Bayerns Champions-League-Pleite bei PSG Eine Klasse schlechter

400 Millionen Euro allein für Neymar und Mbappé? Es könnte sich für PSG gelohnt haben. Die deutliche Niederlage des FC Bayern in Paris deutete an, wie sich die Gewichte im europäischen Fußball gerade verschieben.

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Die Szene des Abends: Als Kylian Mbappé in der 63. Minute den Ball spektakulär mit der Sohle am bemitleidenswerten David Alaba vorbeimogelte, als kurz darauf Neymar am Fünfmeterraum zum 3:0 traf - da wirkten die Münchner plötzlich so weit entfernt von ihrem sechsten Champions-League-Titel wie lange nicht mehr. In den vergangenen vier Jahren hatten am Ende stets nur Kleinigkeiten gefehlt. In diesem Jahr könnte der Traum deutlich früher enden.

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Bayern-Niederlage in Paris: Geld kauft Spieler, die Tore schießen

Das Ergebnis: 3:0 (2:0). Paris Saint-Germain hat den FC Bayern München im zweiten Gruppenspiel auseinandergenommen. Hier geht's zur Meldung.

Die Aufstellung: Kein Arjen Robben, kein Franck Ribéry, kein Mats Hummels, kein Jérôme Boateng - in der Startaufstellung des FC Bayern fehlten etliche große Namen. Carlo Ancelotti hatte im Vergleich zum enttäuschenden 2:2 gegen Wolfsburg gleich sechsmal umgestellt und schickte die im Schnitt jüngste Bayern-Startelf seit zwei Jahren ins Rennen (26 Jahre und 182 Tage). Niklas Süle gegen Neymar - das klingt nach dem Karrieremodus aus "Fifa 18", war aber offensichtlich wirklich Ancelottis Plan für "ein komplettes Spiel".

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FC Bayern in der Einzelkritik: Kimmich als einzige Konstante

Pariser Blitzstart: 86 Sekunden. Länger benötigte PSG nicht, um die Führung zu erzielen: Neymar zog mit einem Tempodribbling in Richtung Strafraum, die komplette Defensivreihe des FC Bayern verschob in Richtung des Brasilianers - bis schließlich Dani Alves halbrechts völlig frei den Ball bekam und ihn unter Manuel-Neuer-Vertreter Sven Ulreich hindurch ins Netz drosch.

Die erste Hälfte: Gehörte nach dem frühen Treffer dem Deutschen Meister (67 Prozent Ballbesitz, 8:1 Ecken). Thomas Müller ans Außennetz (12.), Javi Martínez mit einem Distanzschuss (18.), Robert Lewandowski per Kopf (22.), David Alaba einen Schritt zu spät am kurzen Pfosten (26.). Insgesamt 20 Flanken schlugen die Münchner vor der Pause in den PSG-Strafraum, alle ohne Erfolg. Bayern drückte - ohne große Ideen zwar, aber mit Engagement. Die Treffer gelangen jedoch dem Gegner: Cavani schloss einen der gefährlichen Konter nach Doppelpass mit Kylian Mbappé zum 2:0 ab (31.).

Edinson Cavani erzielt das 2:0
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Edinson Cavani erzielt das 2:0

Die zweite Hälfte: Ancelotti reagierte auf den Rückstand und brachte neue Stars: na ja, Sebastian Rudy und Kingsley Coman. Bayern ließ wenig unversucht, sicherte gleichzeitig noch weniger ab. Neymar verpasste schon in dieser Phase zweimal die Vorentscheidung (50./54.), in der 63. Minute holte er sein Versäumnis nach. Am Ende waren die Münchner damit noch sehr gut bedient.

Staatsakt: Paris Saint-Germain gegen Bayern München - das ist genau die Art von Großereignis, zu der sich auch die Präsidenten beim Volkssport Fußball blicken lassen. Zumindest die Ex-Präsidenten: Nicolas Sarkozy war da, François Hollande ebenfalls, nur der aktuelle Staatschef fehlte. Als hätte Emmanuel Macron geahnt, dass dieser Abend keine Werbeveranstaltung für das "modèle allemand" würde.

François Hollande (l.), Nicolas Sarkozy
AFP

François Hollande (l.), Nicolas Sarkozy

(Mehr) Geld schießt (mehr) Tore: In den Tagen vor dem Kräftemessen im Prinzenpark hatten sich die Münchner gewaltig gestreckt, sich als Underdog des europäischen Fußballs zu inszenieren. 400 Millionen Euro allein für Neymar und Kylian Mbappé - da können und wollen wir nicht mithalten. Dabei verbindet die beiden Klubs viel mehr, als Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß zugeben möchten. Nach diesem Spiel nimmt man dem FC Bayern die Außenseiterrolle für diese Champions-League-Runde zumindest auf dem Platz ab.

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PSG in der Einzelkritik: Schnäppchenalarm!

