Liverpools 4:0 aus dem Nichts Der Eckenblitz

Trent Alexander-Arnold und Divock Origi brachten den FC Liverpool mit einem Geniestreich ins Finale der Champions League. Das ging für alle im Stadion zu schnell: die Fotografen, Jürgen Klopp - vor allem für den FC Barcelona.

Xherdan Shaqiri (l.) feiert seinen Teamkollegen Trent Alexander-Arnold
AFP

Xherdan Shaqiri (l.) feiert seinen Teamkollegen Trent Alexander-Arnold

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Rund um ein Champions-League-Halbfinale sind für gewöhnlich Dutzende Fotografen im Einsatz. Jede Spielszene wird eingefangen, jede Emotion der Trainer - und natürlich jeder Torjubel aus diversen Perspektiven. Wir können Ihnen hier den Moment zeigen, der die Partie des FC Liverpool gegen den FC Barcelona entschied:

Divock Origi schießt das 4:0 gegen Barcelona
Phil Noble / REUTERS

Divock Origi schießt das 4:0 gegen Barcelona

Auch den anschließenden Jubel können wir liefern:

Divock Origi bejubelt seinen Siegtreffer
Peter Byrne / DPA

Divock Origi bejubelt seinen Siegtreffer

Von dem brillanten Moment, der zum Tor führte, existiert kein Agenturbild. Kein Vorwurf an die Fotografen - es ging einfach zu schnell.

Die Ecke, die den FC Liverpool ins Finale der Champions League brachte und die das 4:0 gegen den FC Barcelona herbeiführte, hat nicht einmal Trainer Jürgen Klopp gesehen. "Ich habe draußen noch gequatscht und sehe einen Ball ins Tor fliegen. Ich musste fragen, wer das Tor gemacht hat", sagte er bei Sky.

Überhaupt haben es wenige im Stadion mitbekommen. Nicht einmal die Profis aus Barcelona, die es eigentlich hätten verhindern sollen. Nur einer konnte - zum Glück für Liverpool - der Eingebung des Eckballschützen folgen: Stürmer Divock Origi.

Nachdem Rechtsverteidiger Alexander-Arnold sich den Ball zurecht gelegt hatte, ging er drei Schritte von der Fahne weg. Kollege Xherdan Shaqiri trabte schon heran und es sah danach aus, als wollte er ausführen - doch er kam gar nicht zum Einsatz. Denn plötzlich drehte sich Alexander-Arnold um und schlug den Ball flach in die Mitte.

Mit dieser Trent-Wende hatte niemand gerechnet: Barcelonas Hintermannschaft war noch im Begriff, sich zu organisieren. Auch die Liverpooler Spieler waren noch nicht einsatzbereit. Bis auf den völlig ungedeckten Origi, der die Situation blitzschnell erkannte und die Hereingabe direkt ins Tor schoss, um damit die Partie zu entscheiden.

"Wird jedem in Erinnerung bleiben"

"Es war einfach Instinkt", sagte Alexander-Arnold dem TV-Sender BT Sport nach dem Spiel über seine Idee. "Es war einer dieser Momente, in denen du die Gelegenheit siehst und offensichtlich hat Div schnell genug geschaltet, um zu vollstrecken."

Klopp lobte seinen jungen Außenverteidiger für diesen spielentscheidenden Geistesblitz und sagte: "Das war eine Idee von Trent Alexander-Arnold, 20 Jahre alt - was für ein Kerl!" Zuvor hatte er schon das 3:0 von Georginio Wijnaldum vorbereitet.

Nach dem Spiel bestätigte Alexander-Arnold, dass die Variante im Training einstudiert worden war. Dass es kein Zufall war, bestätigte auch Torschütze Origi: "Jürgen Klopp sagt im Training immer, dass wir aufmerksam sein und diese Chancen nutzen sollen." Als die Situation es zuließ, entschied Alexander-Arnold spontan, sie umzusetzen. Seinen Komplizen Origi würdigte er für seine Handlungsschnelligkeit: "Es hat ihn vermutlich auch überrascht, aber er ist ein Topspieler. Er hat zwei Tore für uns erzielt und ich denke eines davon wird jedem in Erinnerung bleiben."

