Bayern-Erfolg gegen Atlético Der Vater des Erfolgs

Robert Lewandowski ist Bayerns neuer Freistoßgott. Der Stürmer ist neuerdings Standard-Spezialist. Bald wird er auch noch Vater. Ansonsten aber fehlte dem Sieg gegen Atlético etwas. Alles Wichtige zum Spiel.

Robert Lewandowski
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Robert Lewandowski


Die Ausgangslage: Bayern gegen Atlético. Klang gut. Seit 2010 stand fünfmal einer von beiden im Champions-League-Finale. Dennoch war es erst der zweite Besuch der Madrilenen in München. Anders als im Mai, als Bayern nach einem 2:1-Sieg im Halbfinale ausschied, ging es diesmal um: nichts. Beide Teams waren bereits fürs Achtelfinale qualifiziert. Sogar die Platzierungen standen bereits fest.

Die Startaufstellungen:
Bayern: Neuer - Rafinha, Hummels, Alaba, Bernat - Renato Sanches, Vidal, Thiago - Robben, Lewandowski, Douglas Costa.
Atlético: Oblak - Vrsajlko, Savic, Godín, Lucas - Koke, Gabi, Saúl, Gaitán - Carrasco, Griezmann.

Das Ergebnis: 1:0 (1:0). Hier geht es zum Spielbericht.

Die erste Hälfte: Die Spielanteile waren so ungleich verteilt, als stünde Defensivpapst Diego Simeone immer noch Ballbesitz-Guru Josep Guardiola gegenüber und nicht dem Pragmatiker Carlo Ancelotti. Die besseren Chancen hatten aber zunächst die Gäste. Yannick Carrasco scheiterte gleich zweimal aus aussichtsreicher Position an Manuel Neuer. Nach und nach wurden aber auch die Bayern gefährlicher. Douglas Costa scheiterte mit einem Schuss aus spitzem Winkel, ehe Robert Lewandowski mit einem direkt verwandelten Freistoß das Tor des Abends erzielte (28. Minute).

Der Herr des ruhenden Balls: Am Freitag in Mainz hatte Lewandowski mit einem wunderschönen Freistoß den 3:1-Endstand für die Bayern erzielt. Ebenso bemerkenswert wie die Schusstechnik des Stürmers war dabei der Umstand gewesen, dass die Kollegen Arjen Robben, Thiago und David Alaba die Ausführung des Standards Lewandowski überlassen hatten. Gegen Atlético fast die gleiche Position, etwas weiter links, aber auch wenige Meter vor dem Strafraum. Wieder durfte Lewandowski schießen, wieder zirkelte er den Ball perfekt in den linken Winkel - und bejubelte anschließend mit Ball unter dem Trikot die Schwangerschaft seiner Frau Anna. Ob Xabi Alonso jemals wieder einen Freistoß für die Bayern ausführen darf?

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Bayerns Sieg gegen Atlético: Im Schongang zur Revanche

Die zweite Hälfte: Verglichen mit dem Duell an gleicher Stelle im Mai fehlte dem Spiel heute das gewisse Etwas. Bayern war dominant, aber nicht sehr gefährlich. Und da jeder weitere Treffer nichts an der Konstellation geändert hätte, plätscherte das Match seinem Ende entgegen. Aufregung gab es noch einmal in der 77. Minute, als Thiago nach Vorarbeit von Douglas Costa aus wenigen Metern über die Latte schoss. Am Ende blieb es beim 1:0 - dem 15. Heimsieg des FC Bayern in der Champions League in Folge.

Die Kunst der Schwalbe: Viel Wirbel hatte es am Bundesliga-Wochenende um die dreiste Schwalbe des Leipzigers Timo Werner gegeben. Dass Werner in so jungen Jahren schon so clever fallen kann - Hut ab. Dass Werner aber noch lange nicht auf dem Zenit seines Schaffens angekommen ist, musste er vor dem Fernseher erkennen, als Altmeister Robben von Atlético-Verteidiger Stefan Savic leicht am Arm berührt wurde.

