Bayern-Ärger nach dem Sieg in Eindhoven "Wir machen immer die gleichen Fehler"

Der FC Bayern steht im Achtelfinale der Champions League. Freude über die vorzeitige Qualifikation kam aber keine auf. Ungelöste Abwehrprobleme könnten den Gruppensieg kosten.

Aus Eindhoven berichtet Florian Kinast


Karl-Heinz Rummenigge hatte nicht viel zu sagen bei seiner Bankettrede gegen Mitternacht. Seine Auftritte haben Tradition nach Champions-League-Spielen, oft hat er lobende Ansprachen halten dürfen, andere Male auch harte Worte der Kritik gefunden. Die Rede nach dem Erfolg bei der PSV Eindhoven am Dienstag hingegen war nüchtern und kurz, der Vorstandsboss sagte, was eh schon jeder wusste: "Mit dem 2:1 haben wir uns mathematisch qualifiziert fürs Achtelfinale, unser Ziel in der Gruppe ist immer noch Platz eins." Dann eröffnete er auch schon das Büffet, legte nach genau 50 Sekunden das Mikrofon wieder aus der Hand und setzte sich zwischen Trainer Carlo Ancelotti und Noch-Präsident Karl Hopfner, mit dem Rummenigge zuvor bei einem Weißbier auf den Sieg angestoßen hatte.

So wenig wie Rummenigge plauderte, so viel hatten dafür kurz nach Abpfiff die Spieler geredet. Es herrschte Gesprächsbedarf, denn zufrieden waren sie nicht, trotz des Sieges im Philipps-Stadion. Da hatten sie nach einem frühen Rückstand durch ein irreguläres Abseitstor das Spiel noch gedreht, dominiert und sich somit frühzeitig für das Achtelfinale der Champions League qualifiziert - an sich also gute Voraussetzungen für ein zufriedenes Resümee. Doch stattdessen herrschte leichte Gereiztheit, dazu auch Frust und Verärgerung. Es war das sonderbare Ende eines erfolgreichen Abends.

"Ich war schon ein bisschen enttäuscht"

Der Spieler mit der hörbar schlechtesten Laune war Arjen Robben - ausgerechnet er, der Rückkehrer, der sich noch vor dem Spiel bei seinem Ex-Klub so berührt zeigte und im Kabinengang alte Weggefährten aus gemeinsamen Zeiten innig umarmte. Das war es dann auch mit den schönen Momenten, denn anders als am Samstag in Augsburg spielte Robben eher durchschnittlich. Dass ihn Trainer Ancelotti dann nach einer guten Stunde schon wieder vom Feld nahm und dafür Kingsley Coman brachte, gab dem Holländer den Rest. "Ich fand es schade, ich war schon ein bisschen enttäuscht", bekannte Robben halb zerknirscht, halb gekränkt nach dem Auftritt in seiner alten Heimat. "Das ist ein einmaliges Spiel."

Für Sentimentalitäten war bei Ancelotti freilich wenig Platz, er erklärte den Doppelwechsel - Douglas Costa kam zeitgleich für Joshua Kimmich - so: "Ich wollte das System ändern, den Flügelspielern mehr Platz geben." Funktionierte auch, zumindest bei Costa, der das 2:1 durch Robert Lewandowski einleitete.

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FC Bayern in der Einzelkritik: Müder Robben, starker Lewandowski

Doch genau das Spielsystem war ein weiterer Punkt, der zu Unmut führte und zur Selbstkritik. Einmal in Fahrt, murrte erst noch Robben: "Es war fußballerisch kein gutes Spiel von uns, weil wir immer noch die gleichen Fehler machen." Das klang noch vage, richtig konkret wurde dafür Mats Hummels. Er erkannte im Stellungsspiel bei gegnerischen Kontern das derzeit größte Problem. "Das Umschalten in die Defensive ist an sich gut, wir gehen mit super Tempo hinterher. Aber wir müssen in diesen Momenten die Struktur verbessern, es geht darum, in der richtigen Position zu stehen." Und das taten sie beim Gegentor nicht. David Alaba ließ sich überlaufen, wodurch Xabi Alonso plötzlich den linken Verteidiger geben musste, die Zuordnung im Strafraum ging verloren.

