Bayern-Rivale Real Schwerster Wunschgegner aller Zeiten

Für viele Bayern-Fans ist Real Madrid als Halbfinalgegner ein Traumlos. Die "Königlichen" haben enorme Offensivkraft, gelten aber als defensiv anfällig. Außerdem bangt das Team um seinen Superstar. Alle Vorteile liegen bei München - und das ist die größte Gefahr.

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"Traumlos", "Wunschgegner": Nach den Reaktionen auf die Halbfinal-Auslosung der Champions League könnte man denken, der FC Bayern dürfe schon jetzt die Hotelzimmer für das Endspiel am 24. Mai in Lissabon buchen. Real Madrid, einer der berühmtesten Clubs der Welt, das Team mit der vielleicht besten Offensive der Welt - und dennoch herrscht bei den Bayern-Fans die ganz große Erleichterung. Wie kann das sein?

Die öffentliche Einschätzung der Qualitäten von Real Madrid war bis vor drei Wochen noch eine komplett andere. Trainer Carlo Ancelotti wurde mit Lob überhäuft, das Starensemble auf Linie gebracht zu haben. In der Meisterschaft lag Real an der Spitze, in der Champions League wurde der FC Schalke im Achtelfinale geradezu zerfetzt.

Dann kam die Heimniederlage gegen den FC Barcelona im spanischen Clásico und am vergangenen Dienstag der desaströse Auftritt im Viertelfinalrückspiel bei Borussia Dortmund. Und urplötzlich gilt dieses Madrid manchen als fußballerisches Leichtgewicht, als eindeutiger Außenseiter, wenn es gegen die Bayern geht. In Umfragen nach dem einfachsten Gegner für Bayern tauchte Real auf Platz eins auf. Nur nicht gegen die Spielzerstörer von Chelsea und Atlético antreten müssen.

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München ist "klar im Vorteil"

Die Bayern selbst sind beraten genug, so etwas öffentlich nicht zu äußern. "Real ist das stärkste Team, auf das wir treffen konnten", reagierte Mittelfeldspieler Javi Martínez, und Sportvorstand Matthias Sammer sagte: "Bayern gegen Real - mehr geht nicht im europäischen Fußball." Anders klang es da schon bei Ex-Trainer Jupp Heynckes, der mit beiden Teams die "Königsklasse" gewinnen konnte: "Bayern ist immer in der Lage, in Madrid ein Tor zu machen - und zu Hause eine Macht." Er sieht München "klar im Vorteil". Für Rekordnationalspieler Lothar Matthäus ist ohnehin klar: "Bayern wird seine Chancen nutzen."

Tatsächlich gibt es gute Gründe, die man anführen kann, um die Bayern in die Favoritenrolle zu versetzen. Allein die Zahlen: Madrid verliert zuverlässig und regelmäßig seine Europacup-Spiele in Deutschland. Von 27 Partien gewannen die "Königlichen" bei Bundesligisten zwei (!): Vor dem beeindruckenden 6:1 auf Schalke stand allein ein 3:2-Erfolg bei Bayer Leverkusen aus dem Jahr 2000 auf der Rechnung. In München gab es bei den vergangenen sechs Auseinandersetzungen fünf 1:2-Niederlagen, einmal rettete Madrid ein 1:1 über die Zeit. Fünfmal trafen beide Teams allein im Halbfinale aufeinander, viermal hieß der Sieger FC Bayern.

Statistik ist erst einmal nur Statistik, aber die Bilanz steckt bei den Real-Spielern im Kopf. Und wird da bleiben.

Die Verteidigung Madrids erschöpft sich seit Jahren in den Namen Pepe und Sergio Ramos - zwei Innenverteidiger, die zwar eine imposante, zuweilen weit jenseits des Erlaubten angesiedelte Härte ausstrahlen, aber schnell den Überblick verlieren können, wenn das Team unter Druck gerät. Wie das in Dortmund geschehen war.