Robben machte noch zwei Schritte in den Strafraum, ging dann mit hoch gerissenen Armen zu Boden. Noch im Fallen drehte sich Robben zum Schiedsrichter um. Soweit, so gut, aber noch nicht Weltklasse. Herausragend wurde Robbens Fall dadurch, dass er gleichzeitig auch noch die "Das-ist-Gelb-Schiri"-Geste anbrachte. Und dann erst unsanft landete. Nur die Kombination aus Naturtalent und harter Arbeit auf dem Trainingsplatz ermöglicht solche Körperbeherrschung.

Sieg oder Platz: Der Modus der Champions-League-Gruppenphase ist bekanntlich nicht gerade eine Garantie für Primetime-Unterhaltung. Normalerweise sorgt in Gruppen, in denen die zwei Top-Teams schon weiter sind, wenigstens noch der Kampf um Platz eins für seichte Vorabendspannung. Bestimmt die Reihenfolge doch, ob man im Achtelfinale auf einen anderen Gruppensieger trifft oder nicht.

Selbst diese Frage ist 2016 aber müßig. Da dürfen vor allem die Fans des FC Arsenal zittern. Ihr Klub war zuletzt sechsmal in Folge im Achtelfinale gescheitert, meist an Barcelona oder Bayern. Jetzt haben die Gunners endlich mal ihre Gruppe gewonnen. Und könnten erneut auf den FC Bayern treffen, wenn am Montag die K.o.-Runde ausgelost wird.

rae



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studibaas 07.12.2016
1. Sehe ich das richtig...
Das Gute Schwalben vom Autor hier als Leistung anerkannt werden? Ich nennen so was weiterhin Betrug, wenn auch keinen strafrechtlich relevanten. Und das man mit Betrug und Beschiss leichter erfolgreich ist also ohne Betrug ist seit langem bekannt. Dass Betrug es von einigen bewundert wird ist auch seit langem bekannt. Das die Bewunderung und Anerkennung von "gutem" Betrug nun salonfähig geworden ist ist neu.
diddldaddl 07.12.2016
2. Gut gesagt!
Zu Robbens Fall-Kunst schreiben Sie: "Nur die Kombination aus Naturtalent und harter Arbeit auf dem Trainingsplatz ermöglicht solche Körperbeherrschung." - Danke für diesen herrlichen Satz. Wird in mein Repertoire eingehen.
vitaminshot 07.12.2016
3. Schwalbe
Nach dieser Formulierung klingt es ganz so als sei Timo Werner der gute in der Geschichte. Eine Schwalbe ist eine Schwalbe und gehört nicht in ein gutes Spiel!
xrambo 07.12.2016
4.
wieso bei so einem belanglosen Spiel dann nicht mal Ulreich als Keeper ran darf, erschliesst sich mir nicht - sein einziger Einsatz zuletzte zeigte doch mehr als deutlich, dass ihm Spielpraxis ohne Ende fehlt und er bei einer Verletzung von Neuer erst einmal etliche Spiele brauchen wird, um eine Hilfe für den FC Bayern zu sein. Aber nun gut, ich bekomme keine 5 Millionen im Jahr, um so was zu sehen und zu entscheiden, dafür gibt es einen H. Ancelotti - habe fertig.
Pela1961 07.12.2016
5. Klar war
das theatralisch und überflüssig von Robben, aber die Beschreibung stimmt nicht ganz. Im Gegensatz zu Werner ging er wenigstens aufgrund der Berührung und nicht aufgrund eines plötzlichen Windstosses zu Boden. Trotzdem stimmt es natürlich - das musste nicht sein und ich hätte ihn verfluchen können. Wußte ich doch schon in dem Moment, wie die Berichterstattung aussehen wird. Schade - ein begnadeter Fußballer, der diesen Mist offenbar einfach nicht bleiben lassen kann. Aber wann hat er eigentlich das letzte Mal einen Elfer dafür bekommen? Ich kann mich wirklich nicht dran erinnern. Angeblich soll er das ja jedes Spiel machen. Manche meinen sogar mehrmals pro Spiel würde er so abheben. Wann war das letzte Mal, dass er aufgrund einer reinen Schwalbe einen Elfer bekam, der auch noch das Spiel entschied? Erst dann ist der Vergleich mit Werner gerechtfertigt.
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