Natürlich, als Manuel Neuer Davy Pröppers Kopfball abgewehrt hatte, stand Torschütze Santiago Arias einen Meter im Abseits - doch ganz unabhängig davon offenbarte genau diese Spielsituation die derzeitigen Schwächen des FC Bayern. Wenn es ganz schnell gehen muss, dann fehlt es an der Ordnung im Defensivspiel der Münchner.

Griezmann sorgt für schlechte Stimmung

Gut, dass es dafür vorne bei Lewandowski wieder klappt. Während Sturmkollege Thomas Müller erneut glücklos und torlos blieb, erzielte der Pole beide Treffer. "Das gehört nun mal zu seiner Arbeitsbeschreibung, dass er viele Tore macht", witzelte Müller. "Ich verschaffe ihm auch viel Raum, dass er trifft, so wie er mir auch Räume eröffnet." Nach einer Pause ergänzte Müller: "Ich muss nur den Ball mal wieder reinschießen."

Für die eher durchwachsene Stimmung sorgte zudem noch die Kunde vom Ergebnis aus Madrid, wo Antoine Griezmann in der Nachspielzeit das 2:1 gegen den FK Rostow erzielte. "Wir haben uns schon geärgert, dass die in der 95. Minute noch getroffen haben", sagte Hummels, denn für den Gruppensieg werden die Bayern am letzten Spieltag am 6. Dezember daheim gegen Atlético wohl mit zwei Toren Unterschied gewinnen müssen: Bei Punktgleichheit zählt der direkte Vergleich. Gelingt das, werden sie wieder zufriedener sein als am Dienstagabend.

Dann kann Karl-Heinz Rummenigge sagen, dass sie nun auch mathematisch Gruppenerster sind.

PSV Eindhoven - Bayern München 1:2 (1:1)
1:0 Arias (14.)
1:1 Lewandowski (34., Handelfmeter)
1:2 Lewandowski (74.)
Eindhoven: Pasveer - Arias, Schwaab, Isimat-Mirin, Moreno, Willems (46. Brenet) - Guardado - Pröpper, Ramselaar (75. Zinchenko) - Pereiro (67. Bergwijn), de Jong
München: Neuer - Lahm, Boateng, Hummels, Alaba - Alonso - Kimmich (64. Coman), Vidal - Robben (64. Costa), Lewandowski, Müller (85. Sanches)
Schiedsrichter: Rocchi (Italien)
Zuschauer: 35.000 (ausverkauft)
Gelbe Karte: - / Coman

