Drei Thesen zur Champions League Die Hoffnung stirbt spät - aber sie stirbt 

Der Überraschungserfolg gegen Manchester City blieb Schalke in letzter Minute verwehrt - dabei wäre ein Sieg durchaus verdient gewesen. Entschieden wurde die Partie durch die beiden Torhüter.

Schalkes Weston McKennie (l.) und Amine Harit
AFP

Schalkes Weston McKennie (l.) und Amine Harit

Von und


1. Schalke bleibt Schalke

Eine starke kämpferische Leistung attestierten viele Beobachter dem S04 im Champions-League-Achtelfinale gegen Manchester City. Die Schalker hätten den Sieg verdient gehabt, meinten andere Fußball-Fans - nicht nur in königsblau. Und tatsächlich fehlten dem Team von Domenico Tedesco gegen den Tabellenführer der Premier League unter dem Strich nur fünf Minuten, um den Überraschungserfolg einzufahren. Aber das ist nur die halbe Wahrheit.

Die liest sich dann doch anders: Schalkes Schwächen, die sich schon durch die gesamte Saison und alle Wettbewerbe ziehen, wurden auch in der Partie gegen ManCity deutlich: Es fehlt nicht nur die spielerische Klasse, um Chancen aus dem Spiel heraus zu kreieren (von sieben Abschlüssen gingen nur zwei aufs Tor - und das waren die Elfer); auch in Sachen Cleverness, Konzentration, Umschaltspiel und Defensivverhalten gibt es jede Menge Minuspunkte. Da war diese Achtelfinalpartie nur ein Spiegelbild der gesamten Saison.

Die Partie gegen Manchester kann also nicht als der vielleicht erhoffte Wendepunkt in einer bisher verkorksten Spielzeit gewertet werden. Alles bleibt wie bisher: Das Spiel machen, zu Chancen kommen, den Gegner dauerhaft unter Druck setzen - daran wird es dem Schalker Auftritt auch in den kommenden Partien mangeln. Was gegen einen mitspielenden Gegner wie Manchester noch harmlos wirkte (da man zu Kontersituationen kam), wird gegen Mainz, Düsseldorf oder Bremen folgendermaßen laufen: Schalke läuft sich fest, Schalke findet kein Durchkommen, Schalke kommt nicht zum Abschluss. Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber sie stirbt. Schalke bleibt Schalke.

2. Die Torhüter entscheiden die Partie

Keeper Ralf Fährmann bekam gegen Manchester City erneut den Vorzug vor Alexander Nübel, der am Wochenende in der Bundesliga aber wieder ins Tor zurückkehren soll. Ohne Fährmann stünde Schalke gar nicht erst im Achtelfinale, begründete Trainer Tedesco seine Entscheidung. Es brauchte gerade 18 Minuten, um aufzuzeigen, dass dies nicht seine beste Idee war.

Schalkes Innenverteidiger Jeffrey Bruma brach das Aufbauspiel ab, um einen neuen Versuch über die Torhüterposition zu starten. Fährmann nahm den Ball kurz an - und spielte risikoreich und ohne die nötige Passschärfe Salif Sané an, in dessen Rücken David Silva auf einen etwaigen Pass lauerte. Silva schnappte sich den Ball, legte vor Fährmann rüber auf Sergio Agüero - und es stand 1:0 für Manchester.

Dass Nübel der bessere Fußballer und der modernere Torhüter der beiden ist, war als einer der Gründe für den Schalker Torhüterwechsel während der Saison angeführt worden. In der Partie gegen Manchester patzte Fährmann jedoch nicht nur beim ersten, sondern auch beim dritten Treffer der Gäste:

Ralf Fährmann (links)
AFP

Ralf Fährmann (links)

Nach einer Ecke spielte City den Ball bis zum Torhüter zurück. Das Schalker Problem in dieser Szene: Der gegnerische Torhüter hieß Ederson. 20 Meter vor dem eigenen Tor legte er sich den Ball kurz vor und spielte dann einen Flugball über den ganzen Platz - direkt in den Lauf des gestarteten Raheem Sterling, der Schalkes Bastian Oczipka mit geringem Körpereinsatz abschütteln konnte.

Obwohl der Ball kurz zuvor noch beim gegnerischen Torhüter war, stand Fährmann keine fünf Meter vor seinem Tor. Moderne Torhüter platzieren sich weiter vorne, um lange Pässe des Gegner abfangen zu können. Das hätte Fährmann in diesem Fall nicht schaffen können, im direkten Duell wäre er trotzdem in einer besseren Position gewesen, um den Winkel zu verkürzen. Stattdessen verschob er derart unglücklich an den kurzen Pfosten, dass die linke Ecke vollkommen frei war. Sterling nahm die Einladung an - und traf zum 3:2-Sieg (90.).

3. Videobeweis hakt auch in der Champions League

Die Grundidee, dass Schiedsrichterentscheidungen in einem Fußballspiel noch einmal nachgeprüft werden können, kommt der Fairness zugute. Die Praxis in der Bundesliga zeigt aber, dass es in der Umsetzung Probleme gibt.

Felix Zwayer (Mitte)
AFP

Felix Zwayer (Mitte)

Das hat sich auch in der Champions League bestätigt, was angesichts der jüngsten Einführung des VAR zum Achtelfinale nicht überrascht. Auf Schalke ging es um den Zeitraum, bis die Entscheidung feststand. Zwischen dem als strafbar anzusehenden Handspiel von Nicolas Otamendi und dem Elfmetertreffer von Nabil Bentaleb lagen 4:28 Minuten. Das hatte allerdings auch mit technischen Schwierigkeiten in der Review Area zu tun.

