Champions-League-Auftakt Bayerns Luxusprobleme

Sammer-Effekt? Mannschaftsleistung? Die Bayern diskutieren nach ihrem lockeren 3:0-Sieg über ZSKA Moskau, wer und was tatsächlich zu dem guten Champions-League-Start beigetragen hat - und sind sich dabei weiterhin uneins.
Von Sebastian Winter
Champions-League-Auftakt: Bayerns Luxusprobleme

Champions-League-Auftakt: Bayerns Luxusprobleme

Foto: Tobias Hase/ dpa

Josep Guardiola hat immer betont, möglichst schnell Deutsch lernen zu wollen. Dass die Sprache schwierig ist, dass dort auch Fallen für ihn lauern, das hat der Trainer des FC Bayern München am Abend nach dem 3:0-Sieg über ZSKA Moskau wieder erlebt. "War das heute ein Sieg nach Vorschrift?", wurde Guardiola gefragt. Es war eine Anspielung auf den Rüffel von Bayern-Sportdirektor Matthias Sammer nach der schwachen Leistung im Samstagsspiel gegen Hannover. Sammer hatte den Profis vorgeworfen, sie würden zurzeit nur "Dienst nach Vorschrift" machen.

Guardiola schaute verständnislos, wie sollte er diese abgewandelte Redewendung auch entziffern können. Also, nächster Versuch: "War das Dienst nach Vorschrift?" FCB-Pressechef Markus Hörwick redete nun einige Sekunden auf Guardiola ein, der sagte dann relativ gelassen: "Matthias ist sehr wichtig für den Verein, er hat mir sehr, sehr geholfen. Er ist eine der wichtigsten Personen an der Säbener Straße."

Guardiolas Antwort dürfte Sammer schmeicheln. Auch weil der 42-Jährige von seinen Kollegen aus der Vereinsspitze zuvor verbale Abmahnungen kassiert hatte. Präsident Uli Hoeneß und Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge hatten den streitbaren Sammer nach dessen Kritik aufgefordert, sich in der Öffentlichkeit verbal zu zügeln, Rummenigge sprach von einer Phantomdiskussion.

Der Kapitän schlägt sich auf Sammers Seite

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Champions League: Bayerns Power, Moskaus Schwäche

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Doch ist sie das wirklich? Oder hat nicht gerade das Spiel gegen Moskau gezeigt, dass die zuletzt pomadigen Bayern-Spieler einen Weckruf brauchten?

Fakt ist, dass die Bayern bei ihrem ungefährdeten Auftakterfolg in der Champions League wesentlich besser spielten als zuletzt gegen Hannover (2:0) und Freiburg (1:1). Philipp Lahm überzeugte als Sechser, Torschütze David Alaba sprühte ebenso vor Spielfreude wie Franck Ribéry. Stürmer Mario Mandzukic stürzte sich in Zweikämpfe, er traf zum 2:0 und hatte noch weitere Chancen.

Es war aber die Mannschaft, die vor allem in großen Teilen der ersten Halbzeit wieder ihr gefürchtetes aggressives Pressing zeigte, so dass Moskau kaum über die Mittellinie kam. "Wir wollten zeigen, dass wir uns steigern und aggressiver spielen können. Das haben wir heute getan", sagte Bayern-Kapitän Lahm.

Doch an der Frage, ob nun Sammer die Initialzündung gegeben hatte oder ob diese aus der Mannschaft kam, schieden sich die Geister. Lahm zeigte nach dem Schlusspfiff gegen Moskau Verständnis für Sammer: "Er ist der Vorstand, wenn er sich nicht äußern darf, wer dann? Es ist normal beim FC Bayern, dass der Vorstand sich zu Spielen äußert. Wenn sie mal nicht so zufrieden sind, dann muss man das akzeptieren." Allerdings sei die Debatte kein Thema gewesen im Mannschaftskreis: "Wir Spieler können unsere Leistung sehr gut einschätzen und wissen, dass sie am Wochenende nicht glänzend war."

"Man muss auch nicht übertreiben"

Arjen Robben, der nach wunderschöner Vorarbeit von Alaba das 3:0 erzielt hatte, gehörte dagegen eher zu den Kritikern Sammers: "Wir sind erfahrene Spieler, man muss auch nicht übertreiben." Und der seit Wochen stark spielende Bayern-Innenverteidiger Jérôme Boateng sprach vom "Effekt der Mannschaft. Da brauchen Sie jetzt nicht sagen, das war der Sammer-Effekt. Er findet oft die richtigen Worte, aber wir sind ja auch nicht blind und sehen selber, dass es am Samstag nicht gut war." Nur Offensivmann Thomas Müller wollte "nicht auch noch meinen Senf dazugeben".

Sammer ist als Querdenker nach München gelotst worden, allerdings muss er dort oft besonders diplomatisch sein. Der Vorwurf an die Spieler, sie hätten eine zu lasche Einstellung gehabt, traf auch im Mannschaftskreis auf Unverständnis. Doch offenbar hat er auch zum Nachdenken angeregt. Warum sonst sollten sich so viele Akteure zu diesem Thema äußern?

Die Kritik des Sportdirektors brachte Unruhe, aber auch eine gewisse Art der Vorspannung vor dem Spiel gegen ZSKA Moskau. Nichts anderes wollte Sammer damit erreichen. Ob der Impuls nun aus der Mannschaft gekommen ist oder von Sammer, ist letztlich zweitrangig. Es musste einfach ein neuer Reizpunkt her.

Dass die Bayern-Bosse nicht begeistert sind, dürfte er einkalkuliert haben, womöglich auch das Treffen mit Rummenigge und Hoeneß: "Wir werden sicherlich in den kommenden Tagen die Möglichkeit haben, mit ihm zu sprechen, Uli Hoeneß und ich", sagte Rummenigge. Fernab der Öffentlichkeit. Ausnahmsweise mal.

Bayern München - ZSKA Moskau 3:0 (2:0)
1:0 Alaba (4.)
2:0 Mandzukic (41.)
3:0 Robben (68.)
München: Neuer - Rafinha, Boateng, Dante, Alaba - Lahm - Robben (79. Shaqiri), Müller, Kroos (71. Schweinsteiger), Ribéry - Mandzukic (75. Pizarro)
ZSKA: Akinfejew - Nababkin, W. Beresuzki, Ignaschewitsch, Schennikow - Cauna, Wernbloom - Zuber (77. Milanov), Honda, Vitinho (46. Tosic) - Musa (74. Bazelyuk)
Schiedsrichter: Rocchi (Italien)
Zuschauer: 68.000 (ausverkauft)

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