Ronaldo in der Offensive unverzichtbar

Und vorne fehlt im Halbfinale eventuell die gefährlichste Waffe der Madrilenen. Die geheimnistuerische Art, wie der Verein mit der Muskelverletzung seines Superstars Cristiano Ronaldo umgeht, lässt für einen Einsatz zumindest im Hinspiel in Bernabéu, das schon in zwölf Tagen stattfindet, nichts Gutes ahnen.

Und so stark Karim Benzema und Gareth Bale in dieser Saison zuweilen aufgetrumpft haben - ohne den Weltfußballer fällt das einschüchternde Element der Real-Offensive weg. Ronaldo, der Mann, der jedes Spiel entscheiden und jede Abwehr düpieren kann, wäre für jede Mannschaft unverzichtbar. Für Real ist er es auch.

Die Formkurve der Madrilenen, die von Oktober bis März in Pflichtspielen ungeschlagen waren, bewegt sich in diesen Wochen nach unten. Und das Selbstvertrauen damit auch. Der Respekt, mit dem sie den Münchnern entgegentreten werden, wird gewaltig sein.

Dennoch: Real bleibt Real. Ein Team mit einem Kader, der Qualität im Überfluss besitzt. Real hat einen Luka Modric, der das beste Fußballjahr seiner Karriere spielt. Real hat einen Xabi Alonso, Welt- und Europameister mit dem Gespür für den Spielaufbau. Real hat, nicht zu vergessen, einen Iker Casillas, der in der Liga zwar nur zweite Wahl ist, in der Champions League aber zuletzt in Dortmund überragend hielt, und der ganz nebenbei fünffacher Welttorhüter ist.

Und Real verfügt über einen Trainer, der in seiner ruhigen Art sämtliche innermannschaftlichen Konflikte bereinigt hat. Madrid tritt unter Ancelotti erstmals seit Jahren als Team auf, eine Mannschaft, die sich nicht als Summe ihrer Teile versteht. Der Coach bringt fürs Halbfinale zudem seine eigene Statistik mit: Sechsmal ist er auf die Bayern getroffen, nie hat er verloren.

Der FC Bayern mag Favorit sein. Aber wer Real Madrid unterschätzt, ist schon so gut wie ausgeschieden.

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julia-s12345 11.04.2014
1. können ja wetten
Bayern München wird gewinnen. Die Schreiberlinge philosophieren jetzt wieder, aber am Ende gewinnt doch wieder der FC Bayern!
Orthoklas 11.04.2014
2. Der letzte Satz im Artikel...
... bringt es auf den Punkt!
m_scholz11@web.de 11.04.2014
3. dämlichste schlagzeile aller zeiten
was für eine bescheuerte schlagzeile, gefolgt von einem bescheuerten text. allein das barca vom letzten jahr war sicher ein schwererer wunschgegner als dieses real. spiegel online und sport - weniger kompetenz findet man nicht mal bei sport1. absoluter schrott!
theodorzaloschnik 11.04.2014
4.
Es ist vollkommen gleichgültig gegen wen die Bayern spielen. Wenn sie ihren Titel verteidigen wollen, müssen sie in der Lage sein gegen jede x-beliebige Mannschaft zu bestehen. So einfach ist das. Ich mache mir da keine Sorgen um den erbeuten CL-Triumph.
athb 11.04.2014
5. hmmm
Mir CR machts madrid ohne eher der Fcb. Im Allgemeinen denke ich liegt das spiel des fcb der real truppe. Der fcb hat ständig den ball macht aber oft zu wenig damit wobei gegenüber ein team steht welches extrem stark und unglaublich schnell gegenstösse einleiten kann. Das ist mM nach der knackpunkt...der fcb wird so wie er spielt gegen teams welche schnell umschalten probleme haben. Erlaubt sich der fcb ein erstes spiel gegen real wie er es gegen arsenal getan hat ist die nummer schon gelaufen.
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