Auch in Madrid sorgte der Videobeweis für Ärger im Stadion: Alvaro Morata traf im Parallelspiel (2:0) zur Führung für Atlético gegen Juventus (70.). Beim Kopfballduell war Juve-Verteidiger Giorgio Chiellini nach einem Schubser von Morata theatralisch zu Fall gekommen. Der VAR schritt ein, weil er sich von der Theatralik nicht hat blenden lassen. Schiedsrichter Felix Zwayer schaute sich die Szene nochmal an und revidierte seine falsche Tor-Entscheidung zum Unmut der Atlético-Anhänger.

Es wird in den kommenden Monaten weiterhin viele Diskussionen um den Videobeweis geben, gerade auch in einem Wettbewerb wie der Champions League, in dem es deutlich weniger Spiele als in der Bundesliga gibt. Eine regelmäßige Abstimmung zwischen Schiedsrichter und Videoassistenten ist so nicht gegeben. Es bleibt trotzdem ein gutes und richtiges Instrument.



insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Mister Stone 21.02.2019
1.
Ja, Schalke hat ein schweres Los. Aber sie hatten das Glück, dass City nicht in Bestform spielte, dazu 2 Elfmeter verursachte und einen Platzverweis kassierte. Mehr gute Voraussetzungen kann man doch gar nicht kriegen. Und was passiert: City dreht den Rückstand trotz Unterzahl. Dabei hat City nicht mal großartig gespielt. Schalke bleibt Schalke - viel Kampf und viel Krampf. Keine echten Chancen herausgespielt, keine Schüsse aufs Tor. Für mich sind sowohl Sportvorstand (sehr von sich selbst überzeugt) als auch Chef-Trainer (Wahrnehmungsstörungen) dafür verantwortlich. Die beiden jetzt zu entlassen wäre aber der falsche Zeitpunkt. Schalke sollte erstmal den Abstiegskampf annehmen und sich dann in der Sommerpause neu aufstellen, vielleicht vorzugsweise für die 2. Liga, weil man es dann leichter hätte, den kantigen Kader zu verbilligen und zu verjüngen.
briancornway 21.02.2019
2. Kein Glück
Zitat von Mister StoneJa, Schalke hat ein schweres Los. Aber sie hatten das Glück, dass City nicht in Bestform spielte, dazu 2 Elfmeter verursachte und einen Platzverweis kassierte. Mehr gute Voraussetzungen kann man doch gar nicht kriegen. Und was passiert: City dreht den Rückstand trotz Unterzahl. Dabei hat City nicht mal großartig gespielt. Schalke bleibt Schalke - viel Kampf und viel Krampf. Keine echten Chancen herausgespielt, keine Schüsse aufs Tor. Für mich sind sowohl Sportvorstand (sehr von sich selbst überzeugt) als auch Chef-Trainer (Wahrnehmungsstörungen) dafür verantwortlich. Die beiden jetzt zu entlassen wäre aber der falsche Zeitpunkt. Schalke sollte erstmal den Abstiegskampf annehmen und sich dann in der Sommerpause neu aufstellen, vielleicht vorzugsweise für die 2. Liga, weil man es dann leichter hätte, den kantigen Kader zu verbilligen und zu verjüngen.
Normalwererweise hat das wenig mit Glück zu tun, denn der Gegner verursacht nur dann Elfmeter oder gelbrote Karten, wenn er sich nicht anders gegen die Angriffe zu wehren können glaubt. Die dazu führenden Situationen muss man sich erarbeiten, da gibt es keine Lotterie.
ex_Kamikaze 21.02.2019
3. Gerechtes Ergebnis,
allein wer die ersten 15 Minuten gesehen hat kann genau die Möglichkeiten beider Kontrahenten einschätzen. Und mehr Glück als S04 kann man nicht haben: 2 Elfer bevor man selbst irgendwie einen Schuß Richtung Tor abgegeben hat sind schon ein mächtiges Stück Dusel. Und danach gab es es ja auch nicht mehr Torabschlüsse. Unter dem Strich reichen eben destruktive Taktik und körperlicher Einsatz nicht immer. Nicht mal den Ball halten konnten wenn man denn schon keinerlei Torgefahr schaffen kann. Das Spiel heißt Fußball - und genau davon hat Schalke 04 viel zu wenig gespielt.
Pixelpu 21.02.2019
4. Der übliche Krampf
nach zwei Elfmeter und einer roter Karte für den Gegner spielt S04 hinten gefühlt mit einer 9er Kette. Keine rausgespielte Torchance in 90 Minuten. Kein Spielaufbau und technisches Unvermögen wohin man auch sieht. Ein Tormann der keine Bälle geradeaus treten kann und ein Oczipka der für eine Körperdrehung gefühlte 2 Minuten benötigt. Alles in allem: Der königsblaue Berg gebärt die übliche Maus.
mostly_harmless 21.02.2019
5.
Tedesco hat nicht nur den Fehler bezüglich der Aufstellung von Fährmann gemacht, sondern hat nach dem Platzverweis offenkundig nicht die Anweisung gegeben "draufzugehen" um zu versuchen das 3:1 zu erzielen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.