Borussia Dortmund Schwächen der Wundertruppe

Wenig Coolness vor dem Tor, Lücken im Kader: Borussia Dortmunds Viertelfinal-Auftritt gegen Málaga war wenig souverän - trotz des sensationellen Last-Minute-Siegs. Gegen die schweren Gegner in der nächsten Champions-League-Runde muss der BVB sich deutlich steigern.

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Aus Dortmund berichtet


Mats Hummels gab es als Erster zu: Mit Beginn der Nachspielzeit hatte "ich eigentlich das Weiterkommen schon abgehakt". Auch Ilkay Gündogan erklärte, dass er "so ab der 88., 89. Minute dachte, das war's". Der Einzug der Borussia ins Champions-League-Halbfinale ist ein historisches Spektakel gewesen. Schon jetzt spricht man vom Wunder von Dortmund. Doch trotz dieses unglaublichen Siegs: Dortmund offenbarte gegen Málaga gleich mehrere Schwächen.

Dass der BVB am Ende des Spiels vom Schiedsrichter, der einige klare Abseitspositionen übersah, und von viel Glück abhängig war, ist im Hinblick auf die Qualitäten der beiden Teams kaum nachzuvollziehen. Denn Borussia Dortmund, diese junge, freche Mannschaft, hätte sich fast einer zwar erfahreneren, aber spielerisch und personell deutlich unterlegeneren Mannschaft geschlagen geben müssen. Dabei hatte der BVB in dieser europäischen Saison bereits gegen die Landesmeister aus Spanien (Real Madrid), England (Manchester City), den Niederlanden (Ajax Amsterdam) und der Ukraine (Schachtjor Donezk) gewonnen.

"Das war kein gutes Spiel von uns. Wir waren selten so wenig inspiriert wie heute. Wenn wir rausgeflogen wären, dann wäre es verdient gewesen", sagte Dortmunds Trainer Jürgen Klopp. Er attestierte seinem Team, "Nerven gezeigt" zu haben. "Wir waren heute zum ersten Mal in dieser europäischen Saison der Favorit. Vielleicht hat uns das ein bisschen gelähmt", sagte Gündogan.

Die Nerven sind sicherlich ein Grund, warum dieses Viertelfinal-Rückspiel zu solch einer Zitterpartie wurde. Bereits im Hinspiel hätte der BVB mit ein wenig mehr Coolness und Abgezocktheit bis zu fünf Tore erzielen können. Die Chancen dafür hatte insbesondere Wunderknabe Mario Götze. Doch der 20-Jährige scheiterte gleich dreimal nahezu völlig frei vorm Tor. Im Rückspiel ließ Götze ebenfalls eine gute und eine erstklassige Torchance aus. Der vielleicht talentierteste deutsche Fußballer muss aus diesen wenig angenehmen Erlebnissen nun schnell die richtigen Schlüsse ziehen. Solch eine Anzahl von Fehlschüssen wird ihm im Halbfinale kaum verziehen.

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Dortmund in der Einzelkritik: So spielten die BVB-Helden
Genauso wenig wird sich die gesamte Dortmunder Mannschaft noch einmal taktisch so überrumpeln lassen dürfen wie vom FC Málaga im Rückspiel. Die Spanier zogen ihre Abwehrreihen eng und tief in die eigene Hälfte und versuchten, über ein schnelles Umschaltspiel eigene Angriffe einzuleiten. "Heute gab es kaum Platz zum Fußballspielen. Wir hatten vielleicht auch zu wenige Anspielstationen", sagte Gündogan.

Wenn Götze einen schlechten Tag hat, fällt derzeit das Kreativzentrum der Borussia aus. Wird Gündogan dann auch noch eng gedeckt, fehlt dem BVB der Spielaufbau. Gegen Málaga eröffneten zumeist Subotic und Santana die Angriffe, manchmal sogar Sven Bender - Spieler, deren Stärken eher im rustikalen als im technisch-kreativen Bereich liegen. Sollte Mats Hummels nach seiner Knöchelverletzung wieder in die BVB-Innenverteidigung zurückkehren und schnell zu alter Form finden, ließe sich das Problem wohl zeitnah beheben. Hummels könnte dann mit seinen gefährlichen Vertikalpässen das Spiel eröffnen.

Dies ist zugleich der letzte Kritikpunkt: Der BVB ist - unabhängig vom Ausgang der restlichen Entscheidungen - der Halbfinalist mit dem mit Abstand dünnsten Kader. Viele BVB-Spieler quälen sich seit Wochen augenscheinlich über den Platz, wirken müde und überspielt. Ausfälle wie der von Hummels können nur mit Mühe kompensiert werden. Bayern München, Real Madrid oder der FC Barcelona haben da deutlich mehr Möglichkeiten, um Stars für die Highlights der Saison zu schonen.

