Champions League Bye-bye, Bayern!

Mit einer desolaten Vorstellung in La Coruña hat Bayern München auch die letzte Chance auf den Einzug in die Zwischenrunde der Champions League kläglich vergeben. Nicht einmal im Uefa-Pokal, dem von Franz Beckenbauer genannten "Cup der Verlierer", darf der deutsche Rekordmeister in dieser Saison noch mitspielen.


Auch er konnte das Aus der Bayern nicht verhindern: Jens Jeremies
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Auch er konnte das Aus der Bayern nicht verhindern: Jens Jeremies

La Coruña - Anderthalb Jahre nach dem Champions-League-Triumph ist Bayern München durch die 1:2 (0:0)-Pleite bei Deportivo La Coruña zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in der "Königsklasse" bereits in der Vorrunde gescheitert. Nach der schwachen Leistung verpassten die Münchner sogar den Einzug in den Uefa-Cup. Durch den 2:1-Sieg des RC Lens gegen den AC Mailand stehen die Bayern schon vor dem letzten Spieltag als Gruppenletzter fest.

Das überraschend frühe Aus kostet den deutschen Rekordmeister, der bei seinen bisherigen sechs Champions-League-Auftritten immer mindestens das Viertelfinale erreicht hatte, nicht nur Prestige, sondern auch enorm viel Geld. Rund 30 Millionen Euro werden dem Bundesliga-Tabellenführer am Ende der Saison wohl in der Kasse fehlen.

Auch in La Coruña blieben die hoch gehandelten Münchner hinter den Erwartungen zurück. Nach dem Rückstand durch Victor in der 54. Minute gelang zwar der zwischenzeitliche Ausgleich durch Roque Santa Cruz (77.). Doch Roy Makaay, der bereits beim 3:2-Hinspielsieg der Spanier alle drei Tore erzielt hatte, besiegelte die Niederlage (89.).

Dabei hatten die Gäste im Estadio Riazor vor 30.000 Zuschauern gut begonnen und durch Mehmet Scholl (3.), Ze Roberto (7.) und Michael Ballack (10.) auch die ersten Tormöglichkeiten. Danach aber wurden die Bayern immer unsicherer. Ein geordneter Spielaufbau fand nicht statt. Nachdem in der 29. Minute Deportivo-Kapitän Fran bei einem Lattenschuss Pech hatte, bestimmten die Spanier in der Folgezeit das Geschehen, ohne dabei großartig zu glänzen. Chancen von Joan Capdevila in der 40. und Makaay (41.) waren die Folge.

Zur Pause ließ Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge kein gutes Haar an seiner Mannschaft. "Zehn Minuten waren okay, die Leistung danach war allerdings indiskutabel. Ich habe nicht den Eindruck, dass das Letzte gegeben wird. Das ist eine Enttäuschung und Blamage. Das ist nicht der FC Bayern. Wir müssen eine Schippe drauflegen", schimpfte Rummenigge.

Doch besser wurde es keineswegs. Zumal die Gäste in der 52. Minute auch noch das verletzungsbedingte Aus von Spielmacher Ballack (Knöchelverletzung) verkraften mussten. Zwei Minuten später folgte für die Mannschaft von Trainer Ottmar Hitzfeld, der nach dem enttäuschenden 3:3 gegen Hannover 96 eine rustikalere Spielweise gefordert hatte, der nächste Schock. Mit einem fulminanten Freistoß aus 22 Metern Entfernung erzielte Victor die verdiente Führung für La Coruña. Stefan Wessels, der den verletzten Oliver Kahn vertrat, hatte keine Abwehrchance.

Die Münchner waren zwar bemüht, wenigstens noch den Ausgleich zu erzielen, allerdings fanden die spielschwachen Bayern kein Mittel, um die sicher stehende Abwehrkette von La Coruna zu gefährden. In der 77. Minute konnten die Gäste nach Flanke von Scholl durch einen Kopfball des eingewechselten Santa Cruz aber dennoch ausgleichen.

"Die Enttäuschung ist riesig", kommentierte Hitzfeld die 1:2-Niederlage, "Wir sind psychisch nicht stabil genug. Nicht jeder Spieler hat die notwendige Leistung gebracht." Auch dem Erfolgscoach dürften harte Zeiten bevorstehen. "Ich bin ein Fighter und kein Trainer, der nur auf Schönwetter macht", so Hitzfeld, "Wir müssen jetzt unsere Motivation wiederfinden."


Deportivo La Coruña - Bayern München 2:1 (0:0)
1:0 Victor (54.)
1:1 Santa Cruz (77.)
2:1 Makaay (89.)
La Coruna: Juanmi - Scaloni, Naybet, Cesar, Romero - Sergio, Mauro Silva - Victor (84. Tristan), Fran (66. Acuna), Capdevila - Makaay (90. Donato)
München: Wessels - Sagnol, Robert Kovac, Kuffour, Tarnat (60. Lizarazu) - Jeremies, Ballack (52. Fink) - Salihamidzic (46. Santa Cruz), Scholl, Ze Roberto - Elber
Schiedsrichter: Frisk (Schweden)
Zuschauer: 30.000
Gelbe Karten: Salihamidzic (2), Sagnol



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