Anmerkung: In der ursprünglichen Version des Texts hieß es, keine Kamera habe Alexander-Arnolds Eckball, der zum 4:0 führte, einfangen können. Tatsächlich gibt es Videomaterial von der Szene. Gemeint war jedoch, dass kein Agenturfotograf den Moment festgehalten hat.

Mit Material von Reuters und sid



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
didi2212 08.05.2019
1. Wohl einmalig!
Der geniale Trick wird wohl, da die Trainer für die Zukunft wohl mehr Aufmerksamkeit anmahnen werden, nicht mehr zu bewundern sein. Dass er im Training einstudiert wurde, untermauert die Klasse von Jürgen Klopp.
at.engel 08.05.2019
2.
Das vierte Tor ist nicht nur genial, weil die anderen dabei ziemlich alt aussehen, sondern könnte vielleicht auch dazu beitragen, dass diese elende Quasselei mal aufhört. Bei jeder Ecke, jedem Abseits... jedesmal, wenn einer stolpert, gehen erst einmal 20 Arme in die Höhe - keiner hat wirklich was gesehen, aber alle haben natürlich eine Meinung. Dann baut man sich erst mal vor dem Schiedrichter auf, um da ein bisschen Druck zu machen - an den unmittelbaren Entscheidungen ändert es ja nie was. Es ist einfach nur nervig, dieses Getue. So gesehen ein absolut genialer Zug...
TS_Alien 08.05.2019
3.
Das 4:0 zeigt sehr schön, wie unprofessionell der Fußball ist. Da stehen Verteidiger mit Millioneneinkommen herum und kümmern sich um nichts. Man muss ihnen offensichtlich sagen, ab wann sie Spieler decken müssen. Beim Fußball kann das Spiel nach einem Ballaus jederzeit weitergehen. Das sollten Profis wissen. Trotz allem ist der Trick nicht schön. Denn er nutzt aus, dass das typische Zeitspiel nach einem Ballaus mit Austausch des einwerfenden oder eckstoßenden Spielers einmal nicht stattfindet. Fußball ist öde geworden, wenn solche Szenen bejubelt werden.
Pela1961 09.05.2019
4.
Zitat von didi2212Der geniale Trick wird wohl, da die Trainer für die Zukunft wohl mehr Aufmerksamkeit anmahnen werden, nicht mehr zu bewundern sein. Dass er im Training einstudiert wurde, untermauert die Klasse von Jürgen Klopp.
Bei allem Respekt für die Leistung von JK. Dieser Trick war nach seiner eigenen Aussage direkt nach dem Spiel NICHT einstudiert, sondern ein spontaner Einfall von T. Alexander-Arnold. Wenn das Absicht gewesen wäre, hätte er wohl kaum nicht hingeschaut und wäre wohl auch nicht so überrascht gewesen, was da gemacht wurde.
g_bec 09.05.2019
5. In der Tat.
Zitat von at.engelDas vierte Tor ist nicht nur genial, weil die anderen dabei ziemlich alt aussehen, sondern könnte vielleicht auch dazu beitragen, dass diese elende Quasselei mal aufhört. Bei jeder Ecke, jedem Abseits... jedesmal, wenn einer stolpert, gehen erst einmal 20 Arme in die Höhe - keiner hat wirklich was gesehen, aber alle haben natürlich eine Meinung. Dann baut man sich erst mal vor dem Schiedrichter auf, um da ein bisschen Druck zu machen - an den unmittelbaren Entscheidungen ändert es ja nie was. Es ist einfach nur nervig, dieses Getue. So gesehen ein absolut genialer Zug...
In der Tat. Es wundert mich sowieso, dass so etwas nicht öfter vorkommt. Oft genug habe ich mich beim Zuschauen gefragt, warum die sich immer soviel Zeit lassen und nicht einfach mal sofort weitermachen, solange die Abwehr mit Diskutieren und Aufstellen befasst ist. Viel mehr Überraschungsmoment geht doch kaum noch. PS: Beim Schulsport kann man mit solchen Aktionen kann man als Fußballbonobo die ganzen "zukünftigen Fußballprofis" ganz schön aus dem Konzept bringen, die werden richtig sauer;-)
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