Bayern München in der Champions League Es brennt wieder

Gegen Eindhoven zeigte Bayern München wieder druckvollen Offensivfußball und schoss vier Tore. Zur Erleichterung bei Trainer und Spielern kam aber auch Ärger über einen Kontrollverlust.

Getty Images

Von Florian Kinast, München


Carlo Ancelotti stand von seiner Trainerbank auf, atmete tief durch und blickte zu Boden. Dann ballte er beide Hände zu Fäusten, hämmerte mit ihnen in die Luft. Grund für diesen - für Ancelotti ungewöhnlich emotionalen - Ausbruch war Robert Lewandowski, der polnische Stürmer hatte nach einer knappen Stunde gerade zum 3:1 für Bayern München eingeköpft. Die Szene erinnerte an einen Moment im Jahr 2014, als Ancelotti noch Trainer von Real Madrid war und mit einer ähnlichen Pose den Ausgleich von Sergio Ramos in der Nachspielzeit gegen Atlético bejubelte - im Finale der Champions League.

Am Mittwoch war es nur ein Gruppenspiel, und doch war allein Ancelottis Reaktion ein Beleg dafür, wie viel Druck gerade von ihm abgefallen und wie wichtig dieses Tor war. Für dieses Spiel und wohl auch für die kommenden Wochen. Am Ende des Abends spürte man deutlich, wie erlöst und erleichtert Ancelotti und seine Spieler waren.

Das 4:1 des FC Bayern gegen PSV Eindhoven war letztlich ein souveräner Sieg, offenbarte aber erneut Schwächen im Spiel der Münchner. Nach dem 2:2 in Frankfurt am Samstag hatte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge noch gesagt: "Das war nicht Bayern München." Am Mittwoch war es wieder Bayern München, aber eben nicht die ganze Zeit. Darum gab es nach Abpfiff wieder deutliche Worte der Kritik.

"Es kann nicht sein, dass da ein, zwei Leute so freistehen"

Dabei hatte alles so gut angefangen. Die Bayern begannen unbeeindruckt von den drei sieglosen Spielen in Serie, verzückten ihr Publikum durch Spielwitz und wunderbare Kombinationen. Sinnbild der zunächst wiedergewonnenen Leichtigkeit war das erste Tor, als Thomas Müller Arjen Robben winkend und zwinkernd zur schnellen Ausführung eines Eckballs animierte und dann im Nachsetzen zum 1:0 traf (12. Minute). Und weiter ging's, das zweite Tor fiel durch Joshua Kimmich nach Flanke von David Alaba (25.). Die Bayern zeigten altbekannte Offensivfreude - um dann berauscht von sich selbst über die eigenen Füße zu stolpern.

Nach dem Abpfiff vermochte sich niemand zu erklären, warum die Mannschaft bei einer 2:0-Führung so ausgekontert werden konnte, kurz vor der Halbzeit, als Luciano Narsingh für Eindhoven das Anschlusstor erzielte (44.). "Da sind wir nicht gut gestanden", murrte Arjen Robben in Richtung der Defensive, "es kann nicht sein, dass da ein, zwei Leute so frei stehen." Dann führte er eine alte Fußballerweisheit an: "Wenn man so viel nach vorne spielt, muss man hinten aufpassen." Und Mats Hummels erkannte: "Wir haben uns vor der Pause dann das Leben selbst schwer gemacht."

Unverständlich und rätselhaft schien es ihnen selbst, die plötzliche Unsicherheit, der Kontrollverlust. Fast ängstlich wirkten die Münchner auch nach der Pause, es war die Furcht vor dem Ausgleichstreffer, der den Gästen fast geglückt wäre. Pereiros Schuss nach 52 Minuten, Manuel Neuers Glanzparade - viel hatte nicht gefehlt.

"Wieder gierig sein"

Insgesamt aber fand der FC Bayern wieder in die richtige Spur, anders als bei den vergangenen Spielen bei Atlético Madrid (0:1), gegen Köln (1:1) und Frankfurt (2:2). Deswegen war das Tor von Lewandowski nach 59 Minuten auch so bedeutend, bevor der überragende Robben seinen ganz persönlichen Galaabend dann mit dem 4:1 gegen seinen Ex-Verein krönte.

