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Champions League Erst nix, dann Thiago

Die Champions League kann auch Spektakel: Ein Last-Minute-Ausgleich rettete den FC Bayern gegen Juventus Turin in die Verlängerung. Dort drehten die Münchner die Partie. Alles Wichtige zu einem unglaublichen Spiel.

Ausgangslage: Im Hinspiel hatte der FC Bayern nach einer 2:0-Führung eine nahezu ideale Ausgangslage verspielt. Aber auch durch das 2:2 gingen die Münchner als Favorit in die Partie. Für ein Weiterkommen ohne Verlängerung brauchte Juventus entweder ein Unentschieden mit mindestens drei Toren oder einen Sieg. Bayern würde also schon ein 0:0 oder ein 1:1 reichen. Neben den vielen Langzeitverletzten auf beiden Seiten gab es zusätzlich kurzfristige Ausfälle: Bei den Münchnern fehlte Arjen Robben, Torschütze im Hinspiel, mit Adduktorenproblemen. Juve musste auf Claudio Marchisio und Paulo Dybala, ebenfalls Torschütze im Hinspiel, verzichten.

Ergebnis: 4:2 (2:2;0:2) n.V. Hier geht's zum Spielbericht.

Aufstellungen:
FC Bayern:
Neuer - Alaba, Benatia (46. Bernat), Kimmich, Lahm - Alonso (60. Coman) - Ribéry (101. Thiago), Vidal, Müller, Costa - Lewandowski
Juventus Turin: Buffon - Evra, Barzagli, Bonucci, Liechtsteiner - Sandro, Pogba, Khedira (68. Sturaro), Cuadrado (89. Pereyra) - Morata (72. Mandzukic)

Erste Hälfte: Zeigte viel, was es selten zu sehen gibt. Der sonst so souveräne David Alaba verursachte ein frühes Tor durch den - in dieser Saison - sonst so ungefährlichen Paul Pogba (6. Minute). Der sonst so ballsichere Manuel Neuer bereitete mit einem katastrophalen Fehlpass eigentlich das 0:2 vor, aber das Tor zählte nicht (siehe Fehlentscheidung des Spiels). Und insgesamt zeigten sich die sonst durch nichts zu verunsichernden Bayern eben genau so: verunsichert. Ein Konter brachte den zweiten Treffer durch Juan Cuadrado. Kurz vor der Pause vergab Thomas Müller eine klassische Müller-Chance. Auf der anderen Seite verhinderte Neuer das 0:3.

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Bayern in der Einzelkritik: Helden von der Bank

Foto: Andreas Gebert/ dpa

Zweite Hälfte: Begann sehr nickelig mit vier Gelben Karten in fünf Minuten. Fußballerisch ging es weiter wie zuvor: Die Italiener spielten italienisch, verließen sich aufs Verteidigen und lauerten auf Konter. Álvaro Morata scheiterte dreimal vor dem Tor. Bayern spielte erst weiter unsicher, ungefährlich und dann plötzlich typisch bayerisch: Thomas Müller wartete bis zur Nachspielzeit, bevor er ausglich. Robert Lewandowski hatte zuvor verkürzt.

Die Verlängerung: Bayern investierte weiter mehr, die größte Chance hatte aber Juve: Lichtsteiner scheiterte an Neuer. Nach dem Seitenwechsel erzielte der eingewechselte Thiago das 3:2. Coman sorgte durch eine starke Einzelleistung für die Entscheidung.

Talisman des Spiels: Sami Khedira. In der laufenden Saison hatte der italienische Rekordmeister nicht ein Spiel verloren, wenn der deutsche Nationalspieler auf dem Platz stand. Wettbewerbsübergreifend war er in 20 Partien an drei Remis und 17 Siegen beteiligt gewesen. Khedira leitete die Führung ein und zeigte damit, dass er nicht nur als Glücksbringer helfen kann. Dann wurde er ausgewechselt. Und Juventus verlor.

Fehlentscheidung des Spiels: War großes Glück für Neuer. Nach seinem Abspielfehler prallte der Ball von Khedira zurück zu Álvaro Morata, der diesen sehenswert über Neuer ins Tor hob. Schiedsrichter Jonas Eriksson entschied auf Abseits, es war jedoch gleiche Höhe.

Konter des Spiels (oder der Saison?): Zeigte Juve. Nach Alabas Ballverlust lief Morata los. Er lief. Und lief. Und lief. Und lief. Nach etwa 70 Metern gab er den Ball zu Cuadrado. Der ließ es sich nicht nehmen, auch noch Bayern-Kapitän Philipp Lahm ins Leere rutschen zu lassen, bevor er einschoss.

Fehlerteufel des Spiels: David Alaba. Beim ersten Treffer führte seine schwache Abwehraktion unmittelbar zum Rückstand. Vor dem 0:2 leitete sein Ballverlust den Konter ein. In der zweiten Halbzeit nutzte Morata einen weiteren Fehler des Linksverteidigers nicht. Ein unglücklicher Auftritt des Österreichers.

Déjà-vu des Spiels: Die Partie war in den ersten 90 Minuten eine Kopie des Hinspiels. Nur extremer. Nach einer 2:0-Pausenführung für die Gäste schaffte die Heimmannschaft erst spät den überraschenden Ausgleich.

"Thiago-oder-nix" des Spiels: Erst nix. Dann Thiago. Der Spanier blieb über 100 Minuten des Spiels draußen. Reichte ja. In der 108. erzielte er das 3:2.

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Juventus in der Einzelkritik: Zusammenbruch in Minute 90+1

Foto: Alexander Hassenstein/ Bongarts/Getty Images

Wechselfehler des Spiels: Beging Juve-Trainer Allegri. Nachdem er den starken Khedira und Morata vom Platz genommen hatte, ging bei Juventus nicht mehr viel. Unmittelbar darauf fiel zudem der Anschlusstreffer. Sein Gegenüber Josep Guardiola hingegen wechselte zwei Torschützen ein.

Emotionaler Ausbruch des Spiels: Guardiolas Reaktion auf den spektakulären Sieg: "Großes Kompliment, wir sind im Viertelfinale, und ab morgen denken wir sofort an Köln."

Verlierer des Spiels: War jeder, der vor der 90. Minute die Allianz-Arena bereits verlassen hatte.

Gewinner des Spiels: Der Fußball. Es war ein unglaublicher Champions-League-Abend. Es war ein unglaubliches Champions-League-Achtelfinale. Beste Werbung für diesen Sport. Wer in diesen 120 Minuten nicht mindestens einmal durchgedreht ist, hat den Fußball nie geliebt.

Im Video: Die Stimmen zum Spiel

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