Arsenal-Star Aaron Ramsey Wengers Wunschkind

Mesut Özil mag der neue Star des BVB-Gegners FC Arsenal sein, genauso wichtig aber ist Aaron Ramsey. Der 22-Jährige verkörpert die Ideale seines Trainer Arsène Wenger. Nach einem Horror-Unfall spielt er nun die Saison seines Lebens.

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Arsène Wenger kann selbst in freudigen Momenten schauen, als habe man ihm gerade seinen Lieblingsspieler weggekauft. Man mag sich vorstellen, wie der Trainer des FC Arsenal geguckt haben muss, als er in diesem Sommer für Mesut Özil rund 50 Millionen Euro bezahlte. Denn viel lieber als für Stars gibt Wenger das Geld für sein Hobby aus: junge Spieler, die er nach seinen Vorstellungen formen kann.

Bei den Talenten sind die Ablösesummen noch nicht so gewaltig, manchmal kommen aber Sonderkosten hinzu. Im Fall von Aaron Ramsey war das ein Privatjet.

Der Waliser ist eine zentrale Figur des neuen Erfolgs der Londoner, am Abend (20.45 Uhr im ZDF, Liveticker SPIEGEL ONLINE) will er mit seinem Team gegen Borussia Dortmund Revanche für die Heimpleite im Hinspiel vor zwei Wochen (1:2).

Geboren im Städtchen Caerphilly, hatte sich der schlaksige Junge zu einem der größten Talente des Landes entwickelt. Mit 14 Jahren spielte er schon für die U-17-Auswahl, mit 16 Jahren für die Profimannschaft von Cardiff City in der zweiten englischen Liga. "Er kann im Fußball alles erreichen, was er will. Ramsey wird ein Star bei Arsenal", schwärmte sein damaliger U-21-Trainer Brian Flynn.

"Ich war überwältigt"

Die Londoner hatten das Wett-Bieten um Ramsey gewonnen, bei dem Manchester United und der FC Everton ebenfalls lange durchgehalten hatten. Als es nur noch darum zu gehen schien, die Schmerzgrenze für einen 17-Jährigen noch über die fünf Millionen Pfund (rund sechs Millionen Euro) zu verschieben, gab Wenger seinem Verein eine Anweisung: Man solle Ramsey und seine Eltern in einen gecharterten Flieger setzen und zu ihm in die Schweiz bringen, wo der Trainer als TV-Experte während der Europameisterschaft 2008 im Einsatz war.

Wenger hatte das Potential erkannt, das Ramsey zum wohl besten zentralen Mittelfeldspieler der Premier League macht. Er ist mitverantwortlich dafür, dass die "Gunners" Tabellenführer sind. Er ist technisch überragend, sehr spielintelligent und wissbegierig, zudem ein verbissener Kämpfer mit enormem Laufpensum. Ein Alleskönner.

"Ich war überwältigt", erinnert sich Ramsey an diesen Moment im Sommer 2008: "Ich wusste ja, wie viele Talente Wenger schon groß herausgebracht hatte. Es war eine schwierige Entscheidung, aber ich bereue absolut nichts." Er merkte damals, dass beim FC Arsenal einer der besten Trainer der Gegenwart mit ihm plante, oder besser gesagt: um ihn herum.

Shawcross brach in Tränen aus

Wenger wollte Ramsey, der ihn an einen "offensiven Roy Keane" erinnerte, für das zentrale Mittelfeld, das er damals Cesc Fàbregas anvertraut hatte. Im ersten Jahr kam der Neue auf neun Liga-Einsätze, ein Jahr darauf auf 18. Es wären noch mehr geworden, doch am 28. Spieltag wurde Ramseys Saison beendet. Er hatte Glück, dass seiner Karriere nicht das gleiche Schicksal beschieden war.

Gut eine Stunde war gespielt am 27. Februar 2010 beim FC Stoke, Spielstand 1:1. Was dann folgte, beschrieb Wenger als "fürchterlich", "irrwitzig" und "unakzeptabel". Stokes Ryan Shawcross hatte Ramsey bei einem Tackling derart getroffen, dass dessen Schien- und Wadenbein im rechten Unterschenkel brachen. Shawcross sah die Rote Karte und schleppte sich weinend vom Platz, nachdem er die Folgen seines Fouls gesehen hatte. Jedem, der nun im Internet nach Videos dieser Szene suchen will, sei geraten: lieber nicht.

Ramsey musste in der Fußballprovinz Spielpraxis sammeln

Ramsey hatte Glück, er konnte nach neun Monaten wieder Profifußball spielen - allerdings nicht bei Arsenal. Um Spielpraxis zu sammeln, wurde er für zwei Monate in die zweite Liga nach Nottingham ausgeliehen, danach an seinen Heimatclub Cardiff City.

Obwohl Arsenal mit Özil seit dem Sommer einen weiteren Weltklasse-Ballverteiler hat, spielt Ramsey die Saison seines Lebens. Musste er früher auch auf den Außenpositionen aushelfen, setzt ihn Wenger nun nur noch im zentralen Mittelfeld ein. Insgesamt zehn Tore hat er schon geschossen, sechs davon in der Liga und eines in der Champions League gegen Olympique Marseille. Dabei galt er früher als notorisch torungefährlich (elf Tore in fünf Jahren).

"Er ist ein anderer Spieler als noch vor einem Jahr", sagt Wenger: "Er hat hart an sich gearbeitet und hat sich dramatisch verbessert. Er spielt absolut phantastisch." Ramsey ist selbst überrascht, wie treffsicher er derzeit ist. "Ich war schon immer gut darin, mich in gute Schusspositionen zu bringen", sagte er dem "Mirror", "aber jetzt habe ich auch die nötige Ruhe vor dem Tor. Im Moment fügt sich einfach alles zusammen."

Manchmal macht Ramsey allerdings noch leichtsinnige Fehler, wie im Hinspiel gegen Dortmund, als er bei einem Dribbling am eigenen Strafraum den Ball verlor und das erste Gegentor einleitete. Solche Fehler kann Wenger nicht leiden, aber er weiß, dass sie bei so jungen Spielern vorkommen können. Die Kosten für den Privatjet waren allemal gut investiert.



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