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10. Dezember 2007, 18:43 Uhr

Champions League

Bremen und Schalke in Endspielstimmung

Sie haben es selbst in der Hand: Am letzten Gruppenspieltag der Champions League können Werder Bremen und Schalke 04 heute mit Siegen ins Achtelfinale einziehen, aber auch alles verspielen - bei Niederlagen ist sogar die Qualifikation für den Uefa-Cup in Gefahr.

Hamburg - Werder Bremen setzt im entscheidenden letzten Gruppenspiel bei Olympiakos Piräus heute (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf kontrollierte Offensive, um den Einzug ins Achtelfinale zu schaffen. "Man hat mindestens 90 Minuten Zeit, man muss nicht alles von Anfang an regeln", sagte Trainer Thomas Schaaf. Bei zwei Punkten Rückstand auf Piräus hilft Werder nur ein Sieg, sonst ist sogar die Trostrunde im Uefa-Cup gefährdet. Auch für den FC Schalke gilt vor dem Spiel gegen Rosenborg Trondheim: Nur drei Punkte garantieren den Einzug in die K.o.-Runde.

Werder-Verteidiger Mertesacker: Optimistisch für Einsatz in Piräus
DPA

Werder-Verteidiger Mertesacker: Optimistisch für Einsatz in Piräus

"Wir wollen erfolgreich sein und die Sensation schaffen, die man uns vielleicht nicht mehr zugetraut hat", sagte Werder-Trainer Schaaf. Aus der 3:4-Niederlage in Hannover "nehmen wir mit, dass wir nicht so viele Fehler machen dürfen - gerade in Piräus nicht, weil das ein enorm starker Gegner ist". Wie schnell die Griechen Unzulänglichkeiten bestrafen, zeigten sie im Hinspiel, als sie in Bremen trotz eines 0:1-Rückstandes zur Pause noch 3:1 gewannen.

Auch Manager Klaus Allofs forderte, aus dem unkontrollierten Auftritt in Hannover die richtigen Lehren zu ziehen. "Wir dürfen uns nicht durch Fehlentscheidungen aus dem Konzept bringen lassen", sagte Allofs. "Wenn wir das gegen Piräus machen, dann wird es schwer." Angesichts der fanatischen Fans im Stadion Karaisaki scheint der Appell an die Disziplin besonders angebracht. "Wir haben noch Wut im Bauch", sagte Spielmacher Diego, "aber wir müssen mit kühlem Kopf spielen und hoffen, nicht wieder so einen schlechten Schiedsrichter zu haben."

Entwarnung gab es im Bangen um Per Mertesacker: Der Nationalspieler kann aller Voraussicht nach mitspielen. Der Abwehrspieler nahm heute Abend am Bremer Abschlusstraining teil. Trainer Schaaf berichtete, dass Mertesacker "sich erheblich besser" fühle. Und ergänzte: "Das macht Hoffnung, dass er spielen kann."

Mertesacker hatte in Hannover zur Halbzeit erschöpft den Platz verlassen. "Ich hoffe, dass es geht", sagte er. Schaaf kann zudem wieder auf Clemens Fritz zurückgreifen. Obwohl er fit ist, strich Schaaf Carlos Alberto aus dem Kader und nominierte stattdessen Martin Harnik. Der österreichische Nationalspieler sei flexibler einsetzbar, sagte Schaaf. Bei Piräus fehlt mit dem gelb-gesperrten Predrag Djordjevic einer der wichtigsten Offensivspieler.

Probleme drohen Werder nach der Partie – unabhängig vom Ergebnis. Ein Generalstreik bedroht den für morgen geplanten Rückflug nach Deutschland. Im Zweifelsfall würden die Bremer lieber heute direkt nach dem Spiel starten, obwohl das Flugzeug dann wegen des Nachtlandeverbots in Bremen in Hannover oder Hamburg landen müsste. Bis Donnerstag warten wollen sie nicht – morgen ist bereits die Weihnachtsfeier.

