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15. Februar 2017, 14:45 Uhr

Bayerns Schlüsselspiel gegen Arsenal

Die Charakterfrage

Von Christoph Leischwitz, München

Für die Bayern geht die Saison erst mit der K.-o.-Phase der Champions League richtig los. Gegen Arsenal steht für die Münchner viel auf dem Spiel. Trainer Ancelotti appelliert an die Einstellung seines Teams.

"Danke, dass Sie mich daran erinnern", sagte Arsène Wenger mit zynischem Lächeln. Erst eine knappe Stunde zuvor war der Trainer des FC Arsenal samt Mannschaft in München gelandet, schon rieb ihm ein britischer Journalist unter die Nase, dass in den vergangenen Jahren regelmäßig im Achtelfinale der Champions League Schluss gewesen sei. Und zwar auch gegen den FC Bayern, 2013 und 2014.

Ein Schicksal, das erneut droht. Am Abend treffen beide Teams schon wieder aufeinander (20.45 Uhr; TV: ZDF und Sky; High-Liveticker SPIEGEL ONLINE). Einen möglichen Vorteil gibt es diesmal zwar: Arsenal reist, anders als bei früheren Begegnungen, schon zum Hinspiel nach München, und die meisten Fußballteams bevorzugen es, zuerst auswärts anzutreten. Auch finden Bayern-Spieler wie Phillip Lahm oder Manuel Neuer, dass Arsenal personell stärker einzuschätzen sei als bei vergangenen Duellen.

Doch Wenger steht unter Druck. Die Mannschaft hat zwei der vergangenen drei Pflichtspiele verloren, darunter 1:3 gegen Englands Tabellenführer Chelsea, der Kampf um die Meisterschaft erscheint angesichts von zehn Punkten Rückstand aussichtslos. Wenger, 67, reagiert schnippisch, wenn er auf die schwankenden Leistungen von Mesut Özil angesprochen wird, oder wenn er erklären muss, warum der kolumbianische Keeper David Ospina gegen den FC Bayern im Tor stehen wird, und nicht Routinier Petr Cech. Keine Frage, Wenger kann zurzeit wenig richtig und viel falsch machen.

"Es ist normal, kritisiert zu werden"

Auch Carlo Ancelotti wurde zu Wengers Situation befragt. Der Trainer der Bayern antwortete, wie so oft dieser Tage, mit monotoner Stimme: "Wenger hat so viel Erfahrung, er weiß, dass es normal ist, in unserem Job kritisiert zu werden. Und deshalb glaube ich auch, dass er kein Problem damit hat."

Der Italiener weiß, wovon er spricht. Er hatte 2014 Real Madrid zum ersten Champions-League-Titel nach zwölf Jahren geführt, nur um ein Jahr später vom Hof gejagt zu werden. Und selbst, wenn der FC Bayern im Achtelfinale ausscheiden sollte - für den Stoiker Ancelotti würde die Welt deshalb wohl nicht untergehen.

Doch das bedeutet nicht, dass er unter seinem dicken Fell auch zufrieden damit ist, wie es für ihn in München bislang gelaufen ist. Die Mannschaft hat sich zwar, was die Resultate betrifft, nichts zuschulden kommen lassen, doch in der Bundesliga - und auch in der Gruppenphase der Champions League - ließ sie oft jene Souveränität vermissen, die sie in den vergangenen Jahren ausgezeichnet hatte.

Zumindest an der Seitenlinie ist Ancelotti in den vergangenen Wochen lebhafter geworden. Er gestikuliert mit wilden Armbewegungen in das Spiel hinein, er lamentiert mit Schiedsrichter-Entscheidungen und findet sich in Diskussionen mit dem vierten Offiziellen wieder - Szenen, die es während seiner Anfangsphase in München nicht gegeben hatte. Und kürzlich, nach dem enttäuschenden 1:1-Heimspiel gegen Schalke 04, hat er sogar die Mannschaft kritisiert: "Es ist kein Problem der Qualität, es ist ein Problem der Aufopferung."

Kapitän Philipp Lahm mahnte bereits, man müsse die Spielweise ändern. Auch Manuel Neuer sagte, das nicht nur Resultate wichtig seien, sondern "auch die Art und Weise", wie sie zustande kommen. Man könne "nicht immer so ein Glück haben" wie zum Beispiel gegen Freiburg, als die Bayern erst kurz vor Schluss 2:1 siegten.

Am vergangenen Samstag war es wieder so, in Ingolstadt gewann der Tabellenführer dank zweier Tore in der 90. Minute und in der Nachspielzeit. Doch weil zumindest die Defensivleistung in Ordnung war, konnte Ancelotti diesmal sagen: "Die Mannschaft hat Charakter gezeigt". Und darauf komme es auch gegen Arsenal an.

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