Dieses Problem wird die Borussia, so kündigte es Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke beim TV-Sender Sport1 an, nach Ablauf dieser Saison beheben. Der Kader soll sowohl qualitativ als auch quantitativ deutlich vergrößert werden. Brutto dürfte der BVB mittlerweile annähernd 55 Millionen Euro im Europapokal eingenommen haben. Geld, mit dem man einige fähige Fußballer erwerben kann.

All die aufgezählten Probleme könnten der Grund dafür sein, dass der BVB die Reise durch Europa im Halbfinale gegen die besser aufgestellten Gegner beenden muss. Es könnte aber auch sein, dass Klopps Team sich erneut in einen solchen Rausch spielt wie zuletzt in der Rückrunde der vergangenen Saison, als keine einzige Partie mehr verloren wurde. Vielleicht gibt es dann auch das nächste Wunder von Dortmund.

insgesamt 48 Beiträge
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robertkreitmeier 10.04.2013
1. Wachablösung durch Glückstruppe
Zitat von sysopDPAWenig Coolness vor dem Tor, Lücken im Kader: Borussia Dortmunds Viertelfinal-Auftritt gegen Málaga war wenig souverän - trotz des sensationellen Last-Minute-Sieges. Gegen die schweren Gegner in der nächsten Champions-League-Runde muss der BVB sich deutlich steigern. http://www.spiegel.de/sport/fussball/champions-league-borussia-dortmund-offenbart-gegen-malaga-schwaechen-a-893490.html
Die Dusel-Bayern sind durch die DDs abgelöst worden (Glückauf Dortmunder).
kroto 10.04.2013
2. Ja...
... jaa, jaa ;-) Ich gestehe ja ein, dass der BVB noch nicht (ganz) auf dem Level eines FC Barcelona kickt. Schön und gut. Aber jetzt immer das Haar in der Suppe zu suchen oder zu hetzen, wie es einige Foristen unterhalb des Weißwurstäquators tun, versteh ich ehrlich gesagt auch nicht. CL-Halbfinale, BL-Zweiter, Pokalviertelfinale. Der BVB bleibt auf ganz hohem Niveau. Danke Jungs!!
rulamann 10.04.2013
3.
Kein Wort über die mangelnde Kompetenz des "Trainers", der weder zu taktischen Änderungen noch zur Analyse einer gegnerischen Mannschaft fähig ist nachdem jeder sah daß man mit dem üblichen Vertikalspiel nicht weiterkommt, das klappt vielleicht gegen Fürth und Augsburg aber nicht wenn die Luft europäisch dünn wird. Da sind die Bayern noch eine Stufe weiter, deren Spiel hat Hand und Fuß. Gnade uns Gott wenn dieser Motivator unseren Joachim ablöst nach der vergeigten WM. Im Endeffekt ist die Mannschaft halt noch zu jung um bei den großen mitzugrunzen, trotz zweifacher Meisterschaft.
ADie 10.04.2013
4. Hummels verletzt, Reus und Götze überspielt
Es ist eigentlich kein Wunder, dass Dortmund sich schwer tut, mit den Mannschaften mitzuhalten, die sich einen nahezu erstklassigen zweiten Anzug zusammengekauft haben. Wobei man fairerwerise sagen muss, dass Bayern München das mit solidem Wirtschaften geschafft hat, während die spanischen Klubs sich etwas leisten, was sie sich eigentlich nicht leisten können.
muellerthomas 10.04.2013
5.
Zitat von rulamannKein Wort über die mangelnde Kompetenz des "Trainers", der weder zu taktischen Änderungen noch zur Analyse einer gegnerischen Mannschaft fähig ist nachdem jeder sah daß man mit dem üblichen Vertikalspiel nicht weiterkommt, das klappt vielleicht gegen Fürth und Augsburg aber nicht wenn die Luft europäisch dünn wird. Da sind die Bayern noch eine Stufe weiter, deren Spiel hat Hand und Fuß. Gnade uns Gott wenn dieser Motivator unseren Joachim ablöst nach der vergeigten WM. Im Endeffekt ist die Mannschaft halt noch zu jung um bei den großen mitzugrunzen, trotz zweifacher Meisterschaft.
Vermutlich weil da außer Ihnen kaum jemand mangelnde Kompetenz erkennen kann. Gegen Madrid, Man City, Amsterdam, Donezsk und Malage hat es ja nun bisher gereicht. Bei allem Neid gegenüber der Leistung der Bayern in dieser Saison, heute müssen sie sich erst noch beweisen. M.E. liegt seine Stärke gerade nicht nur in der Motivation, sondern in der taktischen Schulung der Spieler. Ein Rad greift ins andere (ok, gestern nicht so sehr), junge Spieler mit Talend reifen zu Spitzenspielern (wie Gündogan). Mit Klopp wäre ein Titel mit der NM endlich mal wieder realistisch.
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