Bayern München in der Einzelkritik Müller als genialer Vorbereiter - ohne den Ball zu berühren

Serge Gnabry brachte den FC Bayern mit einem Weltklassetor auf die Siegerstraße. Großen Anteil daran hatte Thomas Müller - wenn auch erst auf den zweiten Blick. Die Bayernspieler in der Einzelkritik.
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Manuel Neuer, Tor: Als das Spiel noch nicht entschieden war, sondern, im Gegenteil, die Bayern ganz schön wackelten, wurde Manuel Neuer laut. "Kommt, auf geht’s, Bewegung, lasst den Ball laufen", war er über die Mikrofone am Spielfeldrand ziemlich klar zu vernehmen. Seine Vorderleute hatten das wohl gebraucht. Später war Neuer dann nicht nur als Wachrüttler, sondern auch als Torverhinderer gefragt, als er gegen den frei stehenden Toko Ekambi glänzend parierte.

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Joshua Kimmich, Abwehr: War wie schon gegen Barcelona ziemlich offensiv unterwegs, und wieder zeigte das Wirkung. Leitete das 1:0 durch Serge Gnabry ein. Und bereitete das 3:0 per Freistoß vor. Mit seiner extremen Ballsicherheit sorgte er dafür, dass viele Pressingversuche von OL ins Leere gingen.

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Jérôme Boateng, Abwehr (bis 45. Minute): Seit Monaten schon befindet sich Boateng in blendender Verfassung. Wie wichtig er ist, zeigte er beim Stand von 0:0, als er mit seiner Grätsche im eigenen Strafraum eine Hereingabe ins Aus lenkte, die vermutlich zu einem Gegentreffer geführt hätte. Wurde allerdings zur Pause ausgewechselt. Warum, das war zunächst unklar.

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Niklas Süle (ab 45. Minute): Kam ins Spiel und gewann prompt seinen ersten Zweikampf. Auch in seinem dritten Einsatz nach seiner Kreuzbandverletzung wirkte Süle sicher. Vermutlich ist die Innenverteidigung der einzige Mannschaftsteil, in dem die Bayern einen Ausfall nahezu ohne Qualitätseinbußen ersetzen können. Aber: Dass Süle umknickte und dann eine Zeit lang humpelte, dürfte die Bayern im Hinblick aufs Endspiel gegen Paris wiederum sorgen. Zwei Ausfälle wären womöglich einer zu viel.

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David Alaba, Abwehr: Ein wenig wackelte die bayerische Defensive diesmal schon. Eigentlich hatte sie das bereits in der Anfangsphase gegen Barcelona getan, aber da war die Offensive der Münchner zu überragend, als dass die Verteidigung zum Thema wurde. Alaba selbst machte sicher kein schlechtes Spiel. Und doch wird sich die Münchner Abwehr steigern müssen, um gegen den Angriff von Paris zu bestehen.

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Alphonso Davies, Abwehr: Gegen Barcelona mit einem Traumsolo, diesmal mit einem Traumpass: Kurz nach der Pause schickte Davies Vordermann Ivan Perisic in die Tiefe, der dadurch frei vor dem Lyoner Tor auftauchte. Man muss sich wohl daran gewöhnen, dass der 19-Jährige nun in jedem Spiel einen Weltklassemoment hat. Allerdings: Sein defensives Stellungsspiel hält da nicht ganz mit. Das war etwa vor dem Pfostentreffer Toko Ekambis in Hälfte eins zu sehen.

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Leon Goretzka, Mittelfeld (bis 83. Minute): Bayerns Dampflock blieb diesmal nicht ganz so durchschlagskräftig wie zuletzt. Den Spielaufbau überließ er vor allem Thiago. Das war eine gute Idee, denn Goretzka spielte gerade in der Lyoner Feldhälfte dann doch ein paar Fehlpässe zu viel. Dafür suchte er immer wieder Wege in die Tiefe und den Abschluss. Er hatte die erste Torchance der Bayern, danach wurden seine wuchtigen Versuche aber stets geblockt.

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Benjamin Pavard (ab 83. Minute): Feierte sein Comeback nach einer Bänderverletzung. Das könnte fürs Finale noch wichtig werden. Sollten Boateng und/oder Süle ernsthafter verletzt sein und würde Kimmich im Laufe des Spiels doch im Mittelfeld benötigt werden, wäre Pavard der logische Nachrücker.

