Bayern vor Rom-Spiel Endlich ein Gegner

Erst harte Arbeit, dann die große Ehre mit dem Besuch bei Papst Franziskus: Das Champions-League-Spiel beim AS Rom könnte nach lockeren Liga-Tagen ein echter Prüfstein für den FC Bayern werden.
Bayerns Trainer Guardiola: "Schritt Richtung Achtelfinale machen"

Bayerns Trainer Guardiola: "Schritt Richtung Achtelfinale machen"

Foto: Alexander Hassenstein/ Bongarts/Getty Images

Noch bevor der Mannschaftsbus zu sehen war, kündigten die Trillerpfeifen der Carabinieri die Ankunft des FC Bayern lautstark an. Vor dem noblen Hotel Parco dei Principi nahe der Villa Borghese hatten sich ein paar Dutzend italienische Fußballfans eingefunden, um die deutschen Besucher in Empfang zu nehmen - speziell einen von ihnen: Medhi Benatia. Der 27-Jährige war im Sommer vom AS Rom nach München gewechselt, was den Roma-Anhängern offenbar noch immer nicht passt. Während Xabi Alonso, Franck Ribéry und Manuel Neuer um Autogramme und Erinnerungsfotos gebeten wurden, begleiteten sie Benatia mit Buhrufen ins Hotel.

Knapp zwei Stunden später hatte er die aber vermutlich schon wieder vergessen, in der Hotellobby traf sich der Verteidiger zum entspannten Plausch mit ein paar römischen Bekannten. Überhaupt hatte man einen Tag vor der Champions-League-Partie der Bayern in Rom (Dienstag, 20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) das Gefühl, dass es sehr freundschaftlich zugeht zwischen den beiden Kontrahenten und man sich aufeinander freut.

Bayerns Thomas Müller sprach sogar davon, dass er froh sei, "mal wieder gegen eine Mannschaft zu spielen, die nicht mit elf Mann am eigenen Strafraum steht". Es sei "schon ein bisschen mühsam" gewesen in den vergangenen Wochen, vor allem als Offensivspieler. Müller spielte auf die - einmal mehr- augenscheinliche Überlegenheit der Münchner in der Bundesliga an. Dort gewann der FC Bayern zuletzt vier Spiele in Folge, mit 16:0 Treffern und mittlerweile 13 Punkten Vorsprung auf den vermeintlichen Verfolger Borussia Dortmund. Torwart Manuel Neuer ist seit 748 Pflichtspielminuten ungeschlagen.

kicker.tv

Ob es nicht zu einfach wäre, in der Bundesliga zu gewinnen und der FC Bayern damit einen Nachteil im internationalen Wettbewerb habe, wollte ein italienischer Journalist von Trainer Josep Guardiola wissen. In perfektem Italienisch (Guardiola hat als Profi selbst zwei Jahre in der Serie A gespielt, darunter ein Jahr beim AS Rom) antwortete der Katalane: "Nein, es ist erst Oktober und wir machen kontinuierliche Fortschritte. Wir sind schon besser als im vergangenen Jahr um diese Zeit, aber wir haben noch nicht unser Top-Level erreicht." Auch deshalb sei er froh über das Duell mit Rom, das eine Herausforderung für seine Spieler sei. Doch: "Es ist nicht so einfach, in der Bundesliga zu gewinnen und Meister zu werden."

Wirklich überzeugen ließ sich die italienische Presse davon aber nicht, ein anderer Journalist führte noch einmal das 6:0 vom vergangenen Wochenende gegen Werder Bremen an. "Ich möchte, dass ihr alle nach Deutschland kommt und euch davon überzeugt, dass es nicht leicht ist", sagte Guardiola, "ich kenne den deutschen Fußball besser als ihr, weil ich in Deutschland arbeite. Glaubt mir."

"Wir haben eine gute Ausgangsposition"

Auch in italienischer Sprache wählte Guardiola damit die gleichen, zurückhaltenden Worte wie Woche für Woche auf den Bundesliga-Pressekonferenzen. Das Halbfinal-Aus in der Champions League in der vergangenen Saison hat ihn vorsichtig werden lassen. Damals hatte der FC Bayern den deutschen Fußball dominiert und war so früh Meister geworden wie nie zuvor; dann kamen die Verletzung von Thiago Alcantára, die schlechte Verfassung Franck Ribéry und mit Real Madrid ein Gegner, wie ihn die Münchner in den Monaten zuvor noch nicht erlebt hatten.

Guardiola hatte damals die Saison bereits Ende März für beendet erklärt, er weiß mittlerweile, dass das ein Fehler war. Die Anspannung war einer merkwürdigen Lethargie gewichen. "Wir haben eine gute Ausgangsposition mit sechs Punkten, aber ich habe schon vor dem Spiel gegen Manchester City gesagt, dass diese Gruppe erst am letzten Spieltag entschieden wird", sagte er. "Doch wir haben morgen eine große Chance, einen Schritt Richtung Achtelfinale zu machen."

Tatsächlich erwartet die Bayern mit Rom der vielleicht schwierigste Gruppengegner, mit vier Punkten ist der Klub den Münchnern dicht auf den Fersen. Die neue Stärke der Italiener sei ein Verdienst von Trainer Rudi Garcia, sagte Guardiola: "Das Geheimnis ist der systematische Spielaufbau von hinten, dann kommen technische Mittelfeldspieler, die das Spiel weiterführen. Hier sieht man, dass der italienische Fußball eine Entwicklung durchgemacht hat." Auch Arjen Robben gab zu, überrascht vom Spiel der Roma zu sein, weil es so "untypisch italienisch" sei. "Es klingt blöd nach einem 6:0", sagte der Niederländer, "aber wir müssen noch besser werden. Rom kann auch Tore schießen".

Vor der Privataudienz bei Papst Franziskus am Mittwoch liegt noch ein hartes Stück Arbeit vor den Münchnern.

AS Rom - Bayern München (Dienstag, 20.45 Uhr)
Voraussichtliche Aufstellungen
AS Rom: de Sanctis - Maicon, Manolas, Yanga-Mbiwa, Cole - Pjanic, de Rossi, Nainggolan - Florenzi, Totti, Gervinho
Bayern München: Neuer - Rafinha, Boateng, Dante, Alaba - Lahm, Xabi Alonso - Robben, Müller, Götze - Lewandowski
Schiedsrichter: Eriksson (Schweden)