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19. Oktober 2017, 08:19 Uhr

Bayern-Sieg gegen Celtic

Entfesselspiele

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Die Bayern streifen schon wieder irgendwelche Fesseln ab. Jupp Heynckes ist jetzt der älteste Trainer der Champions-League-Geschichte. Ihm bleibt aber noch viel Zeit für die Fortsetzung einer beeindruckenden Serie.

Szenen des Spiels: In der 20. Minute machte sich Celtic gemächlich auf gen Tor der Münchner. Und siehe da: Bis auf Robert Lewandowski standen plötzlich alle Bayern-Spieler hinter dem Ball. Bloß nichts zulassen, bloß nichts kassieren. Deutlich wollten die wegen ihrer mangelnden Arbeitsbereitschaft im Rückwärtsgang so häufig gescholtenen Bayern-Spieler zeigen: Wir haben verstanden. So rannte auch Arjen Robben in der 42. Minute seinem Gegenspieler hinterher und beharkte ihn so lange, bis er den Ball zurückerobert hatte. Dieses Defensivverhalten dürfte für die restliche Bayern-Saison entscheidender sein als der Fakt, ob man Celtic nun drei, vier oder fünf Treffer einschenkte.

Das Ergebnis: Bayern besiegte das vor dem Spiel noch punktgleiche Celtic 3:0. Hier geht es zum Spielbericht.

Die Heynckes-Liga: Bislang nahm Jupp Heynckes dreimal als Trainer an der Champions League teil. Dreimal erreichte er das Finale. Der Glaube an ein viertes Endspiel am Ende der Saison 2017/2018 ist ein noch zartes Pflänzchen, das gegen die Schotten zum ersten Mal gegossen wurde. Heynckes ist mit 72 Jahren und 162 Tagen jetzt auch der älteste Trainer der Champions-League-Historie. Der Belgier Raymond Goethals rutscht mit jugendlichen 71 Jahren und 231 Tagen auf Rang zwei.

Die erste Halbzeit: Auch von einem nicht anerkannten Treffer Thiagos (6. Minute) und einem verwehrten Strafstoß nach Trikotzupfer an Robert Lewandowski (7.) ließen sich die Hausherren nicht irritieren. In der 13. Minute parierte Craig Gordon zunächst stark einen Lewandowski-Kopfball, gegen den Nachschuss von Thomas Müller war er machtlos. In der 29. Minute verwandelte Joshua Kimmich eine Flanke von Kingsley Coman per Kopf. Weitere Chancen durch Kimmich (13.), David Alaba (14.) und Lewandowski (30.) blieben ungenutzt.

Die zweite Halbzeit: Nach einer Ecke von Robben traf Mats Hummels in der 51. Minute, erneut per Kopf. Der Vorlagengeber wollte in seinem 100. Champions-League-Spiel natürlich ebenfalls seinen Namen auf die Anzeigetafel bringen, sein Schuss in der 61. Minute wurde jedoch auf der Torlinie geklärt. Weitere Chancen, unter anderem durch Robben (72. und 77.) und Lewandowski (73.), blieben ungenutzt. Und Sven Ulreich? Musste in der 74. Minute gleich zwei Schüsse parieren, in der 82. Minute noch einen.

Celtic-Taktik deluxe: Die Elf von Brendon Rodgers stand tief und spielte nach den seltenen Ballgewinnen im Mittelfeld auf Offensivmann Patrick Roberts, der es dank überbordendem Selbstbewusstsein mit der kompletten Bayern-Abwehr aufnehmen wollte. Dies misslang in schöner Regelmäßigkeit, was dann irgendwann auch seinem Coach Verdruss bereitete. In der 78. Minute erlöste er den Einzelkämpfer Roberts. Für ihn kam James Forrest aufs Feld.

Ungleiches Duell: Der bedauernswerte Christian Gamboa hatte es als Rechtsverteidiger mit dem gut aufgelegten Coman zu tun, der ihn Mal um Mal mit feinen Finten in die Irre laufen ließ. Dass nach 90 Minuten nur ein Gegentor über seine Seite fiel, kann der Nationalspieler aus Costa Rica als gütige Fügung des Schicksals verbuchen. Coman musste sich allerdings ankreiden lassen, aus seiner Überlegenheit nicht genügend Kapital geschlagen zu haben.

Ancelotti-Fesseln: Es ist in München mittlerweile gute Tradition geworden, nach jedem Trainerwechsel über die nun abgestreiften Fesseln zu jubilieren. Jenes Storytelling, dass Vorgänger Carlo Ancelotti (heute bei seiner alten Liebe Chelsea im Stadion) als Kern allen Übels zu benennen sei, gibt seinem Nachfolger Zeit, die innerbetrieblichen Risse zu kitten. Siege gegen Freiburg und Celtic sind da von Vorteil, Erfolge gegen Leipzig und Dortmund in den kommenden Wochen würden noch mehr helfen.

Die Lage: Die Bayern haben mit dem 3:0 die leisen Zweifel vertrieben, dass sie eher nach hinten Richtung Celtic als nach vorne Richtung PSG schauen sollten. Die Pariser stellten allerdings beim 4:0 in Anderlecht erneut unter Beweis, dass mit einem Stolperer ihrerseits nicht zu rechnen ist. In knapp zwei Wochen geht es für die Münchner zum Rückspiel nach Glasgow. Mit einem Sieg im Celtic Park kann sich der FC Bayern bereits für das Achtelfinale qualifizieren.

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