Champions League der Frauen Lyon gelingt Revanche gegen Potsdam

Die Titelverteidigung ist misslungen: Turbine Potsdam hat das Endspiel der Frauen-Champions-League gegen Olympique Lyon verdient verloren. Dem Deutschen Meister merkte man die schwierige Vorbereitung auf das Finale an.

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Hamburg - Bernd Schröder muss es vorher schon geahnt zu haben. Der Trainer von Turbine Potsdam verbreitete schon Tage vor dem Champions-League-Endspiel gegen Olympique Lyon schlechte Laune und hatte dabei auch vor öffentlicher Kritik an der Bundestrainerin Silvia Neid und seiner scheidenden Starspielerin Fatmire Bajramaj nicht Halt gemacht. Die Stimmung des 68-Jährigen dürfte sich nach Ende des Spiels nicht nachhaltig verbessert haben. Potsdam verlor das Finale in London 0:2 (0:1) und konnte seinen Titel aus dem Vorjahr nicht verteidigen. Den Französinnen gelang dagegen die Revanche für die Endspielniederlage 2010.

Der Unmut Schröders hatte sich vor allem daran festgemacht, dass er im Vorfeld des Finals wochenlang auf seine fünf deutschen Nationalspielerinnen verzichten musste, weil diese sich bei DFB-Lehrgängen auf die Heim-WM vorzubereiten hatten. Eine gezielte Vorbereitung auf Turbines Saison-Höhepunkt, das Endspiel der Königsklasse, war somit kaum möglich gewesen. Die Nationalspielerinnen mit Bajramaj an der Spitze waren durch Neid seit März abgezogen worden, Schröder hatte im Training über Wochen lediglich ein Rumpfteam zur Verfügung - und das merkte man dem Team im traditionsreichen Stadion des FC Fulham, dem Craven Cottage, deutlich an.

Die Potsdamerinnen begannen zwar engagiert, aber schon nach zehn Minuten übernahmen die Spielerinnen aus Lyon die Initiative und dominierten fortan das Spiel. Turbine-Torfrau Anna Felicitas Sarholz stand mehrfach im Mittelpunkt des Geschehens. Die 18-Jährige, die im Vorjahr im Elfmeterschießen zwei Versuche der Französinnen zunichte machte und so zum Sieg erheblich beitrug, wirkte diesmal unsicher. Mehrfach unterlief sie hohe Bälle und ermöglichte den Französinnen dadurch gute Torgelegenheiten.

Potsdam mit dem 0:1 zur Pause gut bedient

Wendie Renard nutzte eine solche Szene in der 27. Minute zur Führung. Nach einer Ecke von Lyon verloren Sarholz und ihre Vorderleute den Überblick. Erst durfte sich die schwedische Nationalspielerin Lotta Schellin versuchen, Sarholz wehrte ab, den Nachschuss verwandelte Renard.

Mit dem 1:0 war Potsdam zur Pause noch gut bedient. Schellin und Sturmkollegin Thomis verpassten es teilweise freistehend vor Sarholz, das Resultat zu erhöhen. Turbine hatte dem wenig entgegenzusetzen. Die verletzte japanische Nationalspielerin Yuki Nagasato, die kurz vor dem Anpfiff ihr Mitwirken absagen musste, fehlte in der Offensive an allen Ecken und Enden. Bajaramaj war in ihrem letzten Spiel für Turbine zwar bemüht - aber das bedeutet ja gewöhnlich das Gegenteil von gut. Die deutschen Spielerinnen wirkten in ihren Angriffsbemühungen bieder.

Uefa-Präsident Michel Platini, DFB-Boss Theo Zwanziger und die übrigen 14.000 Zuschauer sahen in der zweiten Hälfte ein verändertes Bild. Turbine war engagierter, drängte auf den Ausgleich. Nach gut einer Stunde hätte es auch so weit sein müssen. Aber erst verpassten Isabel Kerschowski (62.), danach Anja Mittag (65.) freistehend vor dem französischen Tor den Abschluss. Zwei hundertzwanzigprozentige Chancen - beides Mal verstolperten die Potsdamer Angreiferinnen.

Es waren die Schlüsselszenen dieses Finals. Lyon rettete die Führung in die Schlussphase, schloss in der 85. Minute einen Konter über die Schweizerin Lara Dickenmann erfolgreich ab und durfte anschließend den Cup in den englischen Abendhimmel recken.

