Champions League Bremen feiert, Bayern trauert

Torreiche Europapokal-Abende kennt man in Bremen, aber was Werder seinen Fans gegen Udinese Calcio bot, barg Herzinfarktrisiken. Erst eine klare Führung, dann der Ausgleich - am Ende standen doch die ersehnten drei Punkte. Bayern München verlor das Topspiel in Turin.


Werder-Torschütze Micoud: Siegtreffer im Drama
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Werder-Torschütze Micoud: Siegtreffer im Drama

Hamburg - Bremen gewann gegen Udine mit 4:3 (2:0) und wahrte mit dem ersten Sieg der Champions-League-Saison seine Chancen auf das Erreichen des Achtelfinals. Die Tore für die Norddeutschen erzielten vor 35.424 Zuschauern Miroslaw Klose (15.), Kapitän Frank Baumann (24.) sowie zweimal Johan Micoud (51. und 67.).

Nachdem die Bremer die erste Hälfte nach Belieben dominiert hatten und kurz nach Wiederanpfiff schon mit 3:0 führten, sah alles nach einem ungefährdeten Sieg der Gastgeber aus. Udinese präsentierte sich schwach und kam lediglich durch Vicenzo Iaquinta zu einem Pfostenschuss.

Doch innerhalb von nur sechs Minuten waren die Gäste dann plötzlich zurück im Spiel und glichen gegen das mehr und mehr verunsicherte Team von Trainer Thomas Schaaf aus. Spielmacher Antonio di Natale traf erst doppelt (54. und 57.), dann leistete ein Bremer Schützenhilfe. Christian Schulz sorgte mit einem Eigentor für das 3:3.

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"Sechs Minuten lang haben wir aufgehört Fußball zu spielen und sind dafür bitterböse bestraft worden", kritisierte Schaaf nach dem Spiel. Glücklicherweise habe sein Team jedoch "die Hektik aus dem Spiel" genommen und sei somit doch noch zum Erfolg gekommen. Nach einem Freistoß von Torsten Frings sicherte der Franzose Micoud aus kurzer Distanz den Sieg. In der Gruppe C liegt Bremen mit vier Punkten auf Platz drei.

Bayern-Verteidiger Ismael (r., gegen Ibrahimovic): Sieg gegen Rapid Pflicht
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Bayern-Verteidiger Ismael (r., gegen Ibrahimovic): Sieg gegen Rapid Pflicht

Einen Sieg hatte sich auch Bayern München bei Juventus Turin erhofft, um vorzeitig ins Achtelfinale einzuziehen, doch der Tabellenführer der Gruppe A verlor beim italienischen Rekordmeister vor der kargen Kulisse von nur 16.000 Zuschauern mit 1:2 - genau dem Ergebnis, mit dem man "Juve" im Hinspiel vor zwei Wochen noch bezwungen hatte.

"Wir waren auswärts in Turin fast ebenbürtig. Wenn man die 180 Minuten aus beiden Spielen sieht, hätten wir sicher ein Tor mehr verdient gehabt. Kämpferisch haben wir alles gegeben, aber wir haben eben in zwei Aktionen etwas unglücklich agiert", erklärte Bayern-Trainer Felix Magath.

Die Bayern präsentierten sich dabei in der ersten Halbzeit besser als die Gastgeber, besonders in der Abwehr standen die Münchner hervorragend. Für Chancen sorgten immer wieder Standardsituationen, die jedoch vorerst ohne zählbaren Erfolg blieben. In den zweiten 45 Minuten wurde Turin stärker und kam durch David Trezeguet zur Führung (61.).

Das Magath-Team reagierte prompt - Sebastian Deislers Freistoß aus 38 Metern fand fünf Minuten später den Weg ins Tor, nachdem Verteidiger Valerien Ismael Juve-Keeper Abbiati irritiert hatte. Erneut Trezeguet sorgte in der 85. Minute für die Entscheidung zugunsten des Serie-A-Champions, der dank des Sieges nun punktgleich vor den Bayern die Gruppe A anführt. Turins schwedischer Angreifer Zlatan Ibrahimovic sah in der letzten Spielminute noch die Gelb-Rote Karte wegen wiederholten Foulspiels.

"Jetzt müssen wir gegen Rapid Wien gewinnen, dann sind wir auch durch", sagte Manager Uli Hoeneß. Tatsächlich reicht den Bayern ein Sieg am 22. November gegen die Österreicher aber nur, wenn Turin gleichzeitig gegen den FC Brügge punktet. Die Niederlage bei "Juve" ärgerte den Bayern-Manager. "Juve hatte kaum eine Torchance, aber gegen diese Klassemannschaft ist eben jede Chance ein Tor."

Den Begriff Klassemannschaft bemühten auch die Bayern-Spieler, die allesamt sehr realistische Spieleinschätzungen ablieferten. Man sei besser als Juve gewesen, "aber eine Klassemannschaft wie Turin macht eben aus wenigen Chancen die Tore", erklärte Bayern-Keeper Oliver Kahn. Auch Abwehrspieler Ismael zeigte sich mit der Leistung seines Teams zufrieden, "wenn wir so spielen, kommen wir sicher weiter", sagte der Franzose.

Juventus Turin - Bayern München 2:1 (0:0)
1:0 Trezeguet (61.)
1:1 Deisler (66.)
2:1 Trezeguet (85.)
Turin: Abbiati - Kovac (58. Camoranesi/76. Mutu), Thuram, Cannavaro - Zambrotta, Emerson, Vieira, Chiellini - Del Piero (46. Nedved), Ibrahimovic, Trezeguet. - Trainer: Capello
München: Kahn - Sagnol, Lucio, Ismael, Schweinsteiger - Deisler, Demichelis (87. Scholl), Ze Roberto - Ballack - Makaay (88. Guerrero), Pizarro. - Trainer: Magath
Schiedsrichter: Lubos Michel (Slowakei)
Zuschauer: 16.076
Gelbe Karten: Kovac, Camoranesi, Vieira - Schweinsteiger, Ze Roberto
Gelb-Rote Karte: Ibrahimovic wegen wiederholten Foulspiels (89.)

Werder Bremen - Udinese Calcio 4:3 (2:0)
1:0 Klose (15.)
2:0 Baumann (24.)
3:0 Micoud (51.)
3:1 Di Natale (54.)
3:2 Di Natale (57.)
3:3 Schulz (60., Eigentor)
4:3 Micoud (67.)
Bremen: Reinke - Owomoyela (68. Fahrenhorst), Andreasen, Naldo, Schulz - Baumann (88. Vranjes) - Frings, Borowski - Micoud - Valdez (80. Hunt), Klose. - Trainer: Schaaf
Udine: De Sanctis - Bertotto, Sensini, Felipe - Zenoni (50. Mauri), Pinzi, Obodo, Muntari (30. Di Natale), Candela - Iaquinta, Di Michele (73. Motta). - Trainer: Cosmi
Schiedsrichter:Juri Baskakow (Russland)
Zuschauer: 35.424
Gelbe Karten: Frings (2), Hunt - Zenoni, Obodo
Gelb-Rote Karte: Pinzi wegen wiederholten Foulspiels (71.)



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