Champions-League-Finale Barças Ballkünstler gegen Lehmanns Bollwerk

Die Rollen sind eindeutig verteilt: Im Champions-League-Finale gilt der FC Barcelona als Favorit gegen den FC Arsenal. Weltfußballer Ronaldinho will dem englischen Club eine Lektion erteilen, doch der Gegner hat die beste Abwehr Europas.


Paris - Es ist das 50. Endspiel um den Titel der besten europäischen Vereinsmannschaft, trotz der Favoritenstellung des spanischen Meisters ist ein spannendes Finale aber wahrscheinlicher als eine Demontage des FC Arsenal. Dabei ist es genau das, was Ronaldinho plant. "Finals sind nicht gerade torreiche Spiele. Aber wir wollen das ändern und wie der FC Sevilla Tore schießen", erklärte der brasilianische Barça-Spielmacher vor dem ersten Champions-League-Finale seiner Karriere (Mittwoch, 20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Sevilla hatte vor Wochenfrist im Uefa-Cup-Finale 4:0 gegen den FC Middlesbrough gewonnen.

Barcelonas Brasilianer Ronaldinho: Tore wie der FC Sevilla
AP

Barcelonas Brasilianer Ronaldinho: Tore wie der FC Sevilla

Beim FC Arsenal bleibt man jedoch gelassen. Der Club stellte auf dem Weg ins Finale mit zehn Spielen in Folge ohne Gegentor einen Champions-League-Rekord auf. Auch ein Verdienst des deutschen Torwarts Jens Lehmann, der durch den gehaltenen Elfmeter gegen Juan Roman Riquelme (Villareal) im Halbfinale Arsenal erst die Endspielteilnahme ermöglicht hatte. "Barcelona ist ja Favorit, habe ich gehört. Wir kennen die Spanier sehr gut. Ich habe mich auf verschiedene Spieler vorbereitet, nicht nur auf Ronaldinho", so Lehmann, der vor dem Brasilianer aber den größten Respekt hat. "Wenn Ronaldinho nicht so stark spielt wie er kann, wäre das schon von Vorteil."

Ansonsten verlässt sich die deutsche Nummer eins auf seine Vorderleute, eine aus der Not geborene, fast noch jugendliche Abwehr mit den beiden 22-Jährigen Emmanuel Eboue, Mathieu Flamini und Philippe Senderos (21). Wenn man in einer personellen Notlage stecke, "entdeckst Du manchmal die richtigen Spieler", erklärte Arsenals Teammanager Arsene Wenger, der vor einem Jahr den Abgang Patrick Vieiras (zu Juventus Turin) und dieser Saison die Ausfälle von Sol Campbell und Ashley Cole verkraften musste. Die beiden englischen Nationalspieler stehen Ferguson morgen jedoch wieder zur Verfügung.

Für die Tore soll Thierry Henry sorgen. Der 28-Jährige wurde mit 27 Treffern Torschützenkönig der Premier Leage und gerade in England zum Spieler des Jahres gewählt. "Arsenal und Barcelona haben die Spieler, um eine große Show abzuliefern. Aber am Ende des Abends zählt sowieso nur das Ergebnis", erklärte Henry. Ohne ein funktionierendes Team werde aber auch der Franzose nicht gut spielen, sagte Wenger.

Missgeschick des Schiedsrichter-Assistenten

Sein Gegenüber auf der Trainerbank Barcelonas sieht den Druck aber bei der eigenen Mannschaft. "Ich habe größere Kopfschmerzen als Wenger. Es wird einfacher für Arsenal als für uns. Wir gehen ein größeres Risiko, weil wir in ihrer Hälfte spielen. Sie warten auf unsere Fehler", sagte Frank Rijkaard. Als Spieler gewann Rijkaard mit dem AC Mailand (1989 und 1990) und mit Ajax Amsterdam (1995) dreimal den Landesmeistercup und möchte nun auch als Trainer dem größten holländischen Fußballer, Johan Cruyff, nachfolgen. Der hatte 1992 mit Barcelona den Landesmeister-Cup gewann.

Einen Fauxpas leistete sich ein Assistent des norwegischen Schiedsrichters Terje Hauge, der das Endspiel leiten wird. Ole Hermann Borgen ließ sich von der heimischen Zeitung "Drammens Tidende" im Trikot des FC Barcelona ablichten - später kam dem eigentlich Unparteiischen in den Sinn, dass dies nicht allzu glücklich gewesen sein könnte. "Das war dumm von mir", erklärte Borgen einen Tag nach dem Missgeschick, "ich habe nicht über die Wirkung und die möglichen Konsequenzen nachgedacht."

Schiedsrichter Hauge tadelte in einem am Abend in Paris öffentlich verlesenen Statement seinen Assistenten: "Er ist und war kein Barcelona-Fan. Es war einfach eine dumme Aktion, die er sehr bereut", sagte der 40-Jährige. Auch die Trainer der Finalisten reagierten gelassen. Arsenal-Coach Wenger sagte, es sei unglücklich, "weil jetzt Raum für Spekulationen existiert. Aber ich vertraue den Schiedsrichtern". Sein Kollege Rijkaard schlug ähnliche Töne an: "Ich bezweifele nicht die Unabhängigkeit des Schiedsrichters. Diese Geschichte ist nur toll für die Medien."

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Arsenal: 1 Lehmann - 27 Eboue, 28 Toure, 23 Campbell, 3 Cole - 13 Hleb, 15 Fabregas, 19 Silva, 7 Pires - 9 Reyes, 14 Henry. Trainer: Wenger
Barcelona: 1 Valdes - 2 Belletti, 5 Puyol, 4 Marquez, 12 van Bronckhorst - 15 Edmilson, 20 Deco, 24 Iniesta - 10 Ronaldinho, 8 Giuly, 9 Eto'o. Trainer: Rijkaard
Schiedsrichter: Terje Hauge (Norwegen)

goe/sid/dpa



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