Gladbach-Erfolg über Sevilla Ein Spektakel, leicht getrübt

Mönchengladbach hat in der Champions League beachtliche Spiele gezeigt, trotzdem muss das Team um den Platz in der Europa League bangen. Egal: Bei der Borussia ist man stolz und genießt den Augenblick.

Von , Mönchengladbach


Vermutlich war es tatsächlich der größte Europapokalabend von Borussia Mönchengladbach in diesem Jahrtausend, den die Menschen am Niederrhein während des zeitweise rauschhaften 4:2-Sieges gegen den FC Sevilla erleben durften. Und so griff Granit Xhaka zu einer Formulierung, die eigentlich für die ganz großen Momente einer Fußballkarriere vorgesehen sind. "Jetzt, kurz nach dem Spiel, realisiert man das noch nicht so", sagte der Mittelfeldspieler aus der Schweiz wie ein Mann am Gipfel seine Schaffens. "Aber in einem ruhigen Moment in einer oder zwei Wochen ist man schon stolz und kann das genießen."

Ein Reporter hatte erwähnt, dass es sich um Mönchengladbachs "ersten Sieg auf diesem Niveau seit 1978" gehandelt habe. Diese Formulierung klang noch größer als der nüchterne Fakt vom ersten Champions-League-Erfolg in der Mönchengladbacher Vereinsgeschichte. Aber Xhakas Euphorie war nicht nur die Reaktion auf einen Sieg für die Annalen, sondern vor allem die Kommentierung einer tatsächlich ganz besonderen Europapokalnacht.

Trainer André Schubert sprach von "einem aufregenden, hochintensiven Spiel mit viel Mut und viel Vertrauen", denn die Partie wiegte temperamentvoll hin und her. Es wurde munter angegriffen, wenig taktiert und manchmal auch fehlerhaft verteidigt. Deshalb kann dieser Abend in Anlehnung an die verklärten Europapokalnächte der Siebzigerjahre als echtes Fohlen-Spektakel betrachtet werden. Mit einer tragischen Note, wie es sich für ein zünftiges Drama gehört.

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Gladbachs Sieg gegen Sevilla: Gelungene Revanche
Die Sache hat nämlich auch eine Kehrseite. Obgleich es sich anders anfühlte, hat die Borussia Mönchengladbach mit diesem Sieg nicht mehr erreicht als eine vage Chance, doch noch die K.-o.-Phase der Europa League zu erreichen. Sollte der FC Sevilla Anfang Dezember sein Heimspiel gegen Juventus Turin gewinnen, braucht die Borussia einen Sieg im schweren Auswärtsspiel bei Manchester City, um nicht auf den vierten Tabellenplatz abzurutschen und endgültig auszuscheiden.

Also wurde Schubert irgendwann mit der Frage konfrontiert, ob es nicht schmerze, am Ende eines solch großartigen Abends "mit leeren Händen" dazustehen. Das ärgerte den Trainer. "Ich weiß nicht, ob es an unserer Gesellschaft liegt, dass wir immer überall etwas Negatives suchen. Ich stehe nicht mit leeren Händen da", erwiderte er. "Womit wir dastehen ist: eine überragend gute Leistung im Heimspiel gegen Manchester City, das unglücklich verloren wurde. Mit einem defensiv fantastischen Spiel in Turin, einem Heimspiel gegen Juventus, wo wir dem Sieg näher waren, und diesem Erfolg gegen Sevilla."

Das war eine schöne Zusammenfassung der Gladbacher Europapokalsaison, an der sich die ganze Entwicklung ablesen lässt, die diese Mannschaft seit dem Rücktritt von Lucien Favre genommen hat. Die Borussia spielt nach dem bleiernen Saisonstart wieder einen rasanten Umschaltfußball und hat ein imposantes Selbstvertrauen entwickelt.

Neuzugänge wie Lars Stindl, der gegen Sevilla zwei Tore schoss und ein weiteres vorbereitete, oder der starke Innenverteidiger Andreas Christensen blühen auf. Granit Xhaka hat als Kapitän einen weiteren Leistungssprung geschafft, Mahmoud Dahoud ist eine Entdeckung, und Raffael trifft wieder. Nicht einmal das enorme Verletzungspech der vergangenen Wochen wirft die Mannschaft aus der Bahn.

Diese Vorrunde ist Schuberts Baby

Außerdem wurden seit dem Rücktritt von Trainer Lucien Favre ein paar Dinge wie das Pressingspiel verfeinert, "man merkt, wir sind eine Supereinheit", sagte Torhüter Yann Sommer, und Sportdirektor Max Eberl erklärte stolz: "Wir haben in Gladbach einiges geschaffen, weit weg von Zufall und Glück, aber mit einer Konstanz."

Tatsächlich ist schon jetzt eine klare Handschrift des neuen Trainers erkennbar, und auch André Schubert selbst hat ein paar Schritte gemacht. Anfangs wirkte er noch wie ein Gast, der sich mit Respekt, einem gewissen Abstand und sehr viel Demut an eine große Herausforderung herantastet. Der sich ein wenig fremd fühlt als Chef eines Projektes, das sich jemand anders ausgedacht hat. Mittlerweile merkt man ihm an, wie stolz er auf seinen Anteil an diesem Werk ist.

Zwar stecken immer noch viele Details und Ideen im Spiel der Borussia, die der alte Trainer Lucien Favre entwickelt hat, aber diese Champions-League-Saison ist Schuberts Baby. Und da ein wesentlicher Bestandteil des Erfolges darin besteht, Favres mitunter etwas verkrampftes Streben nach Perfektion durch eine leichte Freude ersetzt zu haben, mochte Schubert sich an diesem Abend nicht einmal über die Gegentore ärgern.

Borussia Mönchengladbach - FC Sevilla 4:2 (1:0)
1:0 Stindl (29.)
2:0 Johnson (68.)
3:0 Raffael (78.)
3:1 Vitolo (82.)
4:1 Stindl (83.)
4:2 Banega (90.+1/Foulelfmeter)
Mönchengladbach: Sommer - Korb, Christensen, Nordtveit, Wendt - Traoré (13. Drmic), Xhaka, Dahoud (79. Marvin Schulz), Johnson (87. Elvedi) - Raffael, Stindl
Sevilla: Rico - Coke (82. Mariano), Rami, Kolodziejczak, Trémoulinas - Krohn-Dehli (64. N'Zonzi), Krychowiak - Vitolo, Banega, Konoplijanka - Gameiro (76. Llorente)
Schiedsrichter: Skomina (Slowenien)
Zuschauer: 45.177
Gelbe Karten: Dahoud, Drmic / Banega



insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
tomaraya 26.11.2015
1.
War ein Super-Spiel der Borrusia! Freut mich, und ich bin mir sicher dass sie auch ManCity schlagen können!
Vanagas 26.11.2015
2. Tolles Spiel
Die Mannschaft präsentiert sich als Einheit. Einzig die Abwehr schwächelt leicht. War auch schon gegen 96 wackelig.
braindead0815 26.11.2015
3. leider ein spiel zu spät
angefangen sonst hätte es vielleicht für die nächste runde gereicht. so bleibt die EL .
dasistdasende 26.11.2015
4. EL wäre doch fein
EL dann mit BvB, S04 und Gladbach hätte doch was. Da könnte es spannende Begegnungen geben. CL wird erst wieder zum Endspiel, Barca - FCB, interessant.
xaka 26.11.2015
5. El ? ...
Zitat von braindead0815angefangen sonst hätte es vielleicht für die nächste runde gereicht. so bleibt die EL .
Und selbst die ist noch nicht sicher...
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