Bayern-Gala gegen Pilsen Das Elfmeter-Luxusproblem

Der FC Bayern zeigt gegen Viktoria Pilsen eine herausragende Leistung. Fünf Treffer erzielten die Münchner, 18:0 lautete das Torschussverhältnis - die Tschechen waren völlig chancenlos. Den Rekordmeister umtreibt nur ein Problem: Wer soll als Müller-Vertreter bloß die Elfmeter schießen?
Von Christoph Leischwitz
Bayern-Gala gegen Pilsen: Das Elfmeter-Luxusproblem

Bayern-Gala gegen Pilsen: Das Elfmeter-Luxusproblem

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Arjen Robben winkte ab - keine Interviews. Der niederländische Flügelspieler des FC Bayern wirkte genervt, als er nach dem 5:0-Sieg der Münchner in der Champions League gegen Viktoria Pilsen die Arena verließ. Trotz des ungefährdeten Erfolgs gegen komplett überforderte Tschechen gab es am späten Abend noch Irritationen.

Franck Ribéry hatte in der 25. Minute einen Foulelfmeter zum 1:0 verwandelt, Robben war gefoult worden. Bayerns Trainer Pep Guardiola hatte vor der Ausführung "Arjen, Arjen" gerufen - er wollte also jenen Spieler antreten lassen, dem er beim 4:1 gegen Mainz 05 den Elfmeter noch verwehrt hatte. Weil Robben aber Ribéry den Vortritt ließ, mussten sich Spieler und Trainer nach der Partie mehr Fragen zu dieser Szene gefallen lassen, als zum restlichen Spiel.

War hier etwa der Chef am Seitenrand ignoriert worden? Bestimmen die Spieler die Hackordnung selbst? David Alaba, ein sehr sicherer Elfmeterschütze, hatte bei der Entscheidung, wer schießen soll, übrigens nur schüchtern im Halbkreis vor dem Sechzehner gestanden und zog sich dann ohne Diskussion zurück.

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Eigentlich ist Thomas Müller für Strafstöße vorgesehen. Momentan scheint noch nicht geklärt, wer schießen darf, wenn Müller mal auf der Bank sitzt, wie gegen Pilsen. Umgekehrt gab es einen Tag in der jüngeren Geschichte des FC Bayern, das Champions-League-Finale im eigenen Stadion im Mai 2012, an dem sich Spieler beim Elfmeterschießen am liebsten drücken wollten. Wenn jetzt eine fehlende Rangordnung für Schüsse vom Punkt die größte Sorge des FC Bayern ist - welche Sorgen machen sich dann bloß die kommenden Gegner?

Komplett überzeugt von Bayerns Übermacht im europäischen Fußball ist zumindest schon Pilsens Trainer Pavel Vrba. Seine Mannschaft musste vor zwei Jahren in der Champions League gegen den FC Barcelona spielen, verlor 0:2 und 0:4. Diesmal, so Vrba, sei das noch imposanter gewesen als damals gegen die Spanier: "Bayern hat heute eine riesige Kraft entwickelt, die ich so noch nicht erlebt habe", sagte er. Man sei ja nicht einmal richtig in die Hälfte des Gegners gekommen. 0:18 Torschüsse belegen das.

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Der Sieg gegen Pilsen belegte zweierlei: Dass die Bayern im europäischen Wettbewerb ihre Aufgabe auch gegen Außenseiter ernst nehmen, wenngleich der Sieg noch deutlich höher hätte ausfallen müssen. Und zweitens, dass die Mannschaft ohne jeglichen Qualitätsverlust spielen kann, auch wenn mehrere sehr gute Spieler verletzt fehlen, geschont oder ausgewechselt werden. "Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass eine gute Mannschaft aus elf Spielern besteht. Sie besteht aus 20, 21 guten Spielern", sagte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge.

So spielten Daniel Van Buyten und Diego Contento für den gesperrten Jérôme Boateng und den verletzten Dante in der Innenverteidigung. Freilich bekamen sie nicht viel zu tun, doch Guardiola lobte gerade Contento ausdrücklich, er sagte sogar: "Perfekt." Und auf der linken Seite brillierte einmal mehr Ribéry, der nicht nur dank seines sehenswerten Lupfers zum 3:0 (61.) bei seiner Auswechslung gefeiert wurde.

Für zwei der besten Fußballer weltweit, Franck Ribéry und Philipp Lahm, kamen beim Stand von 3:0 Thomas Müller, WM-Torschützenkönig 2010, und Mario Götze, der teuerste Spieler der Bundesliga-Geschichte. Viktoria Pilsen konnte einem leidtun.

Vor allem Götze gab dem Angriffsspiel zusätzliche Präzision. Nur eine knappe Minute nach seiner Einwechslung legte er das 4:0 für Bastian Schweinsteiger auf (64.). Dort, wo die Bayern zuvor noch am ehesten Schwächen gezeigt hatten, mit ungenauen Hereingaben von den Flügeln, setzte Götze an. Der 21-Jährige fand immer wieder erfolgreich Schnittstellen und krönte seine 27 Einsatzminuten mit dem 5:0 in der Nachspielzeit.

Am Ende waren es ausgerechnet Götze und Robben, die in der Mixed-Zone nicht für Gespräche zur Verfügung standen. Müller sagte auch nur einen Satz: "Es ist doch nichts Wichtiges passiert heute", und zog von dannen. Die künftigen Gegner der Bayern sollten sich Gedanken machen, was es bedeutet, wenn ein 5:0 zur Randnotiz verkommt.