BVB-Sieg in St. Petersburg Endlich wieder Wahnsinn

In der Bundesliga findet Dortmund nicht immer zu seinen Stärken, doch in der Champions League zeigt der BVB beim Sieg gegen St. Petersburg: Er lebt für die Nächte auf Europas großer Bühne.

Aus St. Petersburg berichtet


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Seine Mannschaft war schon geschlossen im schwarzen Bus mit dem Vereinswappen verschwunden, die Trikots, Behandlungskoffer und Massagebänke waren bereits verstaut, der Motor lief, da bahnte sich Jürgen Klopp hastig den Weg durch wartende Autogrammjäger in Richtung BVB-Gefährt.

"Wahnsinn", staunte Klopp über die Odyssee, die er gerade hinter sich hatte, um nach Spielende erst zur Pressekonferenz und dann zum Bus zu kommen. Man tut den gastfreundlichen Russen kein unrecht, wenn man sagt: Es hat auch schon anders organisierte Champions-League-Abende gegeben.

"Wahnsinn", das hätte auch gut zu den ersten 90 Minuten des Achtelfinalduells gegen Zenit gepasst. Oder zu den vergangenen Tagen. Oder zu den kommenden Wochen?

Denn so trist die Leistung der Borussia noch am Wochenende in Hamburg war und so sehr die Verletzten der Mannschaft (zuletzt: Sven Bender und Mats Hummels) fehlen - in St. Petersburg war wieder der BVB der vergangenen Champions-League-Saison zu sehen: die Power-Mannschaft.

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BVB-Sieg in St. Petersburg: Doppelschlag und Doppelpack

Nach fünf Minuten war die Partie im Petrowski-Stadion so gut wie entschieden gewesen, gegen den Offensivdruck von Marco Reus, Robert Lewandowski und Henrich Mchitarjan hatten die Gastgeber kein Mittel. Das Dortmunder Mittelfeld ließ dem Gegner keine Zeit, das eigene Spiel aufzubauen. "Wir haben viele lächerliche Fehler gemacht und wurden bestraft", sagte Zenit-Trainer Luciano Spalletti. Das könne man sich gegen solche Teams einfach nicht leisten, und wenn doch, zahle man "einen sehr hohen Preis" dafür. In Zahlen waren das zwei Tore vor und zwei Tore nach der Halbzeit.

Klopp sprach von einer "Pressing- und Gegenpressing-Lehrveranstaltung", die seine Mannschaft gezeigt habe. In Hamburg kamen seine Spieler kaum in die Zweikämpfe, diesmal habe man diese "gesucht, gefunden und gewonnen - und tolle Momente daraus entstehen lassen".

Es sind genau diese Momente, für die und von denen dieses Team lebt. Was im vergangenen Jahr so zuverlässig gelang, gerade in großen Partien, das Finden des eigenen Spiels, das scheint in dieser Saison weniger selbstverständlich. Das verletzungsbedingte Fehlen von Ilkay Gündogan ist ein Grund dafür, die Lernfähigkeit der Gegner ein anderer.

Die innere und äußere Abnutzung der Borussia-Spieler, die die Dortmunder Spielweise mit sich bringen kann, dieses dauernde Unter-Druck-Setzen, drängt sich mitunter als dritter Grund auf, gerade im Bundesliga-Alltag. Aber nicht im Achtelfinale der Champions League. Auch wenn Zenit noch nicht der ganz große Gegner ist.

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Champions League: Terminator Großkreutz, Kettenhund Schmelzer

"Das ist Champions League", führte Robert Lewandowski treffenderweise gleich zweimal als Begründung an. Erstens dafür, dass er und seine Mitspieler von Beginn an hochkonzentriert spielten. Und zweitens dafür, dass trotz der beruhigenden Ausgangslage beim Rückspiel am 19. März noch ein Rest Gefahr besteht.

Dass Hulk und Co. tatsächlich schnell gefährlich werden können, hatten die Dortmunder an diesem Abend schließlich auch erlebt. Eine knappe Abseitsentscheidung, eine umstrittene Elfmeterentscheidung - so schnell fallen zwei Tore. Klopp äußerte seinen Ärger über Schiedsrichter William Collum verhältnismäßig zurückhaltend. Während der Partie aber hatte ein Hauch von Neapel in der St. Petersburger Luft gelegen, als Klopp einmal zum Torjubel auf Tuchfühlung mit dem vierten Offiziellen ging.

