Bayern vor Champions-League-Start Läuft schon, stottert aber noch

Wie kann der FC Bayern trotz vieler verletzter Stars den Champions-League-Auftakt gegen ManCity meistern? Coach Guardiola muss jetzt tun, was er am meisten hasst.

AFP

Aus München berichtet Christoph Leischwitz


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Franck Ribéry, Bastian Schweinsteiger: zwei wichtige Spieler, die Josep Guardiola vor einem Jahr zur Verfügung standen, als er mit dem FC Bayern in die Champions League startete. Diesmal sind sie verletzt.

Hinzu kommen mit Jérôme Boateng, Arjen Robben und Mehi Benatia drei Spieler, die wenig Spielpraxis haben und/oder noch nicht komplett fit sind, sowie weitere Verletzte, die zu Guardiolas Lieblingsspielern gehören: Javier Martinez, Thiago Alcantara, Holger Badstuber.

Egal wie die Auftaktpartie am Mittwochabend gegen Manchester City (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) ausgehen wird: Sie steht unter völlig anderen Vorzeichen als der Start in die vorherige Champions League. Der Trainer des FC Bayern hasst es, improvisieren zu müssen. Doch am meisten gefragt ist jetzt ausgerechnet Improvisationstalent.

Guardiola sitzt am Dienstagnachmittag im Presseraum der Münchner Arena, die Fragen der Journalisten nimmt er mit Stirnrunzeln und skeptischen Blicken entgegen. Ganz kurz dreht sich das Gespräch um Robert Lewandowski. Der Trainer sagt, er sei mit dem Stürmer bisher "sehr zufrieden", auch wenn der Pole erst ein Pflichtspieltor für seinen neuen Arbeitgeber geschossen hat.

Leicht genervt von dem Verletzungsthema

Als nach Arjen Robben und Franck Ribéry gefragt wird, ist Guardiola kurz angebunden: "Arjen ist da. Franck ist nicht da."
Der Trainer meint damit das Abschlusstraining.
Heißt das, dass zumindest Robben spielen kann?
"Er ist da."
Die vielen Ausfälle scheinen Guardiola allmählich zu nerven. Erst später ist zu erfahren, dass Ribéry erneut Probleme mit der Patellasehne hat.

Streng genommen befindet sich die Mannschaft unmittelbar vor dem ersten wahren Härtetest der Saison immer noch in einem Findungs- und Regenerationsmodus. So fehlt auch der Offensive in der jungen Saison bislang die Durchschlagskraft. Auch am vergangenen Samstag, beim 2:0 im Bundesliga-Heimspiel gegen den VfB Stuttgart, sprachen viele davon, dass der Motor zwar schon läuft, aber noch gehörig stottert.

Insofern ist es auffällig, wie sehr Guardiola selbst immer wieder auf die Defensive zu sprechen kommt. "Wenn wir nicht elf Verteidiger haben, haben wir große Probleme", sagt der Trainer über das kommende Spiel. Das sei eine Lehre aus der 2:3-Heimniederlage gegen City im vergangenen Jahr. Auch wenn damals, im letzten Spiel der Gruppenphase, beide Mannschaften schon für die K.-o-Runde qualifiziert waren.

Es wurde in den vergangenen Tagen deutlich mehr darüber gesprochen, wie wichtig Xabi Alonso als Bindeglied zwischen Abwehr und Mittelfeld ist und ob er nicht nach einem Monat "tot sein" wird (Zitat Guardiola), wenn er weiter so viel Arbeit verrichten muss wie bisher. Über die Torflaute Lewandowskis sprechen die Bayern deutlich weniger. Denn sie sind momentan in jeder Beziehung defensiver eingestellt als noch vor einem Jahr.

Damals hatte man sich gefragt, wie Guardiola die Triple-Sieger-Mannschaft seines Vorgängers Jupp Heynckes nach seinen Wünschen formen wird. Die Antwort gab das Team vor allem in der Champions League. Nach einem souveränen 3:0 im ersten Spiel gegen ZSKA Moskau brillierte die Mannschaft zwei Wochen später bei Manchester City, es war bislang eines der besten Spiele unter Guardiola.

"Wir hatten ein Superteam, jetzt haben wir ein Super-Superteam. Den Unterschied macht Pep Guardiola", sagte damals ein begeisterter Präsident Uli Hoeneß, obwohl er zu diesem Zeitpunkt wegen seiner Steueraffäre eigentlich schon gar keine Statements mehr abgab. Bayern glänzte in Manchester mit 66 Prozent Ballbesitz und 21:9 Torschüssen - die Frage, ob dieser Gegner für die Bayern gefährlich ist, stellte sich überhaupt nicht mehr.

Über seinen Trainerkollegen und heutigen Kontrahenten Manuel Luis Pellegrini sagt Guardiola: "Ich kenne seine Spieler, wir haben letzte Saison fast gegen die gleichen Spieler gespielt." Guardiola meint damit auch: Er weiß, wie Pellegrini spielen lässt. Dessen Spieler wollen gar nicht unbedingt dominieren, sie wollen überfallen. Im Prinzip lauert für die Bayern eine ähnliche Gefahr wie beim 0:4 im Halbfinale gegen Real Madrid - damals war das Ballbesitz-Dogma des spanischen Trainers erstmals in die Kritik geraten. Seine Taktik hat Guardiola seitdem aber nicht geändert.

Er wird es wohl auch diesmal nicht tun. Doch er warnt: "Wenn wir nicht den Ball haben, müssen wir laufen, laufen." Guardiola hört sich vorsichtiger an als früher. Doch ein Indiz für seine Risikobereitschaft wird sein, ob Robben von Beginn an spielt oder nicht. Denn Robben läuft sehr viel. Es weiß nur momentan niemand, wie lang.

insgesamt 8 Beiträge
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george2013 17.09.2014
1. Von wegen
Der FC Bayern hat doch den Ruf, dass dort jeder einzelne "Ersatzspieler" jede andere Bundesliga-Mannschaft bereichern würde. Tja, dann legt los, Jungs!
tyskie 17.09.2014
2.
Torflaute bei Lewandowski? Nennt man das mittlerweile so, wenn man ein (!) Spiel lang nicht trifft?
virkom 17.09.2014
3. Jetzt beobachten...
... was der Trainer wirklich kann... Die Bank ist stark, aber aus der Halbmanschaft eine Ganzmanschaft zu formen kann nicht jeder. Heynckes, Magath oder Hitzfeld können es. Klopp sowieso, denn was anderes macht er schon seit fast zwei Jahren nicht.
joseq 17.09.2014
4. Gut geschrieben und
... würde ich unterschreiben. Sicherlich für einen Gomez wäre das keine Torflaute aber für den gehypten Super-Söldner ist es eine. Man merkt auf jedenfall das er noch nicht bei 100% ist und sich auch erstmal finden muss unter Guardiola, der schon so einige Weltklasse-Stürmer vergrault hat .
joseq 17.09.2014
5. Gut geschrieben und
... würde ich unterschreiben. Sicherlich für einen Gomez wäre das keine Torflaute aber für den gehypten Super-Söldner (nicht wertend) ist es eine. Man merkt auf jedenfall das er noch nicht bei 100% ist und sich auch erstmal finden muss unter Guardiola, der schon so einige Weltklasse-Stürmer vergrault hat .
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