Auf den Punkt: "L'affaire du penalty" beschäftigte nicht nur die französische Presse in der vergangenen Woche, Edinson Cavani und Neymar hatten sich im Ligaspiel gegen Olympique Lyon gezofft, wer einen Strafstoß ausführen darf. PSG-Boss Nasser Al-Khelaifi soll sogar versucht haben, mit einem großen Geldsack zu schlichten. Am Mittwoch waren beide Spieler um Deeskalation bemüht, Neymar gratulierte artig beim 2:0, Cavani ebenso beim 3:0. Es menschelte - und wenn nicht, dann war's zumindest professionell.

Return of Invest: Paris Saint-Germain hat seeehr viel Geld in die Hand genommen, um endlich einmal über das Viertelfinale hinauszukommen. Eine Erfolgsgarantie gibt es natürlich nicht, aber dass diese Investition nicht völlig sinnlos war, wird man auch in München wahrgenommen haben.

Erkenntnis des Abends: ZDF-Experte Oliver Kahn wirkte vor Beginn ein wenig hibbelig. "Seit Tagen" freue er sich auf das Spiel, endlich würde man sehen "was beide Teams wirklich drauf haben". Hmmm. Die empfohlene FCB-Argumentationslinie für die kommenden Tage: Das frühe Tor war unglücklich, es war zudem nur ein Gruppenspiel, Celtic und Anderlecht werden den Achtelfinaleinzug der Bayern nicht verhindern, im Februar ist dann auch Manuel Neuer wieder dabei. Im Frühjahr brauchen sie dann aber entweder andere Auftritte - oder andere Ausreden.

insgesamt 75 Beiträge
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windexx 28.09.2017
1. Ausgelaufen.
Jahrelang hat sich der FC Bayern durch den Kauf der besten Fussballer bei anderen BL Klubs vergleichsweise kostenguenstig schadlos gehalten. So konnte man im Spaziergang die BL gewinnen, und spielte in der CL zumindest immer oben mit, auch wenn man das Ding schon lange nicht mehr gewinnen konnte. Die guten Bundesligaspieler aus Dortmund, Wolfsburg, Schalke oder Gladbach gehen aber nun nicht mehr automatisch zum FC Bayern, wenn sie sich verbessern wollen, sondern lieber gleich nach England, Spanien oder Paris, wo man mehr Geld verdient und sportlich bessere Perspektiven hat (mal abgesehen davon, dass Paris, Barcelona oder London wesentlich attraktiver sind fuer internationale Profis als die Provinzhauptstadt Muenchen). Bayern schaut damit in die Roehre, und diese Saison zahlen sie endlich die Zeche dafuer, dass sie die Liga jahrelang systematisch kaputtgekauft haben und dabei international damit kokettierten das Aushaengeschild der BL zu sein. Na dann, Prost.
dieterwassmann7 28.09.2017
2. Deutscher Fusball 2017 in Europa
Deutscher Vereinsfussball in Europa auf einen Schlag nur noch zweitklassig. Das hat es noch nie gegeben. In der Championsleag jetzt auch die Bayern nur noch Mittelmass. Was hatte ich frueher immer Spass wenn Dortmund oder die Bayern in der ChampionsLeag spielten. Heute ueberall nur Langeweile und Frust, auch bei den Vereinen. die in der EuropaLig spielen. Ich hoffe nur, dass Jogi mit seiner Nationalmannschaft sich da nicht anhaengt. Eine Spassmannschaft moechte ich schon noch gerne behalten, wenn alle anderen einfach absaufen.
cinkor 28.09.2017
3. Bauernschläue.......
Wie sie in der Bayern Hauptetage herrscht ist nicht genug beim Europäischen Fußball. Wie der Lewandowski es gefordert hat muss Bayern richtig gutes Geld ausgeben und Weltklasse Spieler mit Namen kaufen. Am besten den Pep mit gleich auf die Wunschliste tun. Auch wenn sie nicht UEFA Champion geworden sind, haben sie doch unter Pep den besten Fußball gespielt. Ich würde gerne wissen was die Guardiola Kritiker jetzt über ihn denken. Ach ja...die sitzen auf der Bank und schauen dumm.
dieter-ploetze 28.09.2017
4. bayern hat sich selbst geschwaecht
das war kein echter vergleich, mit dieser aufstellung war kein blumentopf zu gewinnen. schwachpunkt ancelotti. es muessen auch keine so teuren transfers sein, aber suele und rudy, immer aufgestellt, sind lediglich mittelklasse und waeren bis vor kurzem lediglich als ergaenzungsspieler bei bayern gelandet, doch niemals als stammspieler und dann noch championsliga. ein raetsel welche politik bayern gerade verfolgt.
omop 28.09.2017
5. Abwarten..
Wenn man sich den Kader anschaut, braucht sich Bayern nicht zu verstecken. Die PSG-Abwehr lässt einen nun wahrlich nicht vor Ehrfurcht erzittern, man muss sie nur unter Druck setzen. Das Problem bei den Bayern scheint eher zu sein, dass zuviele Spieler ihrer Form hinterherlaufen und die mannschaftliche Kompaktheit verloren gegangen ist.
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