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Barças Sieg gegen Milan Und sie sind doch die Besten

Von Krise war im Vorfeld viel die Rede - der FC Barcelona hat im Achtelfinal-Rückspiel gegen den AC Mailand die passende Antwort gegeben. Die Mannschaft im Spielrausch, Superstar Lionel Messi in Torlaune: Für Abgesänge auf diese Mannschaft ist es viel zu früh.

Der FC Barcelona hätte dieses Spiel niemals gewinnen dürfen. Nie zuvor hat ein Team in der K.o.-Runde der Champions League einen Zwei-Tore-Rückstand ohne ein erzieltes Auswärtstor aufholen können. Nie zuvor hat Lionel Messi gegen italienische Teams aus dem Spiel heraus getroffen. Seit Jahren hat der FC Barcelona keine solche Aufholjagd mehr erfolgreich gestaltet. All das wurde vor dem Achtelfinal-Rückspiel zwischen Barça und dem AC Mailand vorgerechnet.

Wenn dieses Rückspiel, dieses Fest des Fußballs, dieses imponierende 4:0 (2:0) eines gezeigt hat, dann dieses: Da können die Datenameisen des modernen Fußballs noch so viel statistisches Material zusammentragen, wer wann einmal wo wie gewonnen hat. Wenn der FC Barcelona so antritt, wie er es am Dienstagabend tat, wenn er in einen Rausch gerät, wenn die Schönheit des Spiels triumphiert, ist das alles Makulatur. Barça pulverisiert jede Statistik.

"Wir haben ein außergewöhnliches Spiel gezeigt", drückte sich Mittelfeldregisseur Xavi anschließend noch zurückhaltend aus. Außergewöhnlich - das ist als Adjektiv durchaus eine Untertreibung für diesen fast 90 Minuten währenden Offensivfuror, den das Team in Richtung Milan-Tor ausübte. Krise? Was für eine Krise?

"Messi hat allen eine Lektion erteilt"

"Das frühe Tor hat uns sicher geholfen, aber wir wollten diesen Sieg auch von der ersten Minute an", resümierte Stürmer David Villa, der mit seinem Treffer zum 3:0 in der 55. Minute das Viertelfinaltor weit aufstieß. Zuvor hatte bereits, na klar, wer sonst, Lionel Messi mit zwei Treffern (5./39.) den Hinspielrückstand egalisiert. "Jedem, der an Messi gezweifelt hat, hat er heute eine Lektion gegegeben, wie man Fußball spielt", sagte Interimscoach Jordi Roura, der den an Krebs erkrankten Tito Vilanova seit Wochen zu ersetzen hat.

Auf engstem Raum und gegen die gesammelte Milan-Abwehr setzte sich der argentinische Weltfußballer bei beiden Treffern durch und fand dennoch genug Muße, den finalen Schuss perfekt anzusetzen. "Er ist einfach etwas ganz Besonderes", sagte Roura und sprach damit das ultimative Urteil über den besten Fußballer der Welt. Es waren die Champions-League-Tore 57 und 58 für den Argentinier. Nur Real-Ikone Raúl liegt mit 71 jetzt noch vor dem 25-Jährigen. 53 Pflichtspieltore hat er jetzt in dieser Spielzeit gemacht. Und es ist erst März.

Am Ende schweigen alle Kritiker beschämt

Drei wichtige Partien hatte der FC Barcelona in den vergangenen Wochen verloren, das Hinspiel in Mailand und zweimal in Pokal und Meisterschaft gegen den ewigen Rivalen Real Madrid. Anlass für die branchenüblichen frühen Abgesänge, mit denen Barça seit Jahren immer wieder mal bedacht wird. Bis dann so ein Spiel wie gegen Mailand kommt und alle Kritiker beschämt schweigen.

Man fühlte sich doch sehr an die vergangene Europameisterschaft erinnert, als Barcelonas Pendant, die spanische Nationalmannschaft, ähnliches erfuhr. Diese EM sei der Anfang vom Ende der spanischen Dominanz. So hieß es vor dem Endspiel. Und wieder waren es Italiener, die es beim anschließenden 0:4 von Kiew auszubaden hatten.

Milan, an sich ein Team mit dem Abwehr-Gen, wie geschaffen, einen Vorsprung mit italienischer Cleverness über die Zeit zu bringen, wirkte im Stadion Camp Nou überfordert. Es gab lediglich einen Augenblick, wo das Team die Partie hätte zu seinen Gunsten kippen können, als der junge Franzose M`Baye Niang beim Stand von 0:1 einen Konter nur an den Pfosten setzte. Doch dieses Momentum strich ungenutzt vorbei, und nahezu im Gegenzug machte Messi sein zweites Tor.

"Barcelona ist immer noch die beste Mannschaft auf der Welt", sprach der auch in der Niederlage Grandezza und Größe bewahrende Milan-Coach Massimiliano Allegri nach der Partie. Wer möchte einem so anerkannten Fachmann widersprechen?

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