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Olympiakos Piräus: Nikopolidis - Torosidis, Zewlakow, Antzas, Pantos, Patsatzoglu, Ledesma, Stoltidis - Galletti, Lualua - Kovacevic

Werder Bremen: Wiese - Fritz, Baumann (Mertesacker), Naldo, Pasanen - Jensen - Hunt, Borowski - Diego - Sanogo, Rosenberg

Schiedsrichter: Laurent Duhamel (Frankreich)

Schalke reicht ein "dreckiger" Sieg

Nur mit einem Sieg gegen Rosenborg Trondheim kann Schalke 04 ins Achtelfinale einziehen und die schwache Zwischenbilanz von Trainer Mirko Slomka verbessern. "Es muss keine Gala sein. Ein dreckiges 1:0 ist auch okay", sagte Manager Andreas Müller vor dem letzten Spiel in der Gruppe B heute (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Mit einem Erfolg gegen die Norweger würde Schalke nicht nur erstmals in der Vereinsgeschichte das Achtelfinale der Königsklasse erreichen, sondern auch die Position von Slomka in der Winterpause stärken, wenn Präsident Josef Schnusenberg eine Bestandsaufnahme machen will.

Schalke-Trainer Slomka (r.): Endspiel gegen Trondheim
DPA

Schalke-Trainer Slomka (r.): Endspiel gegen Trondheim

Dann wird sich auch Slomka, den der Schalke-Chef schon öffentlich kritisiert hatte, für die Leistungen des Teams verantworten müssen. Schnusenberg, der bei einem Achtelfinaleinzug Einnahmen in Höhe von zwölf Millionen Euro erwartet, bleibt trotz der zuletzt enttäuschenden Leistungen optimistisch: "Ich bin mir sicher, dass wir es schaffen." Die Gelsenkirchener können mit nur drei Toren aus sechs Spielen als offensivschwächste Mannschaft der Champions League weiterkommen. Seit der Einführung der Vorrunde mit acht Vierergruppen gelang dies bislang nur dem FC Villarreal in der Saison 2005/2006.

Allerdings hatte Schalke bei den zuletzt schwachen Leistungen wie beim 2:2 in Frankfurt gegen defensiv ausgerichtete Gegner Probleme, das Spiel zu gestalten. "Es ist Sand im Getriebe, natürlich bin ich mit der Spielweise nicht einverstanden", sagte Müller. "Gegen Rosenborg geht es um eine Trendwende für die gesamte Saison. Ich will das Funkeln in den Augen sehen, wir können etwas ganz Großes erreichen."

Der norwegische Rekordmeister, der am 3. November sein letztes Meisterschaftsspiel bestritt, bereitet sich schon seit dem vergangenen Freitag in Essen auf das Spiel vor. Rosenborg, bislang auswärts ungeschlagen, reicht ein Remis zum Weiterkommen. "Das wird ganz schwer, die sind auswärts bisher richtig gut aufgetreten", sagte Schalkes Kapitän Marcelo Bordon. Trondheim spielte beim FC Chelsea 1:1 und gewann beim FC Valencia 2:0.

Bei einer Niederlage droht Schalke sogar der Abschied aus den internationalen Wettbewerben. Sollte Valencia im anderen Gruppenspiel bei Chelsea punkten, wäre auch die Qualifikation für den Uefa-Cup verloren. Dann dürfte die Zwischenbilanz in der Winterpause ernüchternd ausfallen: Denn angesichts des großen Rückstands in der Bundesliga auf den angestrebten Champions-League-Platz wäre der Vizemeister dann nur noch im DFB-Pokal auf Kurs - zu wenig für die großen Ambitionen des Traditionsclubs.

Verzichten muss Trainer Slomka gegen Rosenborg weiter auf Abwehrspieler Christian Pander. Der Linksverteidiger erlitt bereits in der vergangenen Woche einen erneuten Innenbandanriss im linken Knie und fällt zumindest bis zur Winterpause aus. Gesperrt ist Mittelfeldspieler Jermaine Jones, für ihn wird wohl Zlatan Bajramovic als zweiter defensiver Mittelfeldspieler neben Fabian Ernst auflaufen. Einsatzbereit ist Abwehrspieler Heiko Westermann, der wegen einer Verhärtung der Wadenmuskulatur nicht am Training teilnahm. Zudem hat Slomka erstmals seit zwei Monaten wieder Mittelfeldspieler Lewan Kobiaschwili zur Verfügung, der wegen eines Adduktorenabrisses gefehlt hatte.

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

FC Schalke 04: Neuer - Rafinha, Bordon, Krstajic, Westermann - Ernst, Bajramovic - Rakitic, Özil - Asamoah, Kuranyi

Rosenborg Trondheim: Hirschfeld - Stoor, Kvarme, Riseth, Traore - Skjelbred, Tettey, Strand - Sapara - Iversen, Koné

Schiedsrichter: Michael Riley (England)

ulz/sid/dpa

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