Es hatte also doch geholfen, dass die Spieler seit Samstag viel miteinander geredet hatten, wie Mats Hummels erzählte: "Wir Spieler haben erkannt, dass wir wieder gierig sein müssen, das Feuer hatte zuletzt einfach nachgelassen." Am Mittwoch brannte es schon wieder ganz ordentlich. Zumindest glomm es nicht mehr auf einer so trostlosen Sparflamme wie zuletzt.

Um in den Top-Spielen der kommenden Wochen zu bestehen - am Samstag zu Hause in der Liga gegen Gladbach, in gut vier Wochen in Dortmund oder auch Anfang Dezember, wenn es daheim gegen Atlético in der Champions League vermutlich um den Gruppensieg geht -, braucht es noch mehr Stabilität bei den Bayern. Und noch viele Momente, in denen Tore für Erlösung sorgen.



insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
gnarze 20.10.2016
1. Kontrolle
keine Mannschaft kann 90 Minuten ein Spiel kontrollieren. Die Bayern sollten überlegen, was sie gegen den Schlendrian eines Alonso (Sanchez/Vidal) und die Spielverlangsamung eines Lahm (Kimmich) machen soll - kurz-und langfristig sind diese beiden Spieler leider die Faktoren, die den Unterschied machen werden, ob im Halbfinale Schluss ist oder der Henkelpott geholt wird.
ge1234 20.10.2016
2. Um in den Top-Spielen der ...
... kommenden Wochen zu bestehen........ Soll das ein Witz sein? In dem einem "Topspiel" geht es gegen den aktuell Tabellenfünften, im anderen gegen den Tabellenneunten. Wenn hier irgendjemand etwas braucht, um zu bestehen, dann sind das BMG und BVB, nämlich viel Glück UND einen äußerst schlechten Tag der Bayern, und selbst dann ist noch nicht mal gewiß, dass sie auch wirklich gegen den FCB gewinnen oder zumindest einen Punkt holen!
dasistdasende 20.10.2016
3. Willkomener Aufbaugegner
Eindhoven war ein willkommener Aufbaugegner, maximal auf dem Niveau eines mittleren Bundesliga Vereins. Zudem hätte das Spiel auch anders laufen können , wäre ein reguläres Tor Eindhovens nicht aberkannt und ein Elfer gegeben worden. Wie auch immer. Der FCB hat insgesamt verdient gewonnen. Aber ein Maßstab war das nicht. Auf jeden Fall nicht für die CL. Meister werden sie eh, da es an einem wirklichen Kontrahenten in der BuLi fehlt.
raihower 20.10.2016
4. Oje
Zitat von gnarzekeine Mannschaft kann 90 Minuten ein Spiel kontrollieren. Die Bayern sollten überlegen, was sie gegen den Schlendrian eines Alonso (Sanchez/Vidal) und die Spielverlangsamung eines Lahm (Kimmich) machen soll - kurz-und langfristig sind diese beiden Spieler leider die Faktoren, die den Unterschied machen werden, ob im Halbfinale Schluss ist oder der Henkelpott geholt wird.
Wenn es nur so einfach wäre wie sie sich das vorstellen. Doch irgendwie zeigt die Geschichte der CL, dass es nie einfach war, sie zu gewinnen und das oft Dinge und Faktoren von Belang waren, die niemand vorhersagen konnte.
micha63 20.10.2016
5.
Zitat von ge1234... kommenden Wochen zu bestehen........ Soll das ein Witz sein? In dem einem "Topspiel" geht es gegen den aktuell Tabellenfünften, im anderen gegen den Tabellenneunten. Wenn hier irgendjemand etwas braucht, um zu bestehen, dann sind das BMG und BVB, nämlich viel Glück UND einen äußerst schlechten Tag der Bayern, und selbst dann ist noch nicht mal gewiß, dass sie auch wirklich gegen den FCB gewinnen oder zumindest einen Punkt holen!
Oder der Angstgegner der Bayern macht ausgrechnet die Kölner zum neuen Tabellenführer. :-( :-)))) Die letzten Jahre lief es ganz gut für die Fohlen gegen Bayern.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.