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Sieg bei Manchester City Lehrstunde der Super-Super-Bayern

Der FC Bayern hat Manchester City an die Wand gespielt und präsentiert sich in beeindruckender Form. Vor allem das von Trainer Pep Guardiola geliebte Kurzpassspiel klappt mittlerweile überragend. Abheben werden die Münchner aber kaum, dafür leisteten sie sich zwei dicke Patzer.
Von Sebastian Winter

Als hätten sie es geahnt. Dutzende Bayern-Fans tanzten und sangen sich schon am Mittwochnachmittag im Herzen Manchesters warm. Auf dem Platz "Piccadilly Gardens" hatten sie am Denkmal der Queen Victoria noch einen Aufkleber an ihre steinerne Robe geheftet. "Fußball, Party, Alkohol" stand darauf, und "Roter Sturm Hessen", der Name des Fanclubs. Roter Sturm, das klingt martialisch, ist aber keine schlechte Beschreibung für den außergewöhnlichen 3:1-Erfolg der Bayern gegen Manchester City.

Ein Ergebnis, das zu knapp ausfiel, um die erdrückende Dominanz der Gäste wiedergeben zu können. Zumal in einem Spiel, das als schwierigste Aufgabe für den deutschen Meister in seiner Champions-League-Gruppe angesehen worden war.

Es war das Duell zweier Mannschaften, die gespickt sind mit Ausnahmekönnern: Nasri, Dzeko, Agüero und Touré gegen Bayerns Robben, Ribéry, Schweinsteiger und Müller. Doch dann sind die Münchner einfach wie ein Orkan über Manchester hinweggefegt mit ihren schnellen, immer wieder auf das City-Tor zurollenden Ballstafetten und dem fast makellosen Kurzpassspiel.

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Bayern in der Einzelkritik: Unruhestifter Müller, unglücklicher Boateng

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"Das war fast ein perfektes Spiel", schwärmte Bayern-Torwart Manuel Neuer nach dem Schlusspfiff. Selbst Uli Hoeneß, der zurzeit wegen seiner Steueraffäre so wortkarge Präsident des FC Bayern, sagte: "Wie unsere Mannschaft hier aufgetreten ist, vor fremdem Publikum, das war unglaublich. Ich habe einen Fußball gesehen, wie ich ihn fast noch nie in meinem Leben gesehen habe." Den englischen Journalisten erklärte Hoeneß dann noch den Unterschied der Bayern dieser zu denen vergangener Saison: "Wir hatten ein Superteam, jetzt haben wir ein Super-Super-Team. Und den Unterschied macht Pep Guardiola."

Tatsächlich spielten die Bayern 75 Spielminuten lang Fußball, wie ihn sich Guardiola nur wünschen kann. 66 Prozent Ballbesitz in der ersten Halbzeit, 85 Prozent der Pässe kamen in diesen 45 Minuten an. Die Werte wurden in der zweiten Hälfte des Spiels etwas schwächer, waren aber noch immer beeindruckend. Das Spiel wirkte zuweilen so einseitig, als würde Guardiola Überzahlvarianten im Training üben lassen. "Wie viele Ballstafetten hier gelaufen sind, das habe ich bei zwei Mannschaften auf Augenhöhe noch nie gesehen. Es wäre schizophren gewesen, wenn wir es nicht gewonnen hätten", sagte Hoeneß.

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ManCity vs. Bayern München: Münchner Orkan über Manchester

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Der eigene Ballbesitz und die schnelle Rückeroberung verlorener Bälle sind zwei von Guardiolas Grundprinzipien. Dazu das in die Vertikale strebende Kurzpassspiel, verbunden mit möglichst vielen Positionswechseln. Gegen Manchester hat man zum ersten Mal gesehen, wie diese taktischen Prinzipien in naher Perfektion auszusehen haben. In dieser Verfassung müssen die europäischen Top-Clubs den FC Bayern fürchten.

Doch ist diese Lehrstunde für Manchester tatsächlich als Blaupause zu sehen für den weiteren Verlauf der Champions League? Und als Standortbestimmung nach etwas mehr als hundert Tagen Guardiola? Eher nicht. Auch weil ManCity zu schwach war, um die Bayern wirklich zu fordern. Die Spieler standen viel zu weit weg von den Münchnern. Ihr Konzept, nicht drauflos zu stürmen, war mit Ribérys frühem Treffer hinfällig.

So bekamen die Bayern genau jenen zu Offensivzwang verpflichteten Gegner serviert, den sie sich immer wünschen. Und auf den sie in der Bundesliga, wo sich fast alle Mannschaften gegen sie zurückziehen, fast nie treffen. "Man muss auch ehrlich sein: Ich hätte etwas mehr erwartet von City. Sie haben uns manchmal zu viel Raum gelassen", sagte der zum Spieler des Tages gekürte Arjen Robben fast enttäuscht.

Zu einer perfekten Leistung gehört es auch, bis zum Ende die Konzentration zu bewahren. Den Bayern ist das missglückt. Vielleicht auch, weil sie ihr lange Zeit so hohes Tempo drosseln mussten. Jedenfalls verloren sie in der Schlussviertelstunde den Faden, ließen Großchancen zu und fingen sich das 3:1.

"Erstens wollten wir zu null spielen, was uns nicht gelungen ist. Zweitens gab es noch diese blöde Rote Karte, die nicht sein muss", sagte Jérôme Boateng, der wegen des Platzverweises nun vorerst gesperrt ist, "Vollendung gibt es nicht bei uns." Es sind Worte, die wie ein Versprechen klingen, es beim nächsten Mal noch besser zu machen.

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