Bayern-Sieg gegen Celtic Entfesselspiele

Die Bayern streifen schon wieder irgendwelche Fesseln ab. Jupp Heynckes ist jetzt der älteste Trainer der Champions-League-Geschichte. Ihm bleibt aber noch viel Zeit für die Fortsetzung einer beeindruckenden Serie.

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Szenen des Spiels: In der 20. Minute machte sich Celtic gemächlich auf gen Tor der Münchner. Und siehe da: Bis auf Robert Lewandowski standen plötzlich alle Bayern-Spieler hinter dem Ball. Bloß nichts zulassen, bloß nichts kassieren. Deutlich wollten die wegen ihrer mangelnden Arbeitsbereitschaft im Rückwärtsgang so häufig gescholtenen Bayern-Spieler zeigen: Wir haben verstanden. So rannte auch Arjen Robben in der 42. Minute seinem Gegenspieler hinterher und beharkte ihn so lange, bis er den Ball zurückerobert hatte. Dieses Defensivverhalten dürfte für die restliche Bayern-Saison entscheidender sein als der Fakt, ob man Celtic nun drei, vier oder fünf Treffer einschenkte.

Das Ergebnis: Bayern besiegte das vor dem Spiel noch punktgleiche Celtic 3:0. Hier geht es zum Spielbericht.

Die Heynckes-Liga: Bislang nahm Jupp Heynckes dreimal als Trainer an der Champions League teil. Dreimal erreichte er das Finale. Der Glaube an ein viertes Endspiel am Ende der Saison 2017/2018 ist ein noch zartes Pflänzchen, das gegen die Schotten zum ersten Mal gegossen wurde. Heynckes ist mit 72 Jahren und 162 Tagen jetzt auch der älteste Trainer der Champions-League-Historie. Der Belgier Raymond Goethals rutscht mit jugendlichen 71 Jahren und 231 Tagen auf Rang zwei.

Die erste Halbzeit: Auch von einem nicht anerkannten Treffer Thiagos (6. Minute) und einem verwehrten Strafstoß nach Trikotzupfer an Robert Lewandowski (7.) ließen sich die Hausherren nicht irritieren. In der 13. Minute parierte Craig Gordon zunächst stark einen Lewandowski-Kopfball, gegen den Nachschuss von Thomas Müller war er machtlos. In der 29. Minute verwandelte Joshua Kimmich eine Flanke von Kingsley Coman per Kopf. Weitere Chancen durch Kimmich (13.), David Alaba (14.) und Lewandowski (30.) blieben ungenutzt.

Die zweite Halbzeit: Nach einer Ecke von Robben traf Mats Hummels in der 51. Minute, erneut per Kopf. Der Vorlagengeber wollte in seinem 100. Champions-League-Spiel natürlich ebenfalls seinen Namen auf die Anzeigetafel bringen, sein Schuss in der 61. Minute wurde jedoch auf der Torlinie geklärt. Weitere Chancen, unter anderem durch Robben (72. und 77.) und Lewandowski (73.), blieben ungenutzt. Und Sven Ulreich? Musste in der 74. Minute gleich zwei Schüsse parieren, in der 82. Minute noch einen.

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Bayerns Sieg gegen Celtic: Dreifacher Jubel beim Jupp-Comeback

Celtic-Taktik deluxe: Die Elf von Brendon Rodgers stand tief und spielte nach den seltenen Ballgewinnen im Mittelfeld auf Offensivmann Patrick Roberts, der es dank überbordendem Selbstbewusstsein mit der kompletten Bayern-Abwehr aufnehmen wollte. Dies misslang in schöner Regelmäßigkeit, was dann irgendwann auch seinem Coach Verdruss bereitete. In der 78. Minute erlöste er den Einzelkämpfer Roberts. Für ihn kam James Forrest aufs Feld.

Ungleiches Duell: Der bedauernswerte Christian Gamboa hatte es als Rechtsverteidiger mit dem gut aufgelegten Coman zu tun, der ihn Mal um Mal mit feinen Finten in die Irre laufen ließ. Dass nach 90 Minuten nur ein Gegentor über seine Seite fiel, kann der Nationalspieler aus Costa Rica als gütige Fügung des Schicksals verbuchen. Coman musste sich allerdings ankreiden lassen, aus seiner Überlegenheit nicht genügend Kapital geschlagen zu haben.

Ancelotti-Fesseln: Es ist in München mittlerweile gute Tradition geworden, nach jedem Trainerwechsel über die nun abgestreiften Fesseln zu jubilieren. Jenes Storytelling, dass Vorgänger Carlo Ancelotti (heute bei seiner alten Liebe Chelsea im Stadion) als Kern allen Übels zu benennen sei, gibt seinem Nachfolger Zeit, die innerbetrieblichen Risse zu kitten. Siege gegen Freiburg und Celtic sind da von Vorteil, Erfolge gegen Leipzig und Dortmund in den kommenden Wochen würden noch mehr helfen.

