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Dortmunds Sieg gegen Galatasaray Knallköpfe und Stolpertore

Borussia Dortmund hat durch einen klaren Sieg gegen Galatasaray den Einzug ins Achtelfinale der Champions League geschafft. Die Gästefans fielen mit Böllerwürfen negativ auf, am Ende gab es kuriose Treffer. Alles Wichtige zum Spiel.

Die Ausgangslage: Wenn das Flutlicht brennt und die Hymne der Champions League läuft, nimmt sich die Krise von Borussia Dortmund eine Auszeit. In der Bundesliga gelang der bisher letzte Sieg... - ja, wann eigentlich? Im Europapokal lautete die Bilanz nach drei Spielen: neun Punkte, neun zu null Tore. Die Chancen standen gut, im Heimspiel gegen Galatasaray vorzeitig den Einzugs ins Achtelfinale zu sichern.

Ergebnis: Der BVB gewann verdient 4:1 (1:0) durch Tore von Marco Reus (39. Minute), Sokratis (56.), Ciro Immobile (74.) und ein Eigentor von Semih Kaya (86.). Für die Gäste aus Istanbul traf Hakan Balta (70.). Damit stehen die Dortmunder schon vor den verbleibenden Gruppenspielen gegen Arsenal und Anderlecht als Achtelfinal-Teilnehmer fest und gewann noch deutlicher als - ach so! - beim bislang letzten Bundesliga-Sieg der Dortmunder, dem 3:1 gegen den SC Freiburg am dritten Spieltag.

Die erste Hälfte: Dortmund ging früh in Führung. Schon nach drei Minuten stand es 3:0 - allerdings in der Ecken-Statistik. Zu Torchancen kam der BVB erstmal nicht, weil sich Galatasaray am eigenen Strafraum verbarrikadierte. Die Dortmunder hatten deutlich mehr Ballbesitz, und wie in der Liga gegen Mannschaften wie dem 1. FC Köln und Hannover 96 behagte ihnen das nicht. In der 25. Minute wurden sie zum ersten Mal gefährlich: Sokratis köpfte den Ball nach einer Reus-Ecke an die Latte. In der 33. Minute berührte Shinji Kagawas Außenristschuss das Außennetz. Das 1:0 durch Reus war die verdiente Entschädigung für den Aufwand des BVB, wobei das Tor wohl nicht einwandfrei war. Siehe nächster Punkt.

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Dortmund besiegt Galatasaray: Hoher Aufwand, klarer Sieg

Foto: Dean Mouhtaropoulos/ Bongarts/Getty Images

Haaresbreite des Spiels: Das intensive Zeitlupen-Studium erhärtete den Verdacht, dass Reus vor seinem Treffer im Abseits stand. Zwar leicht nur, eine Fuß-, ach was, eine Haaresbreite. Aber eben im Abseits. Den Dortmundern sind solche Zweifel im Moment egal. Tor ist Tor.

Uwe-Seeler-Moment des Spiels: Die Kopfball-Chance von Sokratis erinnerte an den ehemaligen Nationalstürmer, der zu jener Zeit, als er sich noch nicht permanent um seinen Hamburger SV sorgte, ein ungewöhnliches Tor erzielte: Im Viertelfinale der WM 1970 gegen England traf er mit dem Hinterkopf. 44 Jahre danach versuchte auch Sokratis, so zum Erfolg zu kommen. Fast erfolgreich. Mit dem Fuß hatte er später mehr Glück.

Galatasaray-Fan, BVB-Spieler Gündogan: Ruhig vom Rasen geführt

Galatasaray-Fan, BVB-Spieler Gündogan: Ruhig vom Rasen geführt

Foto: Martin Rose/ Bongarts/Getty Images

Knallköpfe des Spiels: Von Beginn an donnerte es immer wieder im und um den Gästeblock. Die Galatasaray-Fans hatten eine beachtliche Menge Knallkörper ins Stadion geschmuggelt. Kurz nach der Pause flogen Böller auf den Rasen, Schiedsrichter Pavel Kralovec rief die Mannschaften zusammen. Ein Spielabbruch schien möglich. Felipe Melo und Selcuk Inan redeten auf die Fans ein und brachten sie vorerst zur Besinnung. In der Schlussphase krachte es dann wieder in kurzen Abständen, sogar eine brennende Fackel flog aus dem Gästeblock auf Haupttribüne. Nach dem Spiel tauchte ein Galatasaray-Fan auf dem Rasen auf. Ilkay Gündogan führte ihn ruhig von der Spielfläche.

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Die zweite Hälfte: Das Spiel lief nach der ersten Böllerpause erst wenige Sekunden, als Sokratis die vermeintliche Vorentscheidung besorgte. Nach einer Ecke traf er aus dem Getümmel heraus per eingesprungener Grätsche zum 2:0. Allerdings wurde es noch einmal spannend, weil es nach 70 Minuten zu einer doppelten Premiere kam: Mit der ersten echten Galatasaray-Chance fügte Hakan Balta dem BVB per Kopf das erste Gegentor der Champions-League-Saison zu. Die Treffer von Immobile und des unglücklichen Semih gestalteten den Dortmunder Sieg deutlich.

Stolpertor des Spiels (I): Immobile ist längst noch kein vollwertiger Ersatz für den zum FC Bayern gewechselten Robert Lewandowski. Aber er verfügt über eine Erstaunliche Beharrlichkeit. Vor seinem Tor grätschte ihm Hamit Altintop elfmeterreif in die Beine, Immobile stolperte, brachte den Ball aber noch im Fallen am herauseilenden Galatasaray-Keeper Fernando Muslera vorbei.

Stolpertor des Spiels (II): Kurz vor dem Ende gab es einen Treffer fürs Kuriositäten-Kabinett. Immobile brachte den Ball scharf von rechts in die Mitte, er prallte Semih an die Hacke und von dort aus ins eigenen Tor. Wer ein Sinnbild für den verkorksten Auftritt der Türken suchte: da war es.

Ausblick: Am Wochenende ist wieder der Krisen-BVB gefragt - und der Gegner wird es den Dortmundern vermutlich weniger einfach machen als Galatasaray. Der noch ungeschlagene Tabellendritte Borussia Mönchengladbach ist zu Gast. Gut für den BVB: Der Sieg in der Champions League sollte Selbstvertrauen geben. Schlecht: Nach den bisherigen Europapokal-Spielen hatte das auch nichts gebracht.

Borussia Dortmund - Galatasaray Istanbul 4:1 (1:0)
1:0 Reus (39.)
2:0 Sokratis (56.)
2:1 Hakan Balta (70.)
3:1 Immobile (74.)
4:1 Semih Kaya (85., Eigentor)
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Sokratis, Durm - Sven Bender (85. Ramos), Kehl - Mchitarjan, Kagawa (63. Gündogan), Reus (71. Immobile) - Aubameyang
Galatasaray: Muslera - Hakan Balta, Chedjou, Semih Kaya, Tarik Camdal - Melo - Altintop (82. Öztekin), Dzemaili, Selcuk Inan - Umut Bulut (85. Burak Yilmaz), Sneijder
Schiedsrichter: Kralovec (Tschechien)
Zuschauer: 65.851 (ausverkauft)
Gelbe Karten: - / Selcuk Inan, Hakan Balta, Dzemaili (3)
Torschüsse: 11:5
Ballbesitz: 54:46 %

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