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Seite 1
mt8 02.11.2016
1.
"denn für den Gruppensieg werden die Bayern am letzten Spieltag am 6. Dezember daheim gegen Atlético wohl mit zwei Toren Unterschied gewinnen müssen: bei Punktgleichheit zählt der direkte Vergleich." Wenn Bayern und Atletico ihren nächsten Spiele gewinnen und sich im Gesamttorverhältnis nichts wesentliches ändert, dann reicht Bayern ein 1:0 Sieg. Weshalb sollte Bayern mit zwei Toren Unterschied gewinnen müssen? Im Direktvergleich steht es dann nach Punkten und Toren gleich. Es gibt in den Direktbegegnungen weder eine bessere Tordifferenz noch eine größere Anzahl erzielter Tore oder gar eine größere Anzahl von Auswärtstoren. Wenn es also keinen Unterschied gibt, dann entscheidet die bessere Tordifferenz aus allen Gruppenspielen und da liegen die Bayern klar vorne. + 8 im Gegensatz zu + 4 von Atletico.
sltr 02.11.2016
2. Lieber spon
Wäre es nicht besser, sie würden sich kundig machen, bevor sie solche Dinge behaupten? Art. 17 des Uefa-Regelwerk es ist nicht soooo Schwerpunkt finden und mit ein wenig fußballerischen Sachverstand auch leicht verständlich. Sollte Athletico gegen PSV also kein Kantersieg gelingen und sollten die Bayern gleichzeitig Ihr Spiel gewinnen, dann reicht den Bayern ein 1:0 im letzten Spiel vollkommen für den Gruppensieg. Oder?
spon_2937981 02.11.2016
3.
Zitat von mt8"denn für den Gruppensieg werden die Bayern am letzten Spieltag am 6. Dezember daheim gegen Atlético wohl mit zwei Toren Unterschied gewinnen müssen: bei Punktgleichheit zählt der direkte Vergleich." Wenn Bayern und Atletico ihren nächsten Spiele gewinnen und sich im Gesamttorverhältnis nichts wesentliches ändert, dann reicht Bayern ein 1:0 Sieg. Weshalb sollte Bayern mit zwei Toren Unterschied gewinnen müssen? Im Direktvergleich steht es dann nach Punkten und Toren gleich. Es gibt in den Direktbegegnungen weder eine bessere Tordifferenz noch eine größere Anzahl erzielter Tore oder gar eine größere Anzahl von Auswärtstoren. Wenn es also keinen Unterschied gibt, dann entscheidet die bessere Tordifferenz aus allen Gruppenspielen und da liegen die Bayern klar vorne. + 8 im Gegensatz zu + 4 von Atletico.
Stimmt. War auch überrascht, da alle Kommentatoren im Brustton der Überzeugung von 2 Toren Unterschied sprachen. Vermutlich haben alle schon eingeplant, dass Atletico mind. 1 Tor in München schießt. Dann nämlich brauchen die Bayern 2 Tore Unterschied, weil sonst Atletico wg. Auswärtstoren weiter wäre.
hafnafjoerdur 02.11.2016
4. Bin etwas überrascht über die eigene Kritik
Aus meiner Sicht war das Gegentor doppelt unglücklich, weil der Ball zuvor auch noch unglücklich abgefälscht wurde. Wenn dann auch noch ein Meter Abseits dazu kommt, ist das nicht unbedingt ein Grund für eine Fehleranalyse. Ansonsten hat Bayern gegen einen gut organisierten und konterstarken Gegner wenig zugelassen. Insgesamt hätte das Spiel auch gut und gerne 5:1 ausgehen können. Was mir eher noch missfällt, ist die Raumaufteilung in der Offensive. Ich sehe durchaus momentan Müller auch als Schwachpunkt. Warum der manchmal zwei Meter neben Robben an der Außenlinie stand, war nicht nachvollziehbar. Auch sonst steht man sich zu oft gegenseitig im Weg. Immerhin hat gestern das Flügelspiel wieder ganz gut funktioniert, vor allem Costa hat trotz einiger Fehler Schwung gebracht und Alaba nähert sich wieder seiner Topform. Über den Schiri müssen wir zum Glück nicht sprechen. Der Handelfmeter war meiner Meinung nach absolut gerechtfertigt, die Szene lässt sich auch nicht mit der von Höwedes vergleichen. Der Abstand war größer, der Arm weiter vom Körper und die Bewegung deutlicher. Das wird sich niemals eindeutig regeln lassen, aber wie erwähnt, ist das eine Szene bei der vermutlich 7 von 10 Schiedsrichter Elfmeter geben.
manfred.wachtler 02.11.2016
5. Lewandowski
Ich kann diese Lobeshymnen ueber Lewandowski nicht mehr hoeren. Natuerlich schiesst er die meisten Tore. Aber was fuer eine Ausbeute hat er vorzuweisen ? Er vergibt viel zu viele 100tige Chancen. Selbst wenn der gegnerische Torwart umspielt ist, ist das Tor selbst ein noch zu grosses Hinderniss. Hat schon jemals jemand eine Hochrechnung gemacht, wieviel Spiele der FC Bayern nicht eindeutig gewonnen hat, nur weil Lewandowski versagt hat ?? Wieso wird er so zum Helden hochstilisiert und darf nun auf Euro 15 Mio hoffen, obwohl die anderen arbeiten um ihm 100tige Chancen herauszuspielen ? Wo bleibt der Ruhm dieser Arbeitstiere im Vergleich zu einem, sorry : 'Abstauber' ? Ist der FCB zu blind ? War er ja haeufiger schon : laesst Toni Kroos ziehen und holt sich einen weiteren Spanier dafuer, einen, der in nahezu jedem Spiel gut ist fuer eine gelbe Karte wegen absolut bloedsinniger Fouls. Ich musste das mal loswerden.
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