Bayerns Geisterspiel in Moskau Logenblick aus Etage 18

Für 50 Bayern-Fans war es ein unvergesslicher Abend in Moskau: Nicht wegen des mühsamen 1:0-Arbeitssiegs ihrer Elf bei ZSKA. Sondern weil sie trotz des Zuschauerverbots beste Sicht auf den Platz hatten. Dank eines Hochhauses.
Bester Blick aufs Stadion: Das Hochhaus neben der Moskauer Arena

Bester Blick aufs Stadion: Das Hochhaus neben der Moskauer Arena

Foto: Pavel Golovkin/ AP

Es war der Coup des Champions-League-Abends am Dienstag: Mehr als 50 FCB-Fans aus Deutschland haben die Uefa beim Geisterspiel von ZSKA Moskau gegen den FC Bayern ausgetrickst. Zwar durften aufgrund des Geisterspiel-Urteils des europäischen Fußballverbands keine Münchner Fans ins Stadion. Dadurch dass sie sich aber kurzerhand im 18. Stock des direkt benachbarten Hochhauses der Khimki-Arena einquartierten, hatten sie am Ende geradezu einen Logenblick auf das Spielgeschehen. Und durften über den 1:0-Erfolg der Bayern live und vor Ort jubeln.

Die Aktion war laut einem Mitglied des "Club Nr. 12" bereits "seit längerem geplant" gewesen. Dadurch jedoch, dass das Spiel im Vorfeld zweimal innerhalb Moskaus verlegt wurde, musste dann doch spontan reagiert werden. Erst in der Vorwoche stand fest, dass die Partie in der Khimki-Arena stattfinden sollte, dann musste alles ganz schnell gehen. "Wir haben getan, was wir konnten", so der Club-Nr.12-Aktivist, der nicht namentlich genannt werden möchte.

Die 18. Etage wurde von den mehr als 50 Fans angemietet, die Miete streckte ein einzelner Bayern-Fan zunächst erst einmal für alle vor. Am Ende musste er das Hochhaus-Abenteuer aber nicht bezahlen. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge hat noch am Abend nach dem Spiel angekündigt, dass der Verein die Mietkosten übernehmen wolle. Bayern-Finanzvorstand Jan Dreessen hat die Rechnung daraufhin beglichen.

Rummenigge hatte schon im Vorfeld öffentlich Stimmung gegen das Geisterspiel gemacht und kritisiert, dass dadurch nicht nur die Moskauer Fans für ihre rassistischen Gesänge, sondern genauso die treuen Auswärtsfahrer des FC Bayern bestraft würden. Der Vorstand des FC Bayern wurde dennoch "erst wenige Stunden vor dem Spiel informiert", wie es vom "Club Nr. 12" heißt, erklärte sich aber umgehend bereit, die Aktion finanziell zu unterstützen.

Fotostrecke

Fotostrecke: Ein Tor, null Emotionen

Foto: Peter Kneffel/ dpa

Als die Bayern-Fans dann ihren Panoramablick in Etage 18 bezogen hatten, staunten sie ganz ordentlich, was sie sahen. Und damit war nicht nur die imposante Aussicht über die russische Hauptstadt bei Nacht gemeint. Das Stadion war mitnichten ganz leer, sondern fast 500 Tickets waren an Sponsoren gegangen, die dem Geisterspiel zum Trotz dennoch auf der Tribüne Platz nehmen durften - und ihren Heimklub ZSKA lautstark unterstützten. "Das hat uns dann doch fast die Schuhe ausgezogen, als wir das gesehen haben", so der FCB-Anhänger.

Die Uefa selbst spricht davon, dass lediglich je 75 Mitglieder beider Klubs zugelassen waren. Dass es ganz offensichtlich viel mehr Leute im Stadion gab, werde geprüft.

Trotzdem war es ein Abend, den die Fans aus München so schnell nicht vergessen werden. "Die Sicht im letzten Oberrang von Camp Nou in Barcelona ist sicherlich auch nicht viel besser", so das Fazit. Als den Münchner Anhängern im Hochhaus von freundlichen Russen sogar Weißwürste dargeboten wurden, war das Eis ohnehin gebrochen. Fast zumindest, denn die Würste waren gebraten, und das ist für einen echten Bayern natürlich ein Sakrileg.

Der Dachverband der Fans hatte im Vorfeld bereits die Uefa angeschrieben, um ein Gespräch gebeten und appelliert, die Bayern-Fans zu dem Spiel zuzulassen. Eine Antwort blieb fast selbstverständlich aus. Über den europäischen Dachverband der Football Supporters Europe FSE hieß es nur, die Uefa sehe in Sachen Geisterspiel keinen Gesprächsbedarf.

"Wir hoffen sehr, dass die Angelegenheit für den Verein damit noch nicht erledigt ist", heißt es beim "Club Nummer 12". "Sonst passiert so etwas beim nächsten Mal erneut, und nicht überall ist ein so schönes Hochhaus direkt in der Nähe."