Schweinsteiger und Martínez Die Bayern-Berserker

Sie waren der Schlüssel zum Halbfinaltriumph: Bastian Schweinsteiger und Javi Martínez stellten Barcelonas Superstar Lionel Messi kalt und verhinderten die Geniestreiche der Passgeber Xavi und Andrés Iniesta. Vor allem Martínez ist derzeit unverzichtbar. Hüten muss er sich nur vor dem Schiedsrichter.

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Zwei Sekunden, vielleicht drei. Mehr Zeit bleibt Lionel Messi an diesem Abend nicht. Dann sind sie schon wieder da, die beiden, von denen der Argentinier in der anschließenden Nacht geträumt haben wird. Bastian Schweinsteiger und Javi Martínez waren in diesem aus Bayern-Sicht triumphalen 4:0-Halbfinalabend gegen den FC Barcelona die Quälgeister des Lionel Messi. Sie sorgten dafür, dass er keine Pässe bekam, dass ihm alle Laufwege zugestellt waren. Es gab seit Monaten keinen so frustrierenden Abend für den Ausnahmefußballer wie an diesem Dienstag.

"Ich muss sagen, dass die Spieler das Konzept überragend umgesetzt haben", sagte Trainer Jupp Heynckes nach der Partie, und damit hat er vor allem sein defensives Mittelfeld-Duo geadelt. Die Außenverteidiger Philipp Lahm und David Alaba leisteten in der Offensive Großes, Franck Ribéry mühte sich in zahlreichen Situationen als ein durchaus talentierter Linksverteidiger ab. Arjen Robben verzichtete weitgehend auf seine brotlosen Soli. Martínez und Schweinsteiger aber standen an diesem Abend noch über ihnen allen.

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Die beiden Sechser bildeten einen nahezu unüberwindlichen Riegel zwischen dem ansonsten genialen Passgeber Xavi und der ansonsten genialen Abnahmestation Messi. Xavi wurde gerade einmal die Luft zum Atmen gegönnt, mehr aber nicht. Und Messi, zudem deutlich sichtbar nicht in körperlicher Bestform, musste sich fast bis zur Mittellinie zurückfallen lassen, um überhaupt in Ballbesitz zu gelangen. Es dauerte fast neun Minuten, bis Messi in dieser Partie erstmals am Ball war. Oft hat er bis dahin schon ein Tor erzielt.

Man muss Barcelona den Ball wegnehmen

Wer Barcelona, die Großmeister des Ballbesitzes, besiegen will, muss ihnen die Bälle wegnehmen. So einfach ist das manchmal und so schwierig in der Umsetzung gleichermaßen. Aber Martínez war an diesem Abend wild entschlossen, genau das zu tun. Er klaute Xavi und dessen Nebenmann Andrés Iniesta die Bälle am Mittelkreis, begab sich wie ein Ringkämpfer in den Infight, bearbeitete die beiden Filigrantechniker, bis sie Mitte der zweiten Hälfte fast schon resigniert hatten.

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Und Schweinsteiger an seiner Seite - der Nationalspieler lief wie in den allerbesten Zeiten. Wer hatte ihm vor einigen Monaten noch vorgeworfen, er sei zu langsam? Olaf Thon. Man hätte Thon zu seiner aktiven Zeit gerne manchmal solche Wege gehen sehen, wie sie der Münchner am Dienstag absolvierte. Die nötige Aggressivität bringt der 28-Jährige ohnehin immer mit. Es waren knapp 20 Minuten absolviert, da grätschte er Messi fulminant ab. Der war beeindruckt - und blieb beeindruckt. "Wir haben versucht, sie unter Druck zu setzen", sagte Schweinsteiger nach dem Spiel. Versucht - das dürfte die Untertreibung des Jahres gewesen sein.

Schweinsteiger hat sich in seiner Karriere schon mehrfach anhören müssen, dass es mit ihm so langsam bergab gehe. Im Nachklang der von ihm überragend gestalteten WM 2010, als er lange unter den Nachwirkungen von Verletzungen litt und mit der "Cheffchen-Debatte" konfrontiert wurde. Nach dem verlorenen Champions-League-Endspiel gegen den FC Chelsea im Vorjahr. Nach dem Halbfinal-Aus der Nationalmannschaft bei der EM im vergangenen Sommer. Solche Anwürfe scheinen zu seiner Karriere zu gehören, ebenso die Reaktion darauf: Bisher hat er sie jedenfalls immer durch Leistung kontern können.

Schweinsteigers Kraftquelle jedoch ist der Spanier Martínez an seiner Seite. Viele haben sich gewundert, als die Bayern für ihn im Sommer 40 Millionen Euro hingeblättert haben und er anschließend in der Hinrunde oft nur zu Kurzeinsätzen auf den Platz geschickt wurde. Aber jetzt, in der entscheidenden Phase der Saison, zahlt sich genau das aus: Martínez ist körperlich auf der Höhe, am Dienstag ackerte und berserkerte er. Dazu bringt er die Spielintelligenz der in Spanien ausgebildeten Profis mit. Der Wert des Mittelfeldspielers ist derzeit nicht zu überhöhen - er ist das "fehlende Teil, das der FC Bayern gebraucht hat", wie Barcelonas Mittelfeldmann Sergio Busquets schon vor der Partie gesagt hatte.

Auch dank der Arbeit der beiden Defensivstrategen geht der FC Bayern mit einem unglaublichen Vier-Tore-Vorsprung in das Rückspiel am kommenden Mittwoch. Ausscheiden werden die Münchner nach menschlichem Ermessen nicht. Aber ihnen kann etwas ähnlich Dramatisches passieren. Schweinsteiger und Martínez sind beide mit Gelben Karten vorbelastet. Heynckes sollte überlegen, ob er sie im Rückspiel tatsächlich einsetzt.

Sie werden am 25. Mai in London so dringend gebraucht.

insgesamt 88 Beiträge
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joey55 24.04.2013
1.
Der Kader ist tief genug und das 4:0 sollte ebenfalls ausreichen, um beide im Rückspiel zu schonen. Bei Gomez ähnlich. Habe ich einen Spieler vergessen, dem eine Sperre im Finale droht?
spon-facebook-10000078592 24.04.2013
2. optional
Ich kann mich nicht sattlesen an artikeln des fcbayern :)
troy_mcclure 24.04.2013
3. Ja,
Zitat von joey55Der Kader ist tief genug und das 4:0 sollte ebenfalls ausreichen, um beide im Rückspiel zu schonen. Bei Gomez ähnlich. Habe ich einen Spieler vergessen, dem eine Sperre im Finale droht?
Lahm und Luiz Gustavo. Wundert mich, dass die sich nicht ne gelbe Karte abgeholt haben, um im Finale spielen zu können
senfaddierer 24.04.2013
4. Nicht umsonst...
...trägt mein Bayern-Trikot seit Jahren die Nummer 31! Es freut mich für Bastian Schweinsteiger, dass er nach dem verschossenen Elfer dahoam eine derart überragende Saison spielt, ohne abzuheben. Chapeau und weiter so!
Käfer63 24.04.2013
5. Gelbe Karten
Für ein Endspiel sollten alle Gelben Karten gestrichen werden damit beide Mannschaften die Möglichkeit haben so gut wie möglich aufgestellt zu sein. Denn wär hätte z.B. Freude daran wenn, mal angenommen, 5 Stammkräfte bei beiden Mannschaften gesperrt wären und nur eine B-Elf auflaufen würde. Bei einem Endspiel will ich die "Stars" sehen und nicht ihre Vertrter!
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