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BVB-Sieg in Anderlecht Das Glück ist zurück

Endlich gewonnen! Der Sieg in Anderlecht hellt die Stimmung bei Borussia Dortmund auf. Also alles wieder gut? "Es gibt noch ein bisschen was zu tun", sagt Trainer Jürgen Klopp.

Hamburg - Die Sieger von den Verlierern zu unterscheiden, fiel in der Constant-Vanden-Stock-Arena in Anderlecht schwer. Zwischen die gestriegelten und geschlagenen Profis des belgischen Meisters zwängten sich die Spieler von Borussia Dortmund; T-Shirt und Trainingshose, der Blick neutral. Der BVB feierte seinen Erfolg im zweiten Champions-League-Gruppenspiel eher still, kein Gelächter, keine lauten Worte.

"Es tut uns gut, dass wir gewonnen haben", sagte Mats Hummels nach dem 3:0 (1:0). Die Mission "Wiedergutmachung", die der Verteidiger nach schweren Tagen in der Bundesliga via Twitter ausgerufen hatte, ist dem deutschen Vizemeister gelungen, zumindest ein erster Teil davon. Die Erleichterung war groß, nur anzusehen war sie kaum einem Dortmunder.

Die Einordnung des Mittwochabends beschäftigte die Mannschaft, die in der Bundesliga Rätsel aufgibt, in Anderlecht jedoch - wie schon gegen den FC Arsenal - überzeugte. "Ein guter, ein solider Auftritt" sei es gewesen, sagte Hummels vorsichtig. Wohlwissend, dass die Partie gegen einen weitgehend harmlosen belgischen Meister längst nicht alle Probleme des BVB beiseite wischte.

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"Glück brauchst du immer"

Dass Anderlecht bis weit in die zweite Hälfte die Gelegenheit hatte, in die Partie zurückzukommen und zwei sehr gute Chancen hatte, lag abermals am BVB, der sich wie zuletzt in der Bundesliga auch in Belgien durchaus anfällig zeigte und sich durch Nachlässigkeiten in der Defensive noch um den Erfolg hätte bringen können. "Die können hier auch zwei reinschießen", sagte Innenverteidiger Neven Subotic selbstkritisch.

Nach der frühen Führung durch Ciro Immobile bereits nach drei Minuten verpasste der BVB lange die Entscheidung und hatte vor allem zu Beginn der zweiten Hälfte Probleme, als die Bälle zu schnell verlorengingen. Doch diesmal blieben die eigenen Fehler ungestraft. "Glück brauchst du immer", sagte Sebastian Kehl anschließend und womöglich ist genau das eine Essenz des Abends: Das Glück ist zurück beim BVB.

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BVB-Erfolg in Anderlecht: Drei Stürmer-Tore für Dortmund

Foto: EMMANUEL DUNAND/ AFP

Verdient hatte es sich der Bundesligist vor allem durch die Offensive, in der neben dem starken Shinji Kagawa der Kolumbianer Adrian Ramos auf sich aufmerksam machte. Die Drangphase der Gastgeber beendete der eingewechselte Stürmer mit zwei Treffern binnen zehn Minuten (69./79.). In T-Shirt und Wollmütze verließ der Angreifer, der seit seinem Wechsel von Hertha BSC in acht Pflichtspielen für den BVB auf sieben Scorerpunkte kommt, nach dem Schlusspfiff die Arena und ließ als einer der wenigen seiner Freude freien Lauf: "Es war super, davon habe ich immer geträumt."

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Sechs der sieben vergangenen CL-Gruppenspiele gewonnen

Solche Sätze hat man beim BVB zuletzt nicht mehr gehört, doch Dortmund und die Champions League, das passt. "Qualität, Fitness: Wir haben heute gesehen, wo wir uns verbessern müssen", sagte Anderlechts Coach Besnik Hasi mit Blick auf den Bundesligisten. In der Gruppe D ist Dortmund mit der optimalen Ausbeute von sechs Punkten Erster. Sechs seiner vergangenen sieben Gruppenspiele in diesem Wettbewerb hat der BVB nun gewonnen, liegt - anders als in der Bundesliga - im Soll. "Wir haben den ersten Schritt gemacht", sagte Hummels. Der nächste muss folgen.

"Es geht Schlag auf Schlag weiter, und es gibt noch ein bisschen was zu tun", sagte Trainer Jürgen Klopp. In der Bundesliga trifft der BVB am kommenden Samstag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf den Hamburger SV, den Tabellenletzten. "Zuhause gegen Hamburg sind wir Favorit. Da müssen wir nicht drum rumreden", sagte Hummels.

Mit einem weiteren Sieg in die Länderspielpause (Spiele am 11. und 14. Oktober) gehen, danach womöglich mit Ilkay Gündogan und Marco Reus zwei weitere Spieler wieder im Kader: Der Plan für Dortmunds Mission "Wiedergutmachung" steht, ein offenbar langfristiges Projekt: "Wir wollen uns bis zum letzten Spiel an jedem Spieltag steigern. Das ist das Ziel", so Hummels, der weiß, wie wichtig es ist, die Leistungssteigerung von Anderlecht zu bestätigen. Nach dem umjubelten 2:0 gegen den FC Arsenal gab es in den drei folgenden Bundesligapartien zwei Niederlagen und ein Remis.

RSC Anderlecht - Borussia Dortmund 0:3 (0:1)
0:1 Immobile (3.)
0:2 Ramos (69.)
0:3 Ramos (79.)
Anderlecht: Proto - Najar, Mbemba, Nuytinck, Deschacht - Defour, Tielemans - Conte (73. Acheampong), Praet - Suarez (82. Cyriac), Mitrovic (82. Kabasele)
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Sokratis, Schmelzer - Sven Bender (82. Hummels), Kehl - Aubameyang, Kagawa, Großkreutz (65. Ramos) - Immobile (72. Durm)
Schiedsrichter: Paolo Tagliavento (Italien)
Zuschauer: 18.649