Der Trainer bekam sich aber schnell wieder in den Griff, auch sein Team reagierte jeweils prompt auf die Gegentore. Sollte das Selbstvertrauen durch Platz drei in der Bundesliga und die jüngste Niederlage in Hamburg gelitten haben, so dürfte das durch den 4:2-Sieg behoben sein. Jürgen Klopps Ziel lautete schlicht: im Rückspiel in Dortmund "den Sack zumachen".

Zenit St. Petersburg - Borussia Dortmund 2:4 (0:2)
0:1 Mchitarjan (4.)
0:2 Reus (5.)
1:2 Schatow (57.)
1:3 Lewandowski (61.)
2:3 Hulk (69., Foulelfmeter)
2:4 Lewandowski (71.)
Petersburg: Lodygin - Neto, Anjukow (84. Smolnikow), Criscito, Lombaerts - Schatow, Fajsulin (84. Kerschakow), Witsel - Hulk, Arschawin (15. Timoschtschuk), Rondon
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Friedrich, Sokratis, Schmelzer - Kehl, Sahin - Großkreutz (90.+1 Durm), Mchitarjan (70. Aubameyang), Reus (85. Hofmann) - Lewandowski
Schiedsrichter: Collum (Schottland)
Zuschauer: 21.570 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Anjukow, Fajsulin (2) - Piszczek
Ballbesitz: 59% / 41 %
Schüsse: 8 / 13
Zweikämpfe: 47% / 53%

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insgesamt 89 Beiträge
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Seite 1
moe.dahool 26.02.2014
1. Danke
Das war ein gelungenes Spiel mit einem vollkommen berechtigtem Endergebnis. Auf ein erneut deutsch-deutsches Finale! Aber ooooops, ich bin ja eigentlich gar kein BVB Fan. Was ich sagen will: Solange ein deutsches Team gewinnt freue ich mich mit, Häme ist vollkommen unangebracht.
ThoR1234 26.02.2014
2.
GLÜCKWUNSCH! Hoffen wir, dass Schalke heute Abend über sich hinauswachsen kann!
kampftier 26.02.2014
3. Jungs ...Gut gemacht ;-)
Zitat von sysopAFPIn der Bundesliga findet Dortmund nicht immer zu seinen Stärken, doch in der Champions League zeigt der BVB beim Sieg gegen St. Petersburg: Er lebt für die Nächte auf Europas großer Bühne. http://www.spiegel.de/sport/fussball/champions-league-borussia-dortmunds-bvb-spektakel-in-st-petersburg-a-955687.html
-Daumen hoch - nach Dortmund ...
ashcroft_house 26.02.2014
4. Sieg ohne Gegner
Tut mir leid aber gegen eine solche Mannschaft, die gerade mal erst aus ihrer Winterpause kommt und völlig ohne Spielpraxis ist, kann man einen Sieg ja wohl erwarten. Im Gegenteil ist es überraschend dass sich die flickgeschusterte BVB-Defensive mal wieder zweimal überwinden liess. Die wirklich "große Bühne" wird erst dann hergerichtet, wenn es nach Madrid, Barcelona, München, London oder Paris geht. Alles andere sind Pflichtaufgaben für den selbsternannten "zweiten Leuchtturm" des deutschen Fussballs...
genaumeinding 26.02.2014
5. Ein Muster ohne Wert
Was wäre passiert. Wenn Zenith sich nicht nach Fünf Minuten zwei Tore hätte einschenken lassen. Sind wir mal ehrlich, von allen deutschen Mannschaften hat Dortmund den leichtesten Gegner. Es ist mir ein Rätsel wie Zenith mit so einer Leistung so weit gekommen ist. Gestern 0 :3 gegen den HSV verloren heute 4:2 gegen Zemith gewonnen und schon wieder wird von Wahnsinn gesprochen. Bin mal gespannt, wenn ein echter Gegner kommt. Dann heißt es wieder die Verletzungen sind Schuld.
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