PSG-Star Formiga Die »Ameise« auf Rekordjagd

Als Formiga geboren wurde, durften Frauen in Brasilien noch nicht einmal Fußball spielen. Heute will sie mit PSG ins Finale der Champions League – mit mittlerweile 43 Jahren.
PSG-Star Formiga: Sie spielt mit 43 Jahren noch in der Champions League

PSG-Star Formiga: Sie spielt mit 43 Jahren noch in der Champions League

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Aurelien Meunier / UEFA / Getty Images

Während ihre Brüder einen Fußball geschenkt bekamen, musste sich Formiga mit einer Puppe begnügen. Gefrustet zog sie den Kopf des Spielzeugs ab und spielte damit. Damals war die Brasilianerin, die mit bürgerlichem Namen Miraildes Maciel Mota heißt, sieben Jahre alt. So schilderte es Formiga 2016 der brasilianischen Sportnachrichtensendung »Globo Esporte «. Heute ist sie 43 – und blickt auf eine der längsten Karrieren im Profifußball zurück.

Die Mittelfeldspielerin von Paris Saint-Germain (PSG) ist die älteste Fußballerin im aktuellen Wettbewerb der Champions League. Die älteste Torschützin  ist sie bereits seit September 2019. Sie ist zugleich die erste Person im Fußball, die an sieben Weltmeisterschaften teilgenommen hat – männliche Spieler eingeschlossen, obwohl diese bereits mehr als sechs Jahrzehnte länger Weltmeisterschaften austragen.

Wenn Formiga am Sonntagmittag (12 Uhr) mit PSG im Halbfinal-Rückspiel der Königsklasse beim FC Barcelona antritt (Hinspiel: 1:1), hat sie gute Chancen, noch weitere Rekorde zu brechen.

Die damals 18-jährige Brasilianerin bei den Olympischen Spielen in Atlanta, bei denen erstmals Fußballerinnen teilnehmen durften

Die damals 18-jährige Brasilianerin bei den Olympischen Spielen in Atlanta, bei denen erstmals Fußballerinnen teilnehmen durften

Foto: Ruediger Fessel / Bongarts/Getty Images

Dabei sprachen die Umstände dagegen, dass Formiga überhaupt einmal Fußballspielerin werden würde. Als sie 1978 geboren wurde, war es in Brasilien sogar noch illegal, dass Frauen auf dem Platz stehen. Erst Anfang der Achtzigerjahre gründeten sich erste Ligen und der Fußball der Frauen konnte sich entwickeln.

Als fußballspielendes Mädchen erfuhr sie Ablehnung

Aufgewachsen in einem Armenviertel Salvadors, blieb ihr Talent nicht lange verborgen. Wegen ihrer hartnäckigen und selbstlosen Spielweise bekam sie mit 13 Jahren den Spitznamen »Formiga«, der auf Portugiesisch Ameise bedeutet. Doch sie war von Beginn an mit Widerständen konfrontiert.

»Meine Brüder mochten es nicht, dass ich mit anderen Jungs Fußball spielte. Sie wurden eifersüchtig, weil ich besser war als sie und ihre Klassenkameraden darüber scherzten«, sagte Formiga einmal gegenüber »Goal.com «. Sie hätte offenbar lieber »zu Hause sein und Geschirr spülen« sollen.

Angefangen 1993 beim FC São Paulo und nach mehreren Stationen in ihrer Heimat, machte sie 2004 einen Zwischenstopp in Schweden, wechselte dann in die USA und schließlich wieder nach Brasilien. Seit Januar 2017 läuft sie für Paris auf. In ihrer ersten Saison dort stand sie im Endspiel der Champions League, mit 38 Jahren, unterlag mit ihrem Team Olympique Lyon.

Was Formiga jetzt noch fehlt, ist der Triumph in der Königsklasse. Doch auch der Finaleinzug wäre bereits ein Erfolg. Damit wäre sie die älteste Spielerin der Geschichte in einem Finale des Wettbewerbs und würde einen weiteren Altersrekord  knacken: den des Italieners Dino Zoff (41 Jahre und 86 Tage) von 1983.

In welcher Topform die Pariserinnen gerade sind, zeigten sie bereits im Viertelfinale, als sie die Titelverteidigerinnen aus Lyon bezwangen. Auf dem Weg ins Finale steht ihnen nur noch der FC Barcelona im Weg.

»Sie ist nicht von diesem Planeten«

Formiga steht mit ihrem Ballgefühl und ihrer Souveränität noch regelmäßig in der Startelf. »Sie ist eines der größten Beispiele, das wir auf dieser Welt haben. Sie ist nicht von diesem Planeten«, sagte Nationaltrainer der Seleção Oswaldo Fumeiro Alvarez über sie vor zwei Jahren. Er war es auch, der sie überredete, zurückzukommen, nachdem sie nach enttäuschenden Olympischen Spielen in Rio 2016 kurzzeitig aus der Nationalelf zurückgetreten war.

1995 debütierte sie als 17-Jährige in der Nationalelf. Bei der WM 2019, bei der sie mit 41 Jahren zum Einsatz kam, waren 150 Spielerinnen der Endrunde noch nicht geboren, als Formiga ihre erste WM spielte. Die Fifa hatte nachgezählt.

Sie ist auch die einzige Spielerin, die alle bisherigen Fußballturniere der Frauen bei Olympia bestritten hat. Die Sommerspiele von Tokio werden ihre siebten sein – und ihre letzten. Das hat sie bereits angekündigt. Auch ihr Vertrag bei PSG läuft in ihrer 27. Profisaison zum Saisonende aus.

Formiga (r.) bejubelte mit Teamkollegin Marta bei der WM 2007 ihr Tor gegen Australien

Formiga (r.) bejubelte mit Teamkollegin Marta bei der WM 2007 ihr Tor gegen Australien

Foto: Paul Gilham / Getty Images

Doch ganz mit dem Fußball aufhören kann Formiga nicht. Wie ihre Nationalmannschaftskollegin Marta setzt sie sich dafür ein, dass den Frauen in Brasilien der gleiche Respekt entgegengebracht wird wie den Männern. »Nur diejenigen von uns, die durch die Hölle gegangen sind, wissen, was wir ertragen mussten, um dorthin zu gelangen, wo wir heute stehen«, sagte sie einmal gegenüber »Goal.com «.

Im März sagte sie gegenüber »ESPN «: »Als nächsten Schritt möchte ich meinen Trainerschein machen. Bis dahin werde ich weiter arbeiten, ob an der Basis oder in einer Mannschaft, um dem Frauenfußball in Brasilien zu helfen«.

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