Bayern-Sieg gegen Rom Bedrohlich souverän

Der FC Bayern hat auch die vierte Champions-League-Aufgabe der Saison mit Bravour gelöst und steht bereits als Gruppensieger fest. Der Sieg über AS Rom war kein Glanzstück, aber ein Beweis für die derzeit beeindruckende Dominanz des Teams.

Aus München berichtet Christoph Leischwitz


Als das 2:0 für die Bayern fiel, stand Nationalspieler Thomas Müller gerade mit einem grünen Leibchen hinter dem Schiedsrichterassistenten. Der offensive Münchner Mittelfeldspieler war nach dem Seitenwechsel in der Champions-League-Partie gegen den AS Rom von seinem Trainer Josep Guardiola zum Aufwärmen geschickt worden. Doch dabei stand er meistens nur herum, er hüpfte bestenfalls ein wenig auf der Stelle und sah seinen Mitspielern zu.

Wenige Minuten nach dem spielentscheidenden Tor winkte Guardiola den Edel-Auswechselspieler zu sich und fragte ihn etwas. Müller zuckte mit den Schulern, als ob er sagen wollte: Ich könnte schon spielen, muss aber nicht sein. Guardiola tätschelte ihm Kopf und Schulter, dann setzte sich Müller zurück auf die Bank. Seine Dienste wurden an diesem Abend nicht mehr gebraucht.

Die Römer waren auch ohne einen frisch eingewechselten Müller heillos überfordert. Ein Beispiel: Die Bayern spielten in dieser 2:0 gewonnenen Partie 722 Pässe, die Gäste gerade einmal 305 - und trotzdem hatte der AS Rom am Ende deutlich mehr Fehlpässe gespielt (95:73). Für ihre Verhältnisse zogen die Bayern das Tempo gar nicht einmal so sehr an. Trotzdem wussten sich die Italiener oft nur mit Befreiungsschlägen zu helfen.

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"Nicht selbstverständlich, so durchzumarschieren"

Der 2:0-Erfolg gegen Rom hatte zwar nur wenige Momente zum Zungeschnalzen geboten, auch gab es diesmal für die Fans deutlich weniger zu jubeln als etwa beim 7:1 im Hinspiel. Doch die routinierte Überlegenheit auf dem Feld hatte diesmal etwas Mitreißendes, die Stimmung im Stadion mit den vielen verwöhnten Fans war gut.

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Bayern in der Einzelkritik: Und Neuer macht Skipping
Immerhin spielten die Bayern gegen AS Rom, aktuell Zweiter der Serie A, und sie standen als erste deutsche Mannschaft nach nur vier Spieltagen als Gruppensieger fest - und stehen somit wie Borussia Dortmund bereits sicher im Achtelfinale. "Absolut top. Es ist nicht selbstverständlich, dass man in so einer Gruppe einfach durchmarschiert", sagte Kapitän Philipp Lahm. "Das ist super", sagte Franck Ribéry einfach nur.

Ribéry hatte auch ein richtungsweisendes Tor erzielt. Der AS Rom stand sehr defensiv, "teilweise mit einer Sechser-Kette", wie Lahm anmerkte, nach einer halben Stunde hatten die Bayern deshalb noch keine einzige nennenswerte Torchance gehabt. Der Franzose, der nach dem DFB-Pokalspiel beim Hamburger SV (3:1) erst zum zweiten Mal in dieser Spielzeit in der Startelf stand, erzielte nach einer von ihm selbst eingeleiteten Kombination das 1:0 (38.). Man hat zwar schon deutlich lebhaftere Spiele von Ribéry gesehen, doch in den wichtigen Momenten ist er bereits wieder zur Stelle.