"Wir müssen uns nicht wundern, zu verlieren, wenn man so hundertprozentige Chancen nicht reinmacht", sagte Bajramaj nach dem Spiel: "Es ist einfach nur traurig." Auch Schröder wusste genau, warum Olympique am Ende als Sieger vom Platz gegangen war: "Lyon hat seine Chancen genutzt, das war der entscheidende Unterschied. Man muss anerkennen, dass Lyon heute um ein oder zwei Tore besser war."

Für die Französinnen war dieser Abend ein gutes Omen für die kommende Weltmeisterschaft Dann treffen die zahlreichen Nationalspielerinnen von Olympique wieder auf einige ihrer Potsdamer Kontrahentinnen. Deutschland und Frankreich sind Gruppengegnerinnen und spielen am 5. Juli in Mönchengladbach gegeneinander.

Turbine darf es im kommenden Jahr als amtierender Deutscher Meister wieder in der Champions League probieren - dann wird das Endspiel in Deutschland sein. Und Bernd Schröder will als dann fast 70-Jähriger natürlich wieder dabei sein - dann auch mit all seinen Nationalspielerinnen in der Vorbereitung.

Olympique Lyon - 1. FFC Turbine Potsdam 2:0 (1:0)
Tore:
1:0 Renard (27.)
2:0 Dickenmann (85.)
Lyon: Bouhaddi - Renard, Georges, Viguier, Bompastor - Henry, Cruz Trana, Necib (55. Dickenmann) - Abily, Thomis (72. Sommer) - Schelin
Potsdam: Sarholz - Wesely, Peter, Henning - Zietz - Schmidt, Odebrecht, Kemme - Kerschowski, Bajramaj, Mittag
Schiedsrichterin: Damkova (Tschechien)
Gelbe Karte: Abily



insgesamt 12 Beiträge
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Christian W., 26.05.2011
1. Titel?
Wow, 10.000 Zuschauer bei einem CL-Finale. Ein richtiger Frauenfussballboom macht sich bemerkbar. Und das Spiel war auch auf einem richtig hohen Niveau, so wie man es sich von den 2 besten Teams Europas halt vorstellt.
seduro34 27.05.2011
2. Verloren
Glückwunsch an die Französinnen, die wirklich verdient gewonnen haben. Die schwierige Vorbereitung war Turbine Potsdam anzumerken und in der Spitze hat eine echte Stürmerin gefehlt - oder ein konsequenter Abschluß. Allerdings war die Gangart der Französinnen teilweise so hart, das hätte gepfiffen werden müssen. So wurde Turbine-Verteidigerin Peter an der Seitenlinie fast verprügelt, ohne das das gepfiffen wurde. Nicht schön, bei den Männern wird sowas gleich im Keim erstickt. Mehr Spiel und weniger Fouls hätten dem Spiel auch gut getan. Respekt vor der Leistung von Turbine Potsdam, die in der 2. Halbzeit nochmal richtig zugelegt haben. Von einer Bundesliegamannschaft bekommt man so etwas nicht oft zu sehen.
Evoken 27.05.2011
3. Oh je oh je
Ich muss mal wieder ehrlich gestehen - das Spiel war als Fußballspiel grausig. Und wenn dann noch ein Feldspieler die Aufgaben des Towarts übernimmt, falle ich doch wirklich ohnmächtig auf die Fernbedienung, die unweigerlich den Sender wechselt. Umso spannender war unsere beliebteste Frau Deutschlands danach - nein nicht Frau Illner. Die war diesmal in Höchstform und brachte Frau Schwarzer an den Rand der Verzweiflung. So etwas gehört auf den Platz und kein Torwartabschlag von einer Feldspielerin.
norfair 27.05.2011
4. UNfähige Führer
Die absolute Alleinschuld liegt bei Neid. Wie auch bei den Männern bezahlen zwar die Vereine die Gehälter, aber unfähige Bundestrainer verschwenden die Ressourcen an Kraft und Zeit. Ich würde Neide verklagen und persönlich für die finaziellen Verluste haftbar machen -- zumindest der DFB muss endlich mal in Haftung genommen werden.
Locutus 27.05.2011
5.
Bin ich der einzige der gestern doch einen deutlichen Unterschied zwischen Bajramaj und den restlichen Turbine Spielerinnen gesehen hat? Sicherlich hatte sie keinen guten Tag, aber ihre Pässe waren deutlich genauer und schärfer gespielt als die, der Mitspielerinnen.
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