FCB-Sieg gegen Madrid Bayerns Traum lebt

Der FC Bayern darf dank seines Last-Minute-Siegs gegen Real Madrid auf das Champions-League-Finale im eigenen Stadion hoffen. Dafür muss die Abwehr im Rückspiel allerdings noch besser sein - ausgerechnet der Jüngste könnte dafür das Vorbild abgeben.
FCB-Sieg gegen Madrid: Bayerns Traum lebt

FCB-Sieg gegen Madrid: Bayerns Traum lebt

Foto: CHRISTOF STACHE/ AFP

José Mourinho schwante schon einige Zeit lang Böses. Der Coach von Real Madrid wirbelte wie ein Irrwisch durch die Coaching-Zone. Er wedelte mit den Händen, ging in die Hocke, rief Abwehrspieler Marcelo zu sich, erklärte ihm irgendetwas, brüllte wieder. Der 49-Jährige tat alles, was ein Trainer tun kann, um ein Gegentor zu verhindern.

Aber dann rannte Philipp Lahm auf der rechten Seite los.

Der Kapitän und Außenverteidiger des FC Bayern ließ Fabio Coentrão ins Leere grätschen, dann passte er den Ball vorbei an Sami Khedira scharf vor das Tor. Stürmer Mario Gomez schubste die Kugel mit dem Knie über die Linie. Es war die 90. Minute, und es war das Tor, das dem deutschen Rekordmeister die große Chance eröffnet, das Halbfinale der Champions League zu überstehen.

2:1 gewannen die Bayern in der heimischen Arena gegen Madrid, ein Unentschieden genügt also im Rückspiel am kommenden Mittwoch (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Die Zuschauer klatschten begeistert Beifall, als die Münchner Mannschaft den Rasen verließ.

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Und so kamen bei den Profis trotz der Tatsache, dass auf fremdem Terrain schon ein 0:1 zum Ausscheiden führen würde, keine Selbstzweifel auf. "Natürlich ist das 2:1 ein gefährliches Ergebnis", sagte Torschütze Gomez, "aber mit unserer Stärke nach vorne sind wir immer für ein Tor gut. Wir müssen nicht nur träumen, sondern viel dafür tun, dann können wir das Endspiel auch erreichen." Auch Arjen Robben sprach von einem "positiven Ergebnis".

Ein Gegentor, das Sorgen macht

In einem hochklassigen wie hitzigen Gefecht hatte Franck Ribéry die Bayern in der 17. Minute nach einer Ecke in Führung geschossen. Bevor durch Gomez das zweite Tor gelang, war es Mesut Özil, der acht Minuten nach der Pause das zwischenzeitliche 1:1 für Real erzielt hatte. Es war ein Treffer, dessen Entstehung den Bayern Sorgen machen wird.

Bei dem Gegentreffer wurde eines der Probleme der Münchner in dieser Saison deutlich. Das Umschalten von Angriff auf Verteidigung funktioniert zu selten. Nach dem Ballverlust von Bastian Schweinsteiger liefen die Abwehrspieler orientierungslos durcheinander.

Erst scheiterte der von Lahm allein gelassene Cristiano Ronaldo an Torhüter Manuel Neuer, dann kam der Ball über Umwege zu Özil, der aus kurzer Distanz traf. Die Münchner Viererkette wusste in diesem Moment nicht, wie ihr geschah. Sie hielt dem Druck der Offensivreihe aus Ronaldo, Özil und Karim Benzema nicht stand. In Madrid wird es mehrere solcher Momente geben.

Hoffnung macht da mit David Alaba ausgerechnet der Jüngste. Der 19 Jahre alte Österreicher hat innerhalb kürzester Zeit den Wandel von der Notlösung auf der linken Abwehrseite zum allseits gelobten Leistungsträger geschafft. Wenige in seinem Alter können von sich behaupten, einen Ronaldo oder Karim Benzema eingebremst zu haben. Alaba kann das nach dem Spiel am Dienstagabend.

Zwar befand auch er sich beim Gegentor auf dem Irrweg, ansonsten aber griff er bei den Offensivaktionen der Real-Superstars in den richtigen Momenten ein. Heynckes hatte Alaba in der Vergangenheit auf diversen Positionen getestet, als Linksverteidiger ist das Talent schon jetzt unverzichtbar.

"Er lebt für den Fußball"

"David hat in der zweiten Halbzeit immer freier und immer selbstbewusster gespielt", sagte Heynckes und sprach damit über die Phase, als Alaba auch Ronaldo den Ball dreist vom Fuß spitzelte: "Es ist außergewöhnlich, dass so ein junger Spieler eine solche Entwicklung genommen hat. Er ist sehr ehrgeizig und lebt für den Fußball."

Wenn Alaba auch in Madrid so auftrumpft, dann kann es mit dem Weiterkommen klappen. Er und Lahm, sein Pendant auf rechts, müssen im Bernabeu-Stadion ihre Seiten dicht halten. Von dort droht die meiste Gefahr.

Reals Trainer Mourinho trug nach der Partie zumindest demonstrative Gelassenheit vor sich her. "Ein 1:1 wäre ein gerechtes Ergebnis gewesen, aber auch diese Niederlage - auswärts und in einem Halbfinale - ist keine Schande", sagte er: "Ich glaube, wir sind in einer guten Position für das Rückspiel." Real-Torschütze Özil kündigte derweil schon selbstbewusst an: "Wir sehen uns in München wieder."

Dort findet am 19. Mai das Endspiel statt. Wenn es nach den Bayern geht, widmet sich Özil dann schon voll und ganz der EM-Vorbereitung.

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