetzt geht es nicht um einzelne Spieler, es geht um unser System".

Doch genau darin liegt das Problem. Pellegrini, der im Sommer 2013 zum Klub von Abu Dhabis Staatsoberhaupt Scheich Mansour kam, hat es bislang nicht geschafft, aus dem luxuriös besetzten Kader eine echte Mannschaft zu formen. Auf dem Spielfeld zeigt sich das vor allem im Defensivverhalten, nur viermal blieb ManCity in dieser Saison bislang ohne Gegentor, oft gerät die Mannschaft in Pellegrinis favorisiertem 4-4-2 in Unterzahl.

Chelsea liegt in der Liga acht Punkte vorne

Dabei hatte sich der Klub zu Saisonbeginn in der Abwehr für 67 Millionen Euro verstärkt. Für den französischen Innenverteidiger Eliaquim Mangala etwa bezahlte ManCity 40 Millionen Euro an den FC Porto. "Wir wissen, dass wir viele Gegentore bekommen, und wir versuchen jede Woche, unsere Fehler zu korrigieren. Dann bekommen wir wieder ein Tor", sagt Martín Demichelis. Pflichtschuldig hat der Verein den Argentinier zur Pressekonferenz geschickt, spielte der doch einst sieben Jahre für den FC Bayern. Befriedigende Antworten auf die Fragen nach der Misere hat aber auch er nicht.

So richtig scheint niemand zu verstehen, was mit dieser 441,25 Millionen Euro teuren Mannschaft außerhalb der englischen Liga los ist. Und selbst dort hat Spitzenreiter Chelsea schon acht Punkte Vorsprung auf den Tabellendritten City. Demichelis sagt: "Wir haben eine tolle Mannschaft, wir können viel mehr. Warum sollten wir deshalb nicht davon träumen, weiterzukommen? Wir müssen versuchen, unser bestes Spiel zu machen, aggressiv zu sein, nach vorne zu spielen." Es sind Fußballplattitüden, an denen sich die Mannschaft festhält, an Lösungsansätzen fehlt es. Gegen den FC Bayern ist das wenig, auch wenn dieser ebenfalls durch Verletzungen geschwächt ist.

Das geht allmählich selbst den treuesten City-Fans auf, viele von ihnen scheinen es aufgegeben zu haben, ihr Team in der Champions League noch anzufeuern. Etliche Sitze des Etihad-Stadions blieben zuletzt leer. Taxifahrer De Souza hat dafür seine eigene Theorie: "Das ist der Meisterschaftsfluch", sagt er. Tatsächlich: Nur einmal konnte bislang der englische Titelträger im Jahr darauf die Champions League gewinnen. 2008 war das, der Sieger hieß: Manchester United.

Manchester City - FC Bayern (20.45 Uhr)
(Voraussichtliche Aufstellungen)
Manchester City: Hart - Zabaleta, Kompany, Demichelis, Clichy - Fernando, Lampard - Navas, Nasri - Jovetic, Agüero
Bayern München: Neuer - Rafinha, Benatia, Dante, Bernat - Alonso, Rode - Robben, Müller, Ribéry - Lewandowski
Schiedsrichter: Kralovec (Tschechien)



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
UnitedEurope 25.11.2014
1.
Der englische Fussball hinkt generell den taktischen Entwicklungen hinterher. Es geht um Gegenpressing, Balleroberung und Laufen Laufen Laufen! Ein Abräumer im Mittelfeld oder eine körperliche Präsenz reicht nicht. Arsenal ist gegen Dortmund untergegangen, genau so wird ManCity von Bayern geschlagen werden, wobei Bayern weniger Laufen muss weil sie Ballbesitz mit einer super Zirkulation kombinieren.
Attila2009 25.11.2014
2.
Zitat von UnitedEuropeDer englische Fussball hinkt generell den taktischen Entwicklungen hinterher. Es geht um Gegenpressing, Balleroberung und Laufen Laufen Laufen! Ein Abräumer im Mittelfeld oder eine körperliche Präsenz reicht nicht. Arsenal ist gegen Dortmund untergegangen, genau so wird ManCity von Bayern geschlagen werden, wobei Bayern weniger Laufen muss weil sie Ballbesitz mit einer super Zirkulation kombinieren.
Chelsea ist aber nicht ganz untergegangen , noch gar nicht lange her ?
dasherz... 25.11.2014
3. @Attila2009
Dann müssen Sie aber auch dazusagen, dass es nicht an der spielerischen Leistung von Chelsea lag, dass sie nicht untergegangenen sind, sondern an der Unfähigkeit der Bayern an diesem Tag ihre zahlreichen Chancen zu nutzen. Chelsea hätte sich auch über eine Packung von 3 oder 4 zu 0 nicht beschweren können. Das müssten Sie eigentlich auch wissen. Ist ja schließlich noch gar nicht so lange her ;-)
Attila2009 25.11.2014
4.
Zitat von dasherz...Dann müssen Sie aber auch dazusagen, dass es nicht an der spielerischen Leistung von Chelsea lag, dass sie nicht untergegangenen sind, sondern an der Unfähigkeit der Bayern an diesem Tag ihre zahlreichen Chancen zu nutzen. Chelsea hätte sich auch über eine Packung von 3 oder 4 zu 0 nicht beschweren können. Das müssten Sie eigentlich auch wissen. Ist ja schließlich noch gar nicht so lange her ;-)
na klar weiß ich das noch, habs ja auch aufgezeichnet.Guck mir dass gerne wieder an... :) Ich finde Chelsea hat gut verteidigt ,hatte eine gute Moral , mehr Nervenstärke und die Elfmeter besser geschossen. Was theoretisch alles hätte passieren können ist hypothetisch und für schön-herrlich-spielen gibt es im Fußball keine Haltungsnoten. Warum fällt es so schwer , die Leistung des Gegners anzuerkennen ?
aurichter 25.11.2014
5. Benatia
der schnelle Verteidiger ha ha das passt wieder. Nicht das erste Spiel in dem die Schwächen dieses Spielers aufgezeigt wurden. Ja ja lese schon wieder, ist doch egal sind sowieso Gruppensieger und die vielen Verletzten. 3 Minuten vorher der Hofberichterstatter vTuT - kein Verein kann so qualitativ hochwertig Verletzte ersetzen. Das sieht man nun, zwei Vier erreichen am Strafraum und Befreiungsschlag in's Niemandsland. Arme Moskauer, gut gekämpft und doch die Loser der Gruppe.
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