Fotostrecke

Champions-League-Achtelfinale: Ausrutscher, Fouls und Schnuller-Jubel

Foto: Marco Luzzani/ Getty Images

BVB-Niederlage gegen Juve Kleine, große und sehr große Fehler

Borussia Dortmund hat das Achtelfinal-Hinspiel gegen Juventus Turin verloren. Doch die Klopp-Elf hat noch Chancen auf das Weiterkommen - wenn sie es schafft, ihre vielen merkwürdigen Missgeschicke abzustellen.

Es war eine kontroverse Debatte, die nach der 2:1 (2:1)-Niederlage von Borussia Dortmund bei Juventus Turin in der Interviewzone geführt wurde. Einen Überblick über die vielen Missgeschicke dieses Abends hatte eigentlich niemand, schien es. Der BVB hatte kleine, große und sehr große Fehler gemacht, vor allem die Dortmunder Abwehrspieler hatten sehr viele Fehler in sehr wenigen Momenten aneinandergereiht. "Beide Tore fallen zu leicht, viel zu leicht", sagte Trainer Jürgen Klopp.

Doch eine übereinstimmende Antwort auf die Frage, wer verantwortlich war für diese Niederlage, gab es beim BVB nicht.

Konsens war zumindest, dass Sokratis vor beiden Gegentreffern zu passiv gewirkt hatte, als Gefahr von der rechten Außenseite drohte. Aber hätte Mats Hummels den Querpass vor dem 2:1 durch ein entschlosseneres Einschreiten nicht zur Ecke klären können? Oder hätte Marcel Schmelzer die beiden Torschützen Carlos Tevez (13. Minute) und Alvaro Morata (43.) stärker bedrängen müssen? Und wie viel Schuld trägt Roman Weidenfeller am 1:0, weil er Moratas Schuss aus spitzem Winkel vor die Füße von Tevez abwehrte, statt ihn einfach ins Aus laufen zu lassen?

Keiner vermochte zu sagen, ob dies nun ein gutes Spiel gewesen war, weil der BVB einen der Titelaspiranten phasenweise dominiert hatte. Oder aber ein schlechtes Spiel, weil das Verhalten einiger Spieler vor den Gegentoren eher nach Abstiegskampf ausgesehen hatte als nach Champions-League-Zauber.

kicker.tv

Hummels räumt Missverständnis mit Schmelzer ein

Auch Weidenfeller und Hummels, zwei Protagonisten der Fehlerhaftigkeit, beteiligten sich an der Diskussion, allerdings mit einem unterschiedlichen Maß an Selbstkritik. "Für einen Torwart ist es unglaublich schwierig, wenn der Ball wie beim 0:1 so scharf nach innen gespielt wird, ich komme nur mit den Fingerspitzen ran", sagte Weidenfeller. Es sei "klar, dass man da als Torwart schlecht aussieht". Und Hummels räumte ein, dass es vor dem 1:2 "ein Missverständnis" mit Schmelzer gegeben habe: "Da kann ich tatsächlich tiefer stehen und die Flanke abfangen."

Es bestätigte sich an diesem Abend in Turin durchaus der Eindruck, dass die Stimmung beim BVB nach drei Siegen in der Bundesliga deutlich besser ist. Doch eben auch, dass die Abwehr weiterhin unkonzentriert und verunsichert agiert. Die Missverständnisse deuten darauf hin, dass das gegenseitige Vertrauen fehlt.

Fotostrecke

BVB in der Einzelkritik: Wenn nur nicht diese Abwehrfehler wären

Foto: Marius Becker/ dpa

"Es ist kurios, dass die direkt aus den zwei Chancen zwei Tore machen", sagte Schmelzer - aber so kurios war das gar nicht. Es handelte sich nämlich keineswegs um Möglichkeiten, die Turiner Weltklasseindividualisten mit brillanten Ideen erzeugt hatten, sondern um Tore, wie sie auch Hertha BSC, der Hamburger SV oder Hannover 96 schießen können, wenn man sie derart großzügig einlädt.

Dafür dürfen die Dortmunder sich über eine deutliche Weiterentwicklung in der Offensive freuen. Marco Reus, der zum zwischenzeitlichen 1:1 traf (18.) wird immer besser, Ilkay Gündogan hatte starke Szenen in der gegnerischen Hälfte. Ciro Immobile wirkte in seinem Heimatland kraftvoll und engagiert, sogar der zuletzt so schwache Henrich Mchitarjan war in Turin einigermaßen stabil. "Vor allem in der ersten Halbzeit haben wir vieles richtig gemacht", sagte Klopp, nachdem seine Mannschaft in der Phase nach dem Ausgleich die eindeutig bessere Mannschaft gewesen war.

kicker.tv

Erinnerung an große Momente

Tatsächlich erinnerte das Spiel der Dortmunder eine halbe Stunde lang an die große Champions-League-Saison vor zwei Jahren, die mit dem Finaleinzug gekrönt wurde. "Die haben in der ersten Halbzeit alle Passwege zugestellt", lobte auch Juve-Trainer Massimiliano Allegri den Gegner. Selbst die wankelmütigen Abwehrspieler hatten in dieser Phase Momente mit spektakulär gewonnenen Zweikämpfen, doch die Neigung zum individuellen Blackout bleibt ein Problem.

Erst als in der zweiten Hälfte Oliver Kirch und Matthias Ginter anstelle von Lukasz Piszczek (Verdacht auf eine Verletzung am Syndesmoseband) und Sokratis (Muskelprobleme) spielten, passierten keine Katastrophenfehler mehr. Dafür gerieten Ginter und Weidenfeller zweimal lautstark aneinander. Zu diesem Zeitpunkt war die Mannschaftsleistung nicht mehr so ambitioniert, da spielte Dortmund schon wieder wie ein Underdog, der um Schadensbegrenzung bemüht ist.

Der Schaden ist durch das Auswärtstor in der Tat überschaubar, das Weiterkommen noch immer möglich. "Wenn du verlierst, dann bitte 2:1, das haben wir getan", sagte Klopp, und Nuri Sahin ergänzte: "Was ich mitnehme ist, dass Juve absolut schlagbar ist."

Juventus Turin - Borussia Dortmund 2:1 (2:1)
1:0 Tévez (13.)
1:1 Reus (18.)
2:1 Morata (43.)
Turin: Buffon - Lichtsteiner, Bonucci, Chiellini, Evra - Marchisio, Pirlo (37. Pereyra), Pogba - Vidal (87. Padoin) - Tevez (89. Coman), Morata Dortmund: Weidenfeller - Piszczek (32. Ginter), Sokratis (46. Kirch), Hummels, Schmelzer - Gündogan, Sahin - Aubameyang, Mchitarjan, Reus - Immobile (76. Blaszczykowski)
Schiedsrichter: Mateu Lahoz (Spanien)
Zuschauer: 41.182
Gelbe Karten: Vidal (2), Pereyra (2) -
Torschüsse: 11:12
Ecken: 8:4
Ballbesitz in Prozent: 48:52

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.