kicker.tv

BVB-Sieg bei Arsenal "Wir sind zurück"

Drei Torschüsse reichten für zwei Tore: Borussia Dortmund bewies im Champions-League-Spiel gegen den FC Arsenal ungewohnte Effizienz. Die Spieler können durchatmen, Trainer Jürgen Klopp attestiert ihnen einen neuen Grad der Reife.

Borussia Dortmund hatte gerade das Champions-League-Spiel gegen den FC Arsenal 2:1 (1:1) gewonnen, gegen den Tabellenführer der Premier League und auf englischem Boden - aber die 3000 mitgereisten Fans hatten nur eines im Sinn: den FC Schalke. "Hey, hey, wer nicht hüpft, der ist ein Schalker", skandierten sie, und die BVB-Spieler sprangen vor ihnen durch den Regen.

Klar, am Wochenende steht das Derby in Gelsenkirchen an, viel Wichtigeres gibt es im Leben eines Dortmunder Anhängers nicht. Doch dass die Fans ausgerechnet in einem so speziellen Augenblick diesen Gesang anstimmten, zeugt vor allem von einem: Erleichterung.

Denn die Vorzeichen vor diesem Spiel hatten nicht wirklich gut gestanden. Da war noch immer die Erinnerung an das jüngste Spiel in London, das so knapp verlorene Champions-League-Finale; da waren im Hinterkopf die Chaos-Partie von Neapel mit der anschließenden Sperre Jürgen Klopps und seiner Verbannung auf die Tribüne, das Verletzungspech der vergangenen Wochen, der wenig glänzende Auftritt gegen Hannover 96 am Samstag. Mit dem FC Arsenal wartete zudem ein Gegner in ausgezeichneter Verfassung.

Fotostrecke

Arsenal vs. BVB: Später Treffer, großer Jubel

Foto: DYLAN MARTINEZ/ REUTERS

Und trotzdem hat es Borussia Dortmund geschafft, die Heimreise mit drei Punkten anzutreten. "Wir wussten, dass es ein schweres Spiel wird und wir sehr konzentriert sein müssen. Deshalb haben wir von Anfang an einen extrem hohen Arbeitsaufwand betrieben", sagte Klopp. Von der Tribüne aus hatte der Trainer eine Beobachtung gemacht, die ihm noch wichtiger erschien: "Wir hatten zwar kleinere Wellen in unserer Leistung, aber wir waren zu jeder Zeit drin im Spiel. Das ist ein enormer Entwicklungsschritt: Das Spiel entscheiden zu können, wenn der Gegner einem den Raum gibt. Das sah reif aus."

Was Klopp damit meinte, ist eine Fähigkeit, die sich oft erst mit gewachsener Erfahrung einstellt: die Gelassenheit, den eigenen Plan trotz veränderter Bedingungen zu Ende zu führen, sich bei Störungen von außen auf seine eigenen Stärken zu berufen. Vergleicht man die Partie gegen Arsenal mit dem Finale der Champions League gegen den FC Bayern, kommt noch ein weiterer Entwicklungsschritt hinzu: "Nachdem wir die erneute Führung erzielt hatten, haben wir bis zum Schluss nichts mehr zugelassen", sagte Klopp. Gegen die Münchner hatte der BVB in der 89. Minute den entscheidenden Treffer durch Arjen Robben kassiert.

Womöglich ist genau diese Abgezocktheit der nächste Schritt, zu dem die Dortmunder nun, in ihrem dritten Jahr in der Champions League, in der Lage sind. Dazu gehört auch die Einsicht, dass es nicht nötig ist, jedem Spiel die ureigene Note zu geben, sondern dass Effizienz manches Mal das beste Mittel zum Zweck ist.

Hatte der BVB zuletzt häufig unzählige Anläufe für einen Treffer gebraucht, reichten diesmal drei Torschüsse für zwei Tore aus. "Wir sind nicht gekommen, um Arsenal zu dominieren. Wir sind gekommen, um ein Ergebnis zu erzielen", sagte Klopp. "Wir wollten Arsenals spezielles Spiel stören, das ist uns gelungen. Das war eine Riesenleistung." Auch Arsenals Trainer Arsène Wenger war beeindruckt vom Spiel der Dortmunder: "Ihre Taktik ist aufgegangen, sie haben unser Spiel im Fluss unterbunden", sagte er. Aber etwas Glück sei auch dabei gewesen.

Gruppenführung vor Arsenal und Neapel

Ob glücklich, verdient oder beides: Das Ergebnis des Abends lässt Trainer, Spieler und Verantwortliche nach den schwierigen Wochen durchatmen und Selbstvertrauen sammeln. "Das war ein verdammt wichtiger Sieg, pure Emotionen", sagte Kevin Großkreutz. In der Gruppe stehe man vor Arsenal und dem SSC Neapel (beide ebenfalls sechs Punkte) jetzt sehr gut da, "das ist die beste Ausgangslage vor den kommenden Heimspielen", sagte Großkreutz: "Wir sind zurück."

Vielleicht liegt es an Kevin Großkreutz' Vergangenheit als Dortmund-Fan von Kindesbeinen an, vielleicht war auch er einfach nur erleichtert - einen kleine Anspielung auf das Spiel am Samstag konnte er nicht auslassen: "Wir fahren jetzt mit breiter Brust zum Derby", sagte er, denn wer gegen Arsenal gewinnt, könne locker auch auf Schalke bestehen. Dass der Lieblingsgegner gerade zu Hause gegen Chelsea verloren hatte, ließ er dabei sogar unerwähnt.

Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.