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Jupp Heynckes Bayern-Trainer denkt über Karriereende nach

Bayern München hat im Champions-League-Halbfinale gegen Barcelona grandios gespielt, jetzt verneigt sich Trainer Jupp Heynckes vor seiner Mannschaft. Zudem denkt der 67-Jährige offenbar über sein Karriereende nach.

Frage: Herr Heynckes, hätten Sie vor zwei Wochen damit gerechnet, den FC Barcelona nach zwei Spielen mit 7:0 Toren aus der Champions League zu werfen?

Heynckes: Nach der Auslosung hätte man sich natürlich nicht vorstellen können, dass wir das erste Spiel 4:0 gewinnen und das zweite im Camp Nou 3:0. Aber auch nach den zwei Spielen ist Barça nicht nur ein außergewöhnlicher Club, sondern hat auch eine phantastische Mannschaft.

Frage: Was war der Schlüssel zum Einzug ins Endspiel?

Heynckes: Natürlich hatte Barcelona personelle Probleme. Wenn ein Messi nicht spielen kann, ist das sicherlich etwas anderes, als wenn er dabei ist. Er ist ein fundamentaler Spieler für Barça. Nichtsdestotrotz haben wir ein Spiel auf ganz hohem Niveau gezeigt. Ich muss meinen Spielern ein großes Kompliment machen. Wir waren von Anfang an überzeugt, dass wir ins Endspiel einziehen.

Frage: Was macht Ihr Team in dieser Saison so stark, dass Sie in allen Wettbewerben nach dem Titel greifen?

Heynckes: Die Mannschaft spielt einen überragenden Fußball, wir haben einen sehr guten Zusammenhalt, und es ist eine wunderbare Stimmung innerhalb der Mannschaft. Zudem haben wir den nötigen Kader, um auf drei Hochzeiten tanzen zu können. In der vergangenen Saison haben wir die Erfahrung gemacht, dass am Ende die Spieler etwas knapp wurden.

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Foto: LLUIS GENE/ AFP

Frage: Zuletzt hatte der FC Bayern mit lauten Nebengeräuschen zu kämpfen. Wie hat die Mannschaft auf die Schlagzeilen um Uli Hoeneß reagiert?

Heynckes: Die Mannschaft und ich besonders haben auch für Uli gespielt. In der vergangenen Zeit hat er Unwahrscheinliches ertragen müssen. Das ist etwas, was ein Mensch normalerweise nicht aushalten kann. Ich habe heute alles getan, dass wir das Spiel für Uli gewinnen.

Frage: Im Finale wartet nun Borussia Dortmund.

Heynckes: Beide Mannschaften haben ein ganz großes Ziel erreicht: Das Champions League-Endspiel, das erste in der Historie des europäischen Fußballs mit zwei deutschen Mannschaften. Nach langer Zeit wird wieder eine deutsche Mannschaft die Champions League gewinnen. Das ist etwas Außergewöhnliches.

Frage: Schon am Samstag folgt das erste Kräftemessen mit dem BVB in der Bundesliga. Welche Bedeutung messen Sie dieser Partie zu?

Heynckes: Ich denke, beide Trainer werden ihre Schäflein erst einmal zusammenholen und sehen, wer hat noch Gasolina, wer hat noch Kraft. Deshalb hat das Spiel am Samstag überhaupt keine Aussagekraft.

Frage: Sie können in dieser Saison Ihre Karriere mit dem Triple krönen - wie konkret sind Ihre Planungen für die Zeit danach?

Heynckes: Ich werde am 8. Mai 68 Jahre alt. Ich bin dann 50 Jahre im Fußball - als Spieler und als Trainer. Eines Tages denkt man, es ist genug.

Aufgezeichnet von Thomas Niklaus (sid) während der Pressekonferenz und von Sky