Die Lage: Die Bayern haben mit dem 3:0 die leisen Zweifel vertrieben, dass sie eher nach hinten Richtung Celtic als nach vorne Richtung PSG schauen sollten. Die Pariser stellten allerdings beim 4:0 in Anderlecht erneut unter Beweis, dass mit einem Stolperer ihrerseits nicht zu rechnen ist. In knapp zwei Wochen geht es für die Münchner zum Rückspiel nach Glasgow. Mit einem Sieg im Celtic Park kann sich der FC Bayern bereits für das Achtelfinale qualifizieren.



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gnarze 19.10.2017
1. Seriöse Leistung
Komplett seriöse Leistung der Bayern, die sich in der Tat von Fesseln zu befreien scheinen, die unsichtbar von Ancelotti angelegt wurden. Zwar sollte Celtic kein Gradmesser sein, aber - wie vorgestern bewiesen - heißt das ja nicht immer etwas. Nun heißt es abwarten und trainieren - die Elf gestern sollte wohl der Stamm sein, aber auch Jupp wird rotieren, um Unruhe im Team gar nicht erst aufkommen zu lassen,
ge1234 19.10.2017
2. Celtic...
... wie auch Freiburg waren dankbare Gegner! Es galt, erst mal wieder Ruhe reinbringen und sich neu sortieren. Das gelingt Heynckes momentan ganz gut. Wie gut, wird man erst nach den Spielen gegen RBL und BVB sehen. Erst danach kann man auch sagen, wohin die europäische Reise in dieser Saison gehen wird!
Aberlour A ' Bunadh 19.10.2017
3. Na ja
Freiburg, Celtic und jetzt der HSV. Ob da ein Trainer überhaupt notwendig war und Ist? "Entscheidend is auf'm Platz". Gegen Neymar, Cavani und Mbappé. Am 05.12.2017 in München. Gegen 22:30 Uhr wird die Mannschaft und der Trainer wissen, wo sie wirklich stehen. Alles andere ist irrelevant.
burgundy 19.10.2017
4.
Zitat von Aberlour A ' BunadhFreiburg, Celtic und jetzt der HSV. Ob da ein Trainer überhaupt notwendig war und Ist? "Entscheidend is auf'm Platz". Gegen Neymar, Cavani und Mbappé. Am 05.12.2017 in München. Gegen 22:30 Uhr wird die Mannschaft und der Trainer wissen, wo sie wirklich stehen. Alles andere ist irrelevant.
Nicht ganz. Zuletzt war es für die Bayern schon schwierig, sich gegen zweitklassige Gegner zu motivieren. In puncto Motivation scheint sich bereits etwas getan zu haben. Allerdings waren die Bayern auch beim gestrigen Spiel nicht sonderlich einfallsreich und etwas pomadig, sie hatten Glück, dass sie gegen Celtic und nicht gegen Paris spielen mussten, das sie schlicht hinweggefegt hätte, denn das Tempo von PSG ist doch noch ein wenig anders als das der Bayern. Aber Heynckes hat ja gerade auch erst angefangen.
Pela1961 19.10.2017
5. Naja,
"Es ist in München mittlerweile gute Tradition geworden, nach jedem Trainerwechsel über die nun abgestreiften Fesseln zu jubilieren." Man sollte doch nun wirklich nicht so tun, als sei das ein Münchner Phänomen. Überall da, wo der Trainer gewechselt wurde, kehrt auf einmal der Spaß zurück, das Training wird besser, alles wird lockerer und so weiter. Was mich sehr gefreut hat, war das Interview mit J. H. unmittelbar nach dem Spiel im ZDF. Er hat klar und deutlich gesagt, dass die Münchner noch weit entfernt von der europäischen Spitzenklasse sind und hat diesen Sieg gegen Celtic durchaus kritisch eingeordnet. Falls irgendein Journalist oder Forenschreiber noch einmal den Stuß vom "Triple als Pflicht" oder Saisonziel erzählt, sollte man dieses Interview in Endlosschleife laufen lassen, bis auch der letzte begriffen hat, dass die Saisonziele der Münchner eben NICHT den CL-Titel beinhalten. Und im Pokal - auch das hat Heynckes deutlich gesagt - kann mit Pech schon nächste Woche Schluß sein. Da kann man dann wieder davon faseln, dass ja "schon in der zweiten Runde" Schluß war, man kann aber fairerweise auch erwähnen, dass es gegen Leipzig ging, den zur Zeit wohl stärksten Buliverein. Ich freu mich jedenfalls auf das Spiel nächste Woche und wenn die Münchner so weiter spielen wie gestern, ist mir nicht bange, dass es wieder Spaß macht, die Spiele zu sehen. Das war leider in letzter Zeit oft nicht so. Wie weit das dann für Erfolg reicht, wird man abwarten müssen. Auf jeden Fall denke ich, dass die Abgesänge auf den FC Bayern München etwas zu früh kamen. Vor allem der "alte Mann" Arjen Robben ist noch zu einigem fähig. Und auch Coman gab gestern Anlaß zur HOffnung, sich doch noch zu einem Ersatz für Ribery zu entwickeln. Vielleicht hat - so leid mir das tut - die Verletzung von Ribery doch einen positiven Nebeneffekt für die Gesamtentwicklung der Mannschaft.
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