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Thiago, Mittelfeld (bis 82. Minute): Leistete sich ein, zwei auffällige Ballverluste. Aber, auch wenn sich das merkwürdig anhören mag: Die gehören zu seinem Spiel. Denn niemand bei den Münchnern wagt so beständig so schwierige Pässe wie Thiago - und die meisten kommen an. Gegen OL waren es 91 von 101.

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Corentin Tolisso, Mittelfeld (ab 82. Minute): Anders als nach seinen Einwechslungen gegen Chelsea und Barcelona wurde Tolisso diesmal nicht torgefährlich, er half vor allem mit, das Ergebnis über die Zeit zu bringen. Reichte auch.

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Serge Gnabry, Mittelfeld (bis 76. Minute): Mann des Spiels. Das 1:0 war das Highlight der Partie, ein Solo durch die halbe Olympique-Defensive, gekrönt von einem fantastischen Abschluss von der Strafraumgrenze aus. Erzielte dann auch das zweite Bayern-Tor und dabei kam eine ganz andere Facette von Gnabrys Spiel hervor: Er eroberte den Ball im Gegenpressing, spielte ihn ab, rückte vor in den Strafraum und staubte ab, nachdem Lewandowski zuvor an OL-Keeper gescheitert war.

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Philippe Coutinho (ab 76. Minute): Zwei Minuten nach seiner Einwechslung erlebte man einen typischen Coutinho: Ballannahme linksaußen, Dribbling nach innen, ein Blick aufs Tor, ein Schlenzer aufs lange Eck. Der ging zwar vorbei, aber der Brasilianer zeigte wie schon gegen Barcelona, dass er als Joker einen ziemlichen Impact aufs Bayern-Spiel haben kann.

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Thomas Müller, Mittelfeld: Vielleicht wäre Gnabrys Traumtor nicht gefallen, wäre da nicht Müller gewesen. Dabei war er in jener Szene gar nicht am Ball gewesen. Aber Müller erkannte bei Gnabrys Ballannahme schnell, was dieser vorhatte: ein Dribbling nach innen. Also sprintete er kurz in Richtung Grundlinie. Nicht, weil er den Ball haben wollte, sondern um zumindest einen Verteidiger mit sich zu ziehen und Gnabry so den Weg freizuräumen. Mit Erfolg. Eine von vielen Szenen, die zeigte: Müllers Einfluss aufs Bayern-Spiel ist riesig - selbst wenn er nicht selbst trifft.

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Ivan Perisic, Mittelfeld (bis 63. Minute): In der Bundesliga blieb ihm eher die Nebenrolle, in Lissabon durfte Perisic nun schon zum zweiten Mal beginnen. Wieder machte er seine Sache gut. Er brachte den Ball in den Strafraum, der zum 2:0 durch Gnabry führte. Und nach Davies' Vorlage verpasste er war das 3:0. Die Chance ergab sich aber auch erst dank seines starken Laufwegs. Perisic mag einem zwar nicht durchgehend auffallen, wenn er spielt. Aber er kommt verlässlich auf seine Beteiligungen an Großchancen.

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Kingsley Coman (ab 63. Minute): Bislang ist Coman vielleicht derjenige, dem es am wenigsten gelingt, nach seinen Einwechslungen das Spiel mitzuprägen. Einen Abschluss bereitete er vor, das ist gemessen an der Spielzeit ein bisschen wenig für Bayernverhältnisse.

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Robert Lewandowski, Angriff: Nach fast 70 Minuten, als er bei einer Müller-Flanke einmal mehr um Zentimeter zu spät kam, schlug Lewandowski mit der Hand auf den Rasen und brüllte dieses eine prägnante englische Wort mit vier Buchstaben, das mit einem F beginnt. Und dann: Daumen hoch in Richtung Müller. Bayerns Stürmerstar blieb lange unglücklich im Abschluss, insbesondere vor Gnabrys 2:0, das er vorher selbst hätte erzielen können/sollen/müssen. Aber Lewandowski blieb positiv, arbeitete fürs Team. Und wie gegen Barcelona traf er schließlich doch noch selbst, als das Spiel bereits entschieden war.

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Hansi Flick, Trainer: Der FC Bayern unter Flick ist weniger geprägt von taktischen Anpassungen während eines Spiels. Und wenn, dann betreffen sie meist den Spielaufbau, wenn sich etwa Thiago auf eine Höhe mit den Verteidigern fallen lässt. Die Bayern unter Flick funktionieren allerdings auch in nahezu jeder Hinsicht so gut, dass das genügt.

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