Bayerns 5:2-Sieg gegen Benfica Der Trainer ist zurück, die Stärken und Schwächen bleiben

Julian Nagelsmann saß nach seiner Coronainfektion wieder auf der Trainerbank. Gegen Benfica sah er Traumtore, aber auch defensive Turbulenzen. Robert Lewandowski zeigte ein außergewöhnliches 100. Champions-League-Spiel.
Leroy Sané (r.) war an zwei Toren direkt beteiligt

Leroy Sané (r.) war an zwei Toren direkt beteiligt

Foto: nordphoto GmbH / Straubmeier / imago images/Nordphoto

Startschuss fürs Spektakel: Immer und immer wieder hatte sich Alejandro Grimaldo bereits in der Anfangsphase seinem Gegenspieler Kingsley Coman geschlagen geben müssen. Ohne Unterstützung seiner Mitspieler auf der linken Abwehrseite war er auch in der 26. Minute nur zweiter Sieger, Coman flankte auf den zweiten Pfosten, wo Robert Lewandowski einköpfte. Der Auftakt für eine sehenswerte Begegnung.

Ergebnis: In elf Aufeinandertreffen mit dem FC Bayern ist Benfica noch nie siegreich vom Platz gegangen, auch in Partie Nummer zwölf setzte sich diese Serie fort: 5:2 (2:1) gewannen die Münchner am 4. Spieltag der Champions-League-Gruppenphase gegen den Gast aus Lissabon – und stehen nun im Achtelfinale. Hier geht es zum Spielbericht.

Er ist wieder da: Vier Spiele hatte Bayern-Trainer Julian Nagelsmann wegen einer Coronaerkrankung verpasst. Vier Spiele, in denen es viele Tore (4:0 bei Benfica und gegen Hoffenheim, 5:2 bei Union Berlin) und eine herbe Niederlage (0:5 im Pokal bei Borussia Mönchengladbach) gegeben hatte. »Zu wild« sei das Spiel seines Teams gewesen, befand Nagelsmann vor dem heimischen TV-Gerät. Das wolle er ändern. Nun gut.

Erste Hälfte: Benfica begann wie beim Spiel in Lissabon mutig und stellte seine Standardstärke unter Beweis: Nach 15 Minuten jubelten sie über das vermeintliche 1:0, doch eine Abseitsposition verhinderte die Führung. Die fiel nach Vorlage von Coman durch Lewandowski (26.). Serge Gnabry erhöhte in der 32. Minute nach Zuspiel von Lewandowski per Hacke auf 2:0. Nach einem – natürlich – Standard fiel das erste Gegentor des FCB im vierten Gruppenspiel: Morato traf per Kopf nach Vorarbeit des offensiv stärker als defensiv agierenden Grimaldo (38.). Lewandowski ließ in der Nachspielzeit das 3:1 liegen, als Odysseas Vlachodimos seinen schwach getreten Handelfmeter locker parieren konnte (45.+1).

Im März 2009 hatte Müller gegen Benficas Rivalen Sporting sein Champions-League-Debüt gegeben

Im März 2009 hatte Müller gegen Benficas Rivalen Sporting sein Champions-League-Debüt gegeben

Foto: ANDREAS GEBERT / REUTERS

Müller spielt nicht immer: Nagelsmann hatte vor der Partie angekündigt, einige »Vielspieler« zu schonen. So rückte Thomas Müller zunächst auf die Bank, die Abwehrspieler Lucas Hernández und Niklas Süle standen angeschlagen nicht einmal im Kader. Dafür durfte Tanguy Nianzou zum ersten Mal für die Bayern in der Champions League ran, im März 2020 hatte er für PSG bereits zwei Einsätze gegen den BVB zu verzeichnen. Der 19-jährige Franzose verteidigte neben seinem Landsmann Dayot Upamecano und zeigte eine unauffällige Leistung.

Zweite Hälfte: Chip Joshua Kimmich, Kopfballablage Alphonso Davies, Abschluss Leroy Sané – schnell zogen die Bayern das Ergebnis wieder klar. 3:1 nach 49 Minuten. Beim 4:1 überlupfte Lewandowski Benfica-Schlussmann Vlachodimos aus vollem Lauf – ein Traumtor (61.). Davies, Coman, Kimmich und Sané durften frühzeitig vom Platz und schon gab es Turbulenzen in der Münchner Abwehr zu bestaunen, die Darwin einen Konter abschließen ließen (74.). Zwei Gegentore in einer derart überlegen geführten Partie? Eindeutig zu viel. Lewandowski traf in der 84. Minute zum dritten Mal.

100 Mal Lewandowski: Bayerns Ausnahmetorjäger bestritt gegen Benfica sein 100. Spiel in der Champions League. Mit nun 81 Treffern liegt er auf Platz drei der ewigen Torschützenliste, nur die Kollegen Cristiano Ronaldo (139 Treffer in 180 Partien) und Lionel Messi (123 Treffer in 152 Partien) stehen in dieser Rangliste vor ihm. Nummer 82 ließ er beim überraschend kläglichen Elfmeter liegen.

Weigls bankharte Rückkehr: Von 2010 bis 2015 hatte Julian Weigl beim TSV 1860 München gespielt, als Jugendlicher, in der zweiten Mannschaft und im Profiteam. Mit Borussia Dortmund hatte der ehemalige Blaue die Allianz-Arena vor allem als Ort der herben Niederlagen kennengelernt – hier ein 0:4 und 0:5, da ein 1:5 und 0:6. Von einer Gelbsperre bedroht, begann er wie zwei andere Vorbelastete die Partie auf der Ersatzbank – Trainer Jorge Jesus hatte bereits die nächste Partie gegen Barcelona im Hinterkopf.

Alphonso Davies, »Kanadas Sportler des Jahres 2020«

Alphonso Davies, »Kanadas Sportler des Jahres 2020«

Foto: Matthias Schrader / AP

Miiip-Miiip: Mitspieler Müller hatte Davies den Spitznamen Roadrunner verpasst und auch an seinem 21. Geburtstag ließ es der Kanadier mit Höchstgeschwindigkeit angehen. Mehr als 200 (!) Spiele als Profi hat Davies bereits absolviert. Zum Vergleich: Manuel Neuer absolvierte sein erstes Bundesligaspiel mit 20 Jahren und fünf Monaten.

23-1-1: Das ist der Code, mit dem die Bayern den Weg Richtung Champions-League-Finale freischalten können. Es ist die beeindruckende Bilanz aus den vergangenen 25 Partien in der Königsklasse: 23 Siege, ein Remis und die Heimniederlage gegen Paris Saint-Germain im Viertelfinale der Vorsaison.

Was wir wissen, was nicht: Der FC Bayern steht nach zwölf Punkten aus vier Partien bereits im Achtelfinale. Die Spiele in Kiew (23.11.) und gegen Barcelona (8.12.) bieten Nagelsmann Gelegenheit zur erneuten Schonung der »Vielspieler«, denn der FC Barcelona müsste zweimal gewinnen und die Bayern zweimal verlieren, damit Platz eins noch in Gefahr gerät. Benfica hat das Weiterkommen in Barcelona und gegen Kiew noch selbst in der Hand.

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