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Bayern-Auftaktsieg gegen Valencia Aus der Mitte entspringt der Spielfluss

Sie wirbeln, sie pressen, sie treffen - die Mittelfeldspieler des FC Bayern München sind in dieser Saison kaum wiederzuerkennen. Insbesondere Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos zeigen lange vermisste Qualitäten. Selbst der sonst eher kritische Trainer Heynckes ist zufrieden.

Es sah so einfach aus: Franck Ribéry tanzte mit dem Ball um zwei Abwehrspieler herum. Ein kurzer Pass zu Arjen Robben, der im Strafraum auf den heraneilenden Bastian Schweinsteiger weiterleitete. Die Nummer 31 des FC Bayern München schoss aufs Tor und durfte in der 36. Minuten den Führungstreffer gegen den FC Valencia bejubeln.

Auf den ersten Blick wirkt der Spielzug unspektakulär - ein automatisierter Ablauf wie er in Profi-Mannschaften üblich ist. Doch bei näherer Betrachtung wird deutlich: Der Treffer wurde von drei Mittelfeldspielern konzipiert, die in der vergangenen Saison oft in der Kritik standen. Ribéry, Robben, Schweinsteiger.

Ribéry und Robben schlugen sich, vergaben wichtige Chancen und Elfmeter oder haderten immer wieder mit dem für ihren Geschmack viel zu engmaschigen Spielsystem. Gegen Valencia bereiteten sie nicht nur den ersten Treffer vor, sondern waren auch sonst Aktivposten. Robben holte sogar kurz vor Schluss einen Elfmeter heraus.

Schweinsteiger erlebte die vergangene Spielzeit zumeist aus dem Kranken- oder Reha-Lager. Wenn er spielte, erreichte er selten Top-Form. Doch das sieht derzeit völlig anders aus: Der Führungstreffer gegen Valencia war bereits das dritte Saisontor für den 28-Jährigen in der noch jungen Spielzeit. Mehr noch: Es war das dritte Tor in den vergangenen drei Spielen. "Bastian ist wieder besser drauf, er hat über weite Strecken ein gutes Spiel gemacht. Langsam kommt er wieder in den physischen Zustand wie vor einem Jahr. Und das Wichtigste ist: Er hat wieder Spaß am Fußball", sagte Bayern-Coach Heynckes.

Schweinsteiger und Martínez harmonieren

Schweinsteiger selbst wollte sich weder zu seiner Leistung noch zum Spiel der Bayern äußern. Wie bereits seit Wochen schlurfte er schweigend und kopfschüttelnd an den Journalisten vorbei. So mussten andere für ihn sprechen: "Bastian ist in einer super Form, er gibt unserem Spiel viel Ordnung", sagte Sturm-Zugang Mario Mandzukic. Und Heynckes lobte die "strategischen Fähigkeiten und die gute Spielübersicht" seines Mittelfeldmannes.

Auch der erste gemeinsame Auftritt mit Javier Martínez von Spielbeginn an erfreute den Münchner Coach: "Die beiden haben schon sehr ordentlich harmoniert." Gegen Valencia waren sowohl die Abstände als auch die Tempowechsel zwischen den beiden Sechsern fast perfekt abgestimmt. Mal stieß Martínez nach vorne, mal Schweinsteiger. Ging der eine zum Pressing nach links, übernahm der andere das freie Zentrum. "Die beiden haben uns heute viel Stabilität gegeben", sagte Toni Kroos.

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Champions League: Bayern bejubeln Auftaktsieg

Foto: Tobias Hase/ dpa

Gerade er war es, der von der Sicherheit im defensiven Mittelfeld am meisten profitierte. Kroos glänzte gegen Valencia, er hätte alleine drei Tore erzielen können. Zudem wurde ihm ein Elfmeter verweigert. In der 76. Minute gelang dem ehemaligen Leverkusener trotzdem ein sehenswerter Treffer zum 2:0.

Bayerns Spielweise hat sich verändert

"Im vergangenen Jahr hatten wir häufiger die Diskussion, dass Toni ein 'Zwischenspieler' sei. Das sehe ich nicht so. Toni ist im offensiven, vorderen Zentrum am besten", sagte Heynckes. Im Gegensatz zur Nationalmannschaft, wo Bundestrainer Joachim Löw Kroos ziemlich undefiniert irgendwo zwischen defensivem und offensivem Mittelfeld positioniert, scheint der 22-Jährige bei Bayern derzeit seine Paradeposition gefunden zu haben.

Doch nicht nur die Form von Kroos, Schweinsteiger und Martínez ist derzeit beim FC Bayern zu bewundern. Das Pressing und die Kombinationsstärke im Offensivbereich wird in den kommenden Wochen, vielleicht sogar Monaten, nicht nur den FC Valencia vor große Probleme stellen. Das Spiel des Münchner Mittelfelds, unterstützt durch die technisch starken Stürmer Claudio Pizarro und Mandzukic, hat sich im Vergleich zum Vorjahr stark verändert.

Die Bayern legen nun in der Offensive viel weniger Wert auf das Ballhalten, stattdessen spielen sie schnellere Vertikalpässe. Und sie attackieren deutlich erfolgreicher, wenn sie den Ball verloren haben. Die schnellen Balleroberungen geben ihnen dann die überfallartigen Chancen zum Kontern. Die an diesem Abend schwachen Spanier kamen mit dem Tempo des Gegners nicht zurecht.

Ein treffsicherer Kroos, die spielfreudigen Flügelspieler Ribéry und Robben, ein Schweinsteiger in ansteigender Form, am Ende der Heimsieg - vieles war an diesem Champions-League-Abend besser als im Finale vor 117 Tagen. Und diesmal konnten die Bayern sogar einen vergebenen Elfmeter kurz vor Schluss verschmerzen.

FC Bayern München - FC Valencia 2:1 (1:0)
1:0 Schweinsteiger (38.)
2:0 Kroos (76.)
2:1 Valdez (90.+1)
München: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Badstuber - Martínez (69. Gustavo), Schweinsteiger - Robben, Kroos, Ribéry (46. Müller) - Pizarro (63. Mandzukic) Valencia: Alves - Pereira, Ricadro Costa, Rami, Cissokho - Feghouli, Parejo, Costa, Guardado (71. Viera) - Jonas (63. Valdez), Soldado (88. Barragan)
Schiedsrichter: Aydinus
Zuschauer: 68.000 (ausverkauft)
Gelb-Rote Karte: Rami
Gelbe Karten: - / Tino Costa, Ricardo Costa

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