Götze kommt immer besser ins Bayern-Spiel

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Durchaus ähnlich verhält es sich mit Mario Götze. Er erzielte den 2:0-Endstand in der 64. Minute mit einem hübschen, wenn auch nicht komplett absichtlichen Volleyschuss. Kritiker werden sagen: Das war immerhin schon eine auffällige Aktion mehr als am vergangenen Samstag gegen Borussia Dortmund. Doch diese Aktionen werden insgesamt häufiger, Götze traut sich Stück für Stück mehr zu, in 15 Saison-Pflichtspielen hat der 22-Jährige nun schon neun Tore erzielt.

"Ich habe immer Spaß am Kicken, machen Sie sich da mal keine Sorgen", sagte Götze später selbstbewusst in der Mixed Zone. Ratlos war er nur bei der Frage, was er machen würde, wenn er noch gegen den FC Bayern spielen müsste: "Wahrscheinlich würde ich mich auch hinten reinstellen und auf Konter spielen. Es ist sicher nicht einfach gegen uns."

Der für zehn Minuten eingewechselte Neuling Sebastian Rode wies darauf hin, dass der nächste Gegner am kommenden Samstag - sein Ex-Klub Eintracht Frankfurt - ein schwerer Gegner sei. "Bayern hat sich in Frankfurt immer schwer getan, das kann ich bezeugen", sagte der 24-jährige Mittelfeldspieler grinsend. Doch die Frankfurter haben das Pech, dass sich die Bayern nun fast gänzlich auf die Bundesliga konzentrieren können. Genaugenommen sind sogar Spiele gegen Teams wie Manchester City und ZSKA Moskau jetzt nur noch statistisches Beiwerk zu den Partien gegen die Liga-Verfolger TSG Hoffenheim und Bayer Leverkusen.

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Fotostrecke: Locker zum Gruppensieg
Das für Bayern München nächste wichtige Spiel auf europäischer Ebene findet erst Mitte Februar statt: das Hinspiel im Achtelfinale. Bis dahin könnte möglicherweise sogar David Alaba wieder fit sein, der sich am Mittwochabend eine Knieverletzung zuzog und zwei bis drei Monate ausfällt. Dazu vielleicht auch wieder Thiago Alcántara, wahrscheinlich auch Bastian Schweinsteiger. Die Zwischenzeit, sagte Phillipp Lahm, wolle man ausschließlich mit Siegen überbrücken.

insgesamt 52 Beiträge
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pommbaer84 06.11.2014
1. Lüge
Der BVB hat sich Dienstag schon für das Achtelfinale qualifiziert. Die Bayern waren also nicht die erste deutsche Mannschaft...
DerUnvorstellbare 06.11.2014
2.
Diese Souveränität hatten sie doch auch letztes Jahr, aber als es am Wichtigsten war verloren sie ihre Form. Guardiolas Sprüche sind nur das, Sprüche. Der Unterschied ist, die Bayern glauben sie sind stärker als letztes Jahr, doch Real ist tatsächlich um einiges stärker als letztes Jahr.
dktgh 06.11.2014
3. Madrid oder Barcelona
werden hoffentlich Gruppenerste, ansonsten kann es schnell "habe fertig" für den FC Espaniol-BVB-Bayern heißen. Müller wurde gefragt, ob er die restliche Zeit noch mitspielen will. Nee sagte der, muss nicht sein, dabei weiß doch jeder wie der innerlich kocht, in einem CL-Spiel nicht in der Startelf zu stehen.
stefan kaitschick 06.11.2014
4. WM Siegtor schon vergessen?
"Durchaus ähnlich verhält es sich mit Mario Götze. Er erzielte den 2:0-Endstand in der 64. Minute mit einem hübschen, wenn auch nicht komplett absichtlichen Volleyschuss." Ich bin kein Bayern Freund, aber diese Aussage ist Unfug. Der Götze kann das. Das Tor war auch nicht nur hübsch, sondern grandios.
omop 06.11.2014
5. Zwei Teams dominieren..
Bayern und Real, danach kommt Barcelona.und dann erst mal nichts..Mannschaften wie Paris,Juve,Chelsea,Atletico sind eine Klasse schlechter. Für den BVB sehe ich gute Chancen wenn man nicht auf